Stormarn
Bad Oldesloe

Ansturm auf Bürgermeister-Kandidaten-Runde

Die Kandidaten Sebastian Schulz (v.l.), Jörg Lembke (beide parteilos), Maria Herrmann (SPD) und Jörg Feldmann (CDU) mit Moderator Carsten Kock

Die Kandidaten Sebastian Schulz (v.l.), Jörg Lembke (beide parteilos), Maria Herrmann (SPD) und Jörg Feldmann (CDU) mit Moderator Carsten Kock

Foto: Finn Fischer / HA

Auch bei der zweiten Vorstellung der Bewerber für das Oldesloer Bürgermeisteramt fanden viele Menschen keinen Platz.

Bad Oldesloe.  Das Interesse an Bürgermeisterwahlen ist in der Regel eher verhalten. In Ahrensburg stimmten im vergangenen Jahr nur 35 Prozent der Bürger über ihren Verwaltungschef ab – eine ernüchternde Bilanz. In Bad Oldesloe ist von derartiger Politikverdrossenheit zurzeit nichts zu spüren. Schon die erste Vorstellung der vier Bewerber für das Bürgermeisteramt kürzlich in der Festhalle wurde buchstäblich überrannt. Nachdem rund 160 Menschen vor verschlossenen Türen blieben, setzte die Verwaltung nun ein weiteres Kandidaten-Duell an.

Doch auch diesmal reichte der Platz nicht aus. Rund 60 Bürger mussten draußen bleiben. „Das ist sehr frustrierend und ärgerlich“, sagte Christel Haufe, eine der Betroffenen. „Ich bin Pendlerin und hatte keine Möglichkeit, früher zu kommen“, so die Oldesloerin, die schon bei der ersten Veranstaltung keinen Platz fand. Ähnlich ging es Kristof Krause: „Ich bin Neubürger und musste erst herausfinden, wo die Festhalle ist. Da interessiert man sich schon für die Politik in seiner Stadt, und dann so etwas. Ich bin etwas perplex.“ Sein Vorschlag: „Man hätte doch die Veranstaltung nach draußen verlegen oder per Stream im Internet übertragen können.“









Manche Bürger besuchten beide Vorstellungsrunden

Aus dem Publikum kam unterdessen Kritik, dass einige Nicht-Oldesloer ohne Wahlrecht unter den Gästen waren. Während viele Menschen aus unterschiedlichen Gründen beide Male nicht bis in die Festhalle vordringen konnten, besuchten andere Bürger beide Veranstaltungen. So war das von der Verwaltung eigentlich nicht gedacht, da beide Kandidaten-Duelle in Form und Themen ähnlich aufgebaut waren.

Durch den Abend führte erneut der R:SH-Moderator Carsten Kock. Er befragte die Kandidaten Maria Herrmann (SPD), Jörg Feldmann (CDU), Jörg Lembke und Sebastian Schulz (beide parteilos) zu verschiedenen Themenbereichen.

Kandidatin Maria Herrmann will die Kitas ausbauen

Maria Herrmann setzte ihren Fokus diesmal auf ihre langjährige Erfahrung als Lokalpolitikerin: „Ich weiß, dass meine Person nicht unumstritten ist, aber so ist das, wenn man über Jahre hinweg zu vielen Themen Stellung bezieht“, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende. „Aber ich bin seit 20 Jahren Oldesloerin und habe im Laufe der Jahre alle Prozesse in dieser Stadt miterlebt.“ Auf ihrer Agenda steht der Ausbau von Kitas als Bildungseinrichtungen und eine Stadtentwicklung möglichst ohne Investoren von außen.

Jörg Feldmann möchte als „Externer“ punkten: „Ich habe einen unverstellten Blick auf diese Stadt und ihre Probleme und werde in meiner Amtszeit Fragen stellen, die andere sich nicht mehr trauen zu stellen“, sagte der CDU-Kandidat, der derzeit noch in Ahrensburg lebt, aber im Falle seiner Wahl in die Kreisstadt ziehen würde. Feldmann beschreibt sich als einen Strategen mit der Fähigkeit, langfristig zu denken: „Wer eine Stadt entwickeln möchte, der muss wissen, wo es hingehen soll.“ Vor allem wirtschaftlich müsse Bad Oldesloe wieder ein attraktiver Standort werden. Sein Ziel sei es, neue Anreize für Unternehmen zu schaffen.

Kandidat Jörg Lembke spricht viele junge Wähler an

Jörg Lembke betonte bei seiner Vorstellung die Notwendigkeit eines vernünftigen Dialogs zwischen Verwaltung und den politisch Verantwortlichen: „Ich habe in meinen bisherigen Ämtern immer dafür gesorgt, einen Konsens zu finden“, so Lembke, der aktuell das ehrenamtliche Bürgermeisteramt in Feldhorst bekleidet. Sein großes Thema ist die Belebung der Innenstadt. Lembke: „Der Marktplatz mit seinem Kopfsteinpflaster bedarf einer Umgestaltung und WLAN-Hotspots könnten eingerichtet werden.“ Bei Gesprächen mit jüngeren Wählern sei immer wieder der Wunsch nach neuen Modegeschäften oder einem Schnellrestaurant in der Innenstadt gefallen.

Sebastian Schulz, ebenfalls parteilos, sieht seine Aufgabe in der Schaffung einer bürgernahen und transparenten Verwaltung und Entscheidungsfindung in den politischen Ausschüssen. „Ich möchte unsere Stadt gemeinsam mit allen Bürgern gestalten“, sagte er. Bad Oldesloe müsse für jüngere und ältere Menschen gleichermaßen lebenswert sein. Dazu gehört eine barrierefreie Innenstadt. Bei einem runden Tisch sollen Ideen für eine bessere wirtschaftliche Entwicklung gefunden werden.

So wird der Bürgermeister in Bad Oldesloe gewählt:

Tassilo von Bary (parteilos), seit zwölf Jahren Bürgermeister von Bad Oldesloe, verzichtet auf eine erneute Kandidatur. Deshalb wird es einen neuen Verwaltungschef geben. Am Sonntag, 5. Juni, entscheiden die Bürger über die Personalie per Direktwahl. Sollte keiner der vier Bewerber eine absolute Mehrheit von über 50 Prozent erhalten, kommt es am 19. Juni zu einer Stichwahl zwischen den zwei Kandidaten mit den meisten Stimmen. Der Gewinner löst Tassilo von Bary am 1. Oktober 2016 ab. Die Amtszeit beträgt sechs Jahre. Der Bürgermeister leitet die Verwaltung mit ihren 232 Mitarbeitern.