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Ahrensburg

Syrer erobern Herzen ihrer Helfer

Aus einer Patenschaft wurde Freundschaft (v. l.): Karin Boß, Amina Mustafa, Anika Peik, Andreas Kebernik und Amuni Mustafa. Vorn: Ihre Schwester Malpha

Aus einer Patenschaft wurde Freundschaft (v. l.): Karin Boß, Amina Mustafa, Anika Peik, Andreas Kebernik und Amuni Mustafa. Vorn: Ihre Schwester Malpha

Foto: Verena Künstner / HA

Ahrensburger kauft Haus, um zwei Flüchtlingsfamilien ein Heim zu geben. Die begeistern ihre Nachbarn mit einem Fest als Dank.

Ahrensburg.  Ein höflicher Umgangston und ein freundliches Moin sind unter den Nachbarn am Reesenbütteler Redder im Ahrensburger Westen die Regel. Persönliches erfahren die Anwohner aber nur selten voneinander. Doch das ändert sich jetzt. Zwei Flüchtlingsfamilien aus Syrien zogen vor Kurzem in die Nachbarschaft – und lösten eine wahre Welle an Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft aus.

Vater Adel Mustafa, 47 Jahre alt, und Mutter Amina, 41, sind mit sieben Kindern aus Syrien über die Balkanroute geflüchtet. Mit Glück fanden sie im vergangenen Jahr Unterschlupf in Ahrensburg. Und Dank eines großzügigen Ehepaares seit Anfang dieses Jahres ein richtiges Zuhause. Die Mustafas leben im Erdgeschoss eines Zweifamilienhauses mit ausreichend Platz für alle Kinder. Seit einem Monat leben im Obergeschoss Ahmat und Nesrin Sheikh-Hanifi mit ihrer zwei Monate alten Tochter Ela. Diese junge Familie war ebenfalls aus Syrien geflüchtet.

Das Haus mit dem großen Garten und der schönen Terrasse gehört Brigitte und Henning Offen, beide Ahrensburger. „Wir haben die Immobilie im Herbst 2015 allein zu dem Zweck gekauft, dass Flüchtlinge darin wohnen können“, sagt Henning Offen gegenüber dem Abendblatt. Er hat den Wohnraum an die Stadt vermietet und bekommt nach eigenen Angaben 5,80 Euro pro Quadratmeter. „Der normale Mietpreis liegt in dieser Gegend um die neun Euro“, sagt Offen. Er könnte Profit machen. Doch ums Geld gehe es dem ehemaligen Banker nicht. Seine Frau und er wollten helfen. „Wir sollten Menschen, die alles verloren haben und aus ihrer Heimat fliehen mussten, hier einen guten Start ermöglichen“, sagt Brigitte Offen. Eine dezentrale Unterbringung sei dafür eine wichtige Voraussetzung. „Nur so können wertvolle Kontakte entstehen, die positiv für alle Beteiligten sind. Das tut nicht nur den Flüchtlingen gut.“

Rund 20 Menschen halfen und helfen den beiden Familien bis heute aktiv dabei, in ihrer neuen Heimat Fuß zu fassen. Darunter sind zum Beispiel Deutschlehrer und Sporttrainer. Und auch Mitglieder des Freundeskreises für Flüchtlinge Ahrensburg, Nachbarn und die sogenannten Familienpaten, die für die Familien erste Ansprechpartner und mittlerweile gute Freunde geworden sind.

Mit einem Fest bedanken sich dieFlüchtlinge bei ihren vielen Helfern

Alle Helfer, Nachbarn und Freunde waren am Sonntag zu einer Willkommensparty eingeladen, die – trotz eines kühlen Regenschauers – voller Wärme war. Gastgeber waren die Familien Mustafa und Sheikh-Hanifi. Sie wollten ihren vielen Unterstützern auf diese Weise Danke sagen. Unter anderem auch mit einem bunten Buffet mit Speisen aus ihrem Heimatland. „Wir haben den Frauen angeboten, beim Kochen zu helfen“, erzählt Karin Boß, eine der sogenannten Familienpaten der Mustafas. „Doch sie wollten nicht, dass wir Arbeit damit haben.“ Das sei gelebte Gastfreundschaft sagt Boß, die im Haus gegenüber wohnt und als Ansprechpartnerin immer greifbar sei. Und das sei sie gern. Gerade am Anfang habe sie sich vor allem darum bemüht, die Kinder der Mustafas in Ahrensburger Vereinen unterzubringen. Das habe super geklappt. Anika Peik, eine zweite Patin der Mustafas, sagt: „Es ist unglaublich, wie schnell die Mädchen und Jungs allein durch den Kontakt mit anderen Kindern unsere Sprache gelernt haben.“ Bewundernswert sei auch, wie offen die Familien auf Menschen zugingen. Und das, obwohl sie so viel Leid erfahren haben. Karin Boß weiß, dass Ehepaar Mustafa noch immer große Sorgen hat: Der älteste Sohn lebt in einem Männerwohnheim in Bayern, darf nicht zu ihnen reisen. „Ich habe schon unzählige Telefonate geführt“, sagt Boß. Ohne Erfolg. „Da bleibe ich dran. Es wäre wundervoll, wenn ich der Familie so bald wie möglich diese große Freude machen könnte.“

Wer den Freundeskreis für Flüchtlinge Ahrensburg unterstützen möchte, wendet sich an paten@fkfa.de