Stormarn
Einbruchsserie

Autoknacker richten Millionenschaden an

So wie auf diesem Symbolfoto hebeln Täter Autotüren oft mit einem Schraubendreher auf

So wie auf diesem Symbolfoto hebeln Täter Autotüren oft mit einem Schraubendreher auf

Foto: www.polizei-beratung.de

949 Fahrzeuge brachen die Täter 2015 auf. In Ahrensburg und Reinbek sind sie besonders aktiv. Firmen und Bürger engagieren Wachdienste.

Ahrensburg/Reinbek.  Die Täter kommen meist im Schutze der Dunkelheit. Sie schlagen Seitenscheiben von Autos ein, hebeln Fahrertüren auf, knacken Schlösser. Dabei richten sie enormen Schaden an. Im vergangenen Jahr wurden in Stormarn 949 Autos aufgebrochen, 124 Autos wurden gestohlen. Besonders haben es die Verbrecher, die teils bandenmäßig organsiert sind, auf Navigationsgeräte abgesehen. Und sie haben bevorzugte Gebiete, in denen sie auf Beutezug gehen. In Ahrensburg verzeichnet die Kripo 167 Fälle für das Jahr 2015, für Reinbek 122. In Oststeinbek und Barsbüttel jeweils 91.

Nach Erkenntnissen der Polizei sind es meist osteuropäische Täter, die sich zu Banden zusammenschließen, die gut miteinander vernetzt sein sollen. Viele der Täter sind spezialisiert auf den Diebstahl von Navigationsgeräten. Ihre Beute bauen sie fachmännisch aus. Wie Ende vergangener Woche, als in Glinde in einer Nacht neun Autos aufgebrochen wurden.

Der Schaden, den die Autoknacker anrichten, ist enorm

247 Navigationsgeräte erbeuteten die Verbrecher in Stormarn im vergangenen Jahr. Besonders haben sie es auf Geräte aus Fahrzeugen der Marken BMW, Mercedes, Audi und Volkswagen abgesehen. Eines dieser High-Tech-Geräte kostet im Schnitt 3000 Euro. Begehrt sind sie nach Angaben der Kripo, weil die Multifunktionsgeräte die Autofahrer nicht nur von A nach B lotsen, sondern auch eine Schnittstelle zu Radio, Bluetooth, Media-Player und Mobiltelefonen bilden. Aber auch Spiegel, Scheinwerfer, Rückleuchten, Airbags oder Felgen von luxuriösen Fahrzeugen sind beliebt bei den Dieben. „Generell nehmen die Täter alles mit, was nicht niet- und nagelfest ist“, berichtet Thomas Arnold, Service- und Standortleiter bei Audi in Ahrensburg.

Der Schaden, den die Autoknacker anrichten, ist enorm. Durch den Diebstahl von Teilen und im Wagen zurückgelassenen Wertsachen entstand in 2015 kreisweit ein Schaden in Höhe von mehr als 1.2 Millionen Euro. Nicht mitgerechnet sind dabei die Schäden, die die Täter bei den Aufbrüchen an den Fahrzeugen verursachen. „Um an die Teile zu kommen, schlagen die Diebe Seitenscheiben ein, hebeln Türen auf, beschädigen das Schloss und schneiden Kabel durch“, sagt Thomas Arnold. „Für die Instandsetzung inklusive Lackierung müssen Kunden schnell einmal mit Kosten in Höhe von bis zu 10.000 Euro rechnen.“

Immer öfter werden private Sicherheitsfirmen engagiert

Die in den Autos fest integrierten Navigationssysteme verfügen über eine spezielle Codierung. Um die Navis nutzen zu können, müssen diese für das jeweilige Auto freigeschaltet werden. Doch auch dieses Hindernis schreckt die Diebe nicht ab: „Die Erfahrung zeigt, dass die Täter die Codes knacken können und Möglichkeiten haben, die Navigationsgeräte weiter zu verwenden“, sagt Hans-Jürgen Köhnke, von der Kripo Bad Oldesloe. Einige schrecken sogar nicht davor zurück, mit ihrem Diebesgut direkt zum Autohändler zu kommen. Bei VW Senger in Bad Oldesloe haben sie allerdings kein leichtes Spiel. Vor der Freischaltung müssen Fahrzeugschein, Fahrzeugbrief und Personalausweis vorgelegt werden. „Wenn jemand mit einem Navigationsgerät ohne Code zu uns kommt, schrillen bei uns die Alarmglocken“, sagt Stefan Schunck, der im Teiledienst arbeitet. „Die Polizei steht in sechs Minuten bei uns auf dem Gelände.“ Das sei schon mehrmals vorgekommen. Die Täter so oder auf frischer Tat zu schnappen, klappe allerdings selten, sagt die Polizei. Meist fehlt von ihnen jede Spur, ihre heiße Ware verkaufen sie über das Internet. Nur 42 Fälle konnten die Beamten 2015 mithilfe von Fingerabdrücken aufklären.

Mittlerweile schützen sich Autohändler vor den Verbrechern, indem sie private Sicherheitsfirmen engagieren. „Viele Kunden wollen nicht nur ihr Haus, sondern auch ihr Auto bewacht haben“, sagt Dmitrij Gidion. Er ist Einsatzleiter der Ahrensburger Sicherheitsfirma Pfeffer Security. Im Abstand von drei Stunden fährt Gidion zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens Streife, bewacht Fahrzeuge auf Privat- oder Firmengeländen. Privatleute nutzen den Service vor allem in den Ferienzeiten. Das ist nicht gerade günstig: Für die Überwachung von Haus und Fahrzeugen zahlen sie je nach Größe und Anfahrtsweg bis zu 2000 Euro pro Monat. Übrigens: Auch in diesem Kriminalitätsfeld ist die Gefahr, Opfer einer Staftat zu werden, in der dunklen Jahreszeit am größten. Am häufigsten wurden im Jahr 2015 in den Monaten Dezember, (132 Fälle) und Oktober (104 Fälle) Autos aufgebrochen.

Polizei rät, hochwertige Fahrzeuge sicher zu parken

Die Polizei rät Autofahrern, besonders hochwertige Fahrzeuge in abschließbaren Garagen oder gesicherten Carports abzustellen. Generell sollten Autos an gut beleuchteten und belebten Straßen geparkt werden. Der Zündschlüssel sollte auch bei kurzer Abwesenheit immer abgezogen werden, das Lenkradschloss eingerastet sein. Ebenso sollten Autofahrer darauf achten, dass Fenster, Türen und Kofferraum abgeschlossen sind. Ein Ersatzschlüssel sollte nicht am Auto versteckt, Fahrzeugschlüssel nicht unbeaufsichtigt abgelegt werden. Mobile Navigationsgeräte, Handys, Handtaschen oder andere Wertsachen, sollten nicht im Auto liegengelassen werden.