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Glinde

Glinde: Investor muss 657.500 Euro draufzahlen

Gutachten zwingt Stadt zu einem höheren Verkaufspreis für Areal am Gleisdreieck. Jetzt sollen weniger Sozialwohnungen entstehen

Glinde. Auf 75 Euro pro Quadratmeter hatte sich die Stadt Glinde mit einem Investor geeinigt, der auf dem 12.405 Quadratmeter großen Grundstück am Gleisdreieck Wohnungen bauen möchte. Zu billig, kritisierte eine Bürgerinitiative und schaltete die Kommunalaufsicht des Kreises ein. Mit Erfolg: Ein Gutachten besagt, dass das Elmshorner Unternehmen Semmelhaack 128 Euro je Quadratmeter zahlen und damit 657.500 Euro nachlegen muss. Dafür möchte die Firma weniger Sozial- und mehr Eigentumswohnungen auf dem 2,1 Hektar großen Areal erstellen. Denn nur so kann sie die Differenz wieder hereinbekommen. Nun sucht die Stadt einen Kompromiss.

Bürgermeister Rainhard Zug war die Anspannung anzumerken, als er auf der jüngsten gemeinsamen Sitzung des Bau- und Finanzausschusses den Politikern und der Öffentlichkeit den aktuellen Sachstandsbericht zum Thema Altes Gleisdreieck erläuterte. Trotzdem fand er deutliche Worte und sagte: „Glinde braucht dringend Sozialwohnungen. Deswegen dürfen wir den Investor nicht verlieren.“ Die Verwaltung habe sich bereits mit Semmelhaack zusammengesetzt und mehrere Bauplanänderungen besprochen.

Initiative hält auch den jetzigen Preis für zu niedrig, kündigt weitere Proteste an

Ein großes Zugeständnis wäre, dass auf dem Areal weniger Sozialwohnungen entstehen. Ursprünglich waren 153 Wohnungen angedacht gewesen, von denen 92 öffentlich gefördert werden sollten. Das gilt aber nicht mehr, denn Semmelhaack hat Forderungen aufgestellt: Auf der Fläche soll es nur noch 119 Einheiten geben, davon 27 Eigentums- und 62 Sozialwohnungen in zwei fünfgeschossigen Gebäuden sowie 30 Reihen- und Doppelhäuser im hinteren Teil des Areals Richtung Sportplatz. Bürgermeister Zug sagte dazu: „Semmelhaack will dadurch die Mehrkosten für den Grundstückserwerb wieder reinbekommen.“

Seit Ende des Jahres 2013 ist das Projekt Altes Gleisdreieck in der Diskussion. Es ist ein wichtiges Thema, denn die Stadt braucht dringend mehr sozialen Wohnraum. Bis 2018 fallen etliche Sozialwohnungen aus der Mietpreisbindung, sodass sie für viele Geringverdiener nicht mehr bezahlbar sein werden. Bei der Glinder Wohnungsvermittlungsstelle sind momentan 300 Suchende gemeldet.

Im Juli 2015 schaltete dann eine Bürgerinitiative die Kommunalaufsicht des Kreises Stormarn ein. Zuvor hatte sie Einsicht in den Grundstückskaufvertrag genommen. Die Stadt wurde um eine Stellungnahme gebeten und sollte Klarheit schaffen. Die Verwaltung ließ mehrere Gutachten anfertigen. Monat um Monat verging. Nun herrscht Gewissheit, dass die Protestler mit ihrer Vermutung richtig lagen. Auch wenn sich Semmelhaack auf den neuen Preis einlässt, ist kein Ende der Streitigkeiten Zwischen Stadt und der Bürgerinitiative in Sicht.

Michael Riedinger, der Sprecher der Protestler, war ebenfalls auf der Sitzung. Er sagte: „Ich bin nach wie vor erstaunt über diesen Quadratmeterpreis.“ Riedinger frage sich nun, wieso manche Eigentümer eines Einfamilienhauses am Sportplatz teilweise 290 Euro für den Quadratmeter zahlen müsse, am Gleisdreieck aber nicht einmal die Hälfte davon anfalle.

Die Initiative werde nicht aufgeben und auch das Ergebnis des Verkehrsgutachtens anfechten. Michael Riedinger sagt: „Besonders ärgert mich, dass nun wieder von fünfgeschossigen Gebäuden gesprochen wird.“ Schließlich war im Mai 2015 beschlossen worden, dass die Häuser maximal drei Etagen haben werden.

Ob die Stadtvertreter Zugeständnisse machen, ist noch unklar. In den Fraktionen wird die neue Ausgangslage erst einmal diskutiert. SPD-Politiker Wolfgang Pohlmann sagte dem Abendblatt: „Das Pokerspielen fängt jetzt erst so richtig an.“