Stormarn
Todesstrecke

Ammersbeker Gemeindevertreter fordern Entschärfung der L 225

Mit einem Bild des verunglückten Benjamin Eckhardt appellieren Gabriele Eckhardt (v.l.), Christina Eckhardt und Jasmin Schimmel daran, etwas zu unternehmen

Mit einem Bild des verunglückten Benjamin Eckhardt appellieren Gabriele Eckhardt (v.l.), Christina Eckhardt und Jasmin Schimmel daran, etwas zu unternehmen

Foto: Harald Klix / HA

Die Familie des in Ammersbek tödlich verunglückten Motorradfahrers appelliert an die Politiker. Auch Nachbarkommunen für Umbau.

Ammersbek.  Es ist so still wie nie bei einer Gemeindevertretersitzung in Ammersbek. Mit brüchiger Stimme spricht Gabriela Eckhardt ins Mikrofon. „Bitte tun Sie alle gemeinsam etwas dafür, dass sich so ein Unfall nicht wiederholen kann!“ Eindringlich appelliert die Mutter des vor vier Wochen an der Einmündung Hoisbütteler Mühle tödlich verunglückten Motorradfahrers an Kommunalpolitik und Verwaltung, die T-Kreuzung Landesstraße 225/Lübecker Straße schnellstens umzubauen. „Oder wollen Sie auf den nächsten Toten warten?“

Christina Eckhardt, Schwester des ums Leben gekommenen 35-Jährigen, ergänzt unter Tränen: „Wir stehen heute für meinen Bruder hier und bitten Sie inständig, uns zu helfen.“ Gemeinsam mit Jasmin Schimmel, die ein großes Foto ihres Lebenspartners hochhält, haben die Frauen ein Ziel: die Todesstrecke zu entschärfen, damit keine weitere Familie so viel Leid aushalten muss.

Unterstützung auch aus Ahrensburg und Bargteheide-Land

Die Worte der Angehörigen von Benjamin Eckhardt, dem eine Autofahrerin am Morgen des 27. April die Vorfahrt genommen hatte, finden Gehör. Im Sitzungssaal ist es nicht nur leise wie nie, es herrscht bei dem Thema auch so viel Einigkeit wie selten. Bürgermeister Horst Ansén bekommt einstimmig den Auftrag, kurzfristig mit den zuständigen Behörden über mehr Verkehrssicherheit zu sprechen. Auf SPD-Antrag kommt außerdem der Bauausschuss zu einer Sondersitzung an der Unfallstelle zusammen.

„Die Situation ist untragbar“, sagt Ansén. An der Hoisbütteler Mühle hat es dieses Jahr bereits sechs Zusammenstöße gegeben. „Und wohl jeder, der dort entlangfährt, kann von Beinahe-Unfällen berichten“, so der Bürgermeister. Weil die Straße auch für viele Autofahrer aus der Umgebung wichtig sei, habe er bereits mit seinen Kollegen Michael Sarach (Ahrensburg), Janhinnerk Voß (Großhansdorf) und Bernd Gundlach (Amt Bargteheide-Land) gesprochen: Sie alle unterstützten die Forderung, möglicherweise einen Kreisverkehr zu bauen oder Ampeln aufzustellen.

Rückendeckung kommt auch von den Gemeindevertretern

Rückendeckung hat Horst Ansén auch von seinen Gemeindevertretern. „Es reicht nicht aus, lediglich weitere Schilder aufzustellen“, sagt die CDU-Fraktionsvorsitzende Christiane Maas. „Selbst Tempo 50 wird an der Stelle nichts nützen.“ Die Kreuzung müsse umgebaut werden, das werde auch die vielen Raser am Hoisbütteler Ortseingang bremsen.

Sie habe „Hochachtung“ vor dem öffentlichen Einsatz der Familie von Benjamin Eckhardt: „Ich weiß selbst, wie es ist, einen nahen Angehörigen durch Unfall zu verlieren.“

Jürgen Kestien (SPD) ergänzt, dass das Überqueren der Straßen auch für Fußgänger und Radfahrer gefährlich sei und „viele Bagatellunfälle“ gar nicht erfasst würden. „Wir dürfen nicht auf den nächsten Unfall warten, sondern sollten auch Sofortmaßnahmen ergreifen“, so Kestien.

20.000 Fahrzeuge passieren täglich die Einmündung

Deshalb unterstützt Holger Spanehl (Wählergemeinschaft UWA) die Idee, den Bauausschuss zu einer Sondersitzung einzuberufen. Angelika Schmidt (Grüne) regt an, sofort Warnschilder mit Unfallmotiven aufzustellen. „In anderen Orten hat das psychologisch gewirkt“, sagt sie. Gabriela Späte (FDP) schlägt vor, alle Ortseingänge genauer zu untersuchen.

Laut Ammersbeker Verwaltung passieren bis zu 20.000 Fahrzeuge täglich die Einmündung an der Hoisbütteler Mühle. Nach Statistiken des Landesbetriebs für Straßenbau und Verkehr (LBV) in Lübeck, der für die Landesstraße zuständig ist, sind es dagegen rund 10.000 Autos. Bis zu diesem Jahr habe es keine auffälligen Unfallzahlen gegeben. Doch jetzt ist das Problem auch dort erkannt.

Umbauten schon im Sommer offenbar kaum zu schaffen

„Wir werden mit der Unfallkommission in Kürze vor Ort zusammenkommen“, sagt der LBV-Niederlassungsleiter Jens Sommerburg. Das Gremium, dem noch Vertreter von Polizei und Verkehrsaufsicht Stormarn angehören, werde die Unfallursachen auswerten. „Dann gibt es viele Möglichkeiten“, sagt Sommerburg. Die Palette reicht von einem weiteren Tempolimit (bisher gelten 70 km/h) über eine stationäre Blitzanlage bis zu Ampeln oder einem Kreisverkehr.

Die L 225 wird von der Einmündung in Richtung Timmerhorn vom 25. Juli bis 2. September für eine Grundsanierung gesperrt. Dass größere Umbauten damit verbunden werden können, scheint wegen der kurzen Vorbereitungszeit zumindest fraglich.

Für die Familie des Unfallopfers steht nach dem Abend im Ammersbeker Pferdestall fest, weiter zu kämpfen. Auch wenn Gabriela Eckhardt „erschüttert“ darüber ist, dass schon seit Jahren über die Gefahren diskutiert werde. „Wenn schon eher etwas passiert wäre“, sagt sie, „könnte mein Sohn vielleicht noch leben.“