Stormarn
Ahrensburger Musiknacht

Schafft man das? 27 Konzerte an 19 Orten in einer Nacht

Rund 2000 Menschen feierten die 10. Ahrensburger Musiknacht. Abendblatt-Mitarbeiterin Laura Treskatis hat einen Selbstversuch gemacht.

Ahrensburg.  Ein Blick ins Programmheft und ich frage mich: Was habe ich mir da vorgenommen? Mit dem Zeigefinger fahre ich auf dem Stadtplan verschiedene Routen entlang. Ein Zeitplan und ein geeignetes Transportmittel müssen her. Ich entscheide mich für das Fahrrad und trete in die Pedale.

Los geht’s um 16 Uhr im Rosenhof. Zu Käsekuchen und Schwarzwälder Kirschtorte gibt es Boogie-Woogie von der Band 8 to the Bar. Bei HolzLand Wulf sorgt die hessische Rockband Rodgau Monotones ab 18 Uhr für gute Stimmung. In der Lagerhalle riecht es nach Lärchen- und Fichtenholz, das sich bis zur Decke stapelt. Hier kann ich länger bleiben. Die nächsten Konzerte beginnen erst um 20 Uhr.

The Wishing Well tritt fünf Minuten später auf

In der Stadtresidenz verzögert sich der Auftritt der australischen Band The Wishing Well. Es sind nur fünf Minuten, doch mein Zeitplan ist eng: Zwischen 20 und 21 Uhr spielen vier weitere Bands an verschiedenen Locations. Im Schnitt bleiben mir zwölf Minuten pro Auftritt. Nach nur wenigen Geigentönen von Xandrija Edwins und Isabel Williamson merke ich: Das Warten hat sich gelohnt. Weiter geht’s zu Black Patti bei Betten Bubert. Auf den Schaumstoff-Matratzen haben es sich die syrischen Schwestern Roba und Rama Makia gemütlich gemacht. Die Stimmung ist ausgelassen, doch ich muss weiter. Es ist 20.20 Uhr.

Auch aus dem Casa Rossa dringt laute Bluesmusik. Ich ändere spontan meine Route und schaue bei Abi Wallenstein und Martin Röttger vorbei. Wer keinen Platz mehr an einem der Tische bekommen hat, lehnt mit Wein- und Bierglas in der Hand am Tresen oder sitzt im Schneidersitz direkt vor dem Duo. Nachdem ich mir den Weg nach vorn gebahnt habe, geht es auch schon weiter ins Mendoza. Hier heizt bis 21 Uhr das Bargteheider Trio Sounds of Exile den Restaurantbesuchern mit einer Mischung aus Punk und Rock ein.

Moritz Ley singt über einen verlorenen Bruder

Etwas ruhiger zu geht es bei Moritz Ley im Foyer der Sparkasse Holstein. Während des Aufritts des 17 Jahre alten Ahrensburger Singer-Songwriters tauchen Scheinwerfer die Location abwechselnd in violettes, rotes und grünes Licht. „Der letzte Song bedeutet mir einfach super viel“, spricht Moritz ins Mikro. Es folgen sanfte Gitarrentöne und ein englischer Song, der von einem verlorenen Bruder handelt. Ich verpasse das Ende.

In den nächsten 90 Minuten warten noch zehn weitere Bands an neun verschiedenen Orten auf mich. Den Gitarristen Jan Mohr und die Band The Backscratchers erwische ich noch gerade rechtzeitig vor der Pause im Domicil. Kurz bevor das Konzert der Jazzband Gingkoa bei HolzLand Wulf um 22 Uhr endet, treffe ich Silke Popp. Die Ahrensburgerin hat das gleiche Ziel wie ich und will so viele Bands wie möglich sehen. Auch sie schaut als nächstes beim Australier Jaimi Faulkner in der Haspa-Filiale vorbei. Ich bin gut in der Zeit. Bevor es bei der Haspa mit der Dave Goodman Band weiter geht, lege ich einen kurzen Zwischenstopp im Tom-Habke-Hifi-Studio bei Nervling ein. Die nächste Location befindet sich beim Raumausstatter Uwe Reich: Hier spielen Boogielicous zwischen bunten Kissen, Gardinenstoffen und Plissees. Zu Dynamite Daze komme ich leider zu spät: Die Band hat gerade eine Pause eingelegt und schaut auf einem Monitor das DFB-Pokal-Endspiel.

Die Zeit wird knapp: Zehn Minuten bleiben für Opportunity

Jetzt wird es doch eng: Im Eiltempo radele ich zurück in die Sparkasse Holstein zur Georg Schroeter und Marc Breitfelder. Bis 22.30 Uhr schaffe ich es noch zu Modern Earls ins Mendoza sowie zu Gottfried Böttger und Joe Pentzlin ins Casa Rossa. The Wake Woods spielen im Hotel am Schloss ohne mich. Etwa zehn Minuten bleiben mir, um Opportunity bei Checkpoint Vital spielen zu hören. Weiter geht’s ins HaarWerk, wo das Duo AndrewMartin zwischen Trockenhauben und Friseurwaschbecken Boogie, Swing und Rock’n’Roll spielt. Das Andre Krikula Trio an der Salzoase verpasse ich. Auch die Mitglieder von Organ Explosion packen in Jaques’ Weindepot zusammen. Im CCA höre ich die letzten Trompeten- und Saxofon-Klänge von United Members und radele weiter zum Hotel am Schloss. Den zweiten Act, The WellBad, will ich mir diesmal nicht entgehen lassen. Dafür fällt das Pianospiel von Axel Zwingenberger aus.

Geschafft vom Konzert-Hopping komme ich um kurz vor Mitternacht beim Park Hotel an. Doch für The Stimulators hat sich der Weg gelohnt. Bei der anschließenden Session mit verschiedenen Künstlern habe ich die Chance, verpasste Bands wie The Wake Woods zu hören. Mein Musiknacht-Marathon endet um kurz vor ein Uhr. Ich habe 23 Bands an 18 verschiedenen Locations spielen sehen, und zwei Konzerte nur knapp verpasst. Mein Fazit lautet: Sehr viel Stress, aber auch sehr viel Spaß und neue Eindrücke. Noch während meines Heimwegs frage ich mich: Schaffe ich nächstes Mal alle 27?