Stormarn
Bildungspolitik

Landesregierung: Stormarns Schulgrenze bröckelt

Wenn es nach dem SPD-Landtagsabgeordneten Martin Habersaat geht, sollen Notlösungen wie eine formale Adresse in Hamburg bald der Vergangenheit angehören

Wenn es nach dem SPD-Landtagsabgeordneten Martin Habersaat geht, sollen Notlösungen wie eine formale Adresse in Hamburg bald der Vergangenheit angehören

Foto: Martin Habersaat

Bald mehr Stormarner an Hamburger Schulen? Landesregierung kündigt neues Gastschulabkommen an. CDU-Antrag für mehr Ausnahmen scheitert.

Barsbüttel.  Die Verhandlungen über ein neues Gastschulabkommen zwischen Schleswig-Holstein und Hamburg sind offenbar auf der Zielgeraden. Der SPD-Landtagsabgeordnete Martin Habersaat aus Reinbek, bildungspolitischer Sprecher seiner Fraktion, erwartet „in Kürze einen erfolgreichen Abschluss“.

Was das genau für die Kinder und Jugendlichen aus Schleswig-Holstein bedeutet, ist noch unklar. Details aus den Verhandlungen könne sie noch nicht verraten, so Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) im Landtag. Nur so viel sagt sie: „Es wird ein Abkommen, das die Situation verbessert.“

Nach Auskunft der Hamburger Schulbehörde wurden dort im Vorjahr ganz offiziell 4860 schleswig-holsteinische Schüler unterrichtet. Den umgekehrten Weg gingen 1036 Hamburger Schüler. Als Ausgleich zahlte Kiel 13,2 Millionen Euro. Nach Rechnung der Hansestadt viel zu wenig: Die Behörde kommt auf 23,8 Millionen Euro Zusatzkosten für Gebäude, Lehrer, Hausmeister und Materialien.

Besuch Hamburger Schulen nur für Barsbüttel legal

In dieser Rechnung tauchen die Kinder, die sich ihren Platz in Hamburg mit Scheinadressen oder ähnlichen Tricks ergattern, gar nicht auf. Das dürften noch einmal Hunderte sein, von Ammersbek über Ahrensburg bis Braak, Stapelfeld und Reinbek. Einzig für Schüler aus Barsbüttel ist der Grenzübertritt ans Gymnasium legal: Es ist der einzige Ort, für den im Gastschulabkommen eine Ausnahmeregelung steht.

Martin Habersaat kennt das Problem aus eigener Erfahrung. Um aus Barsbüttel zum Gymnasium Marienthal gehen zu können, wo er 1996 Abitur machte, mussten sich seine Eltern formal trennen: Er zog mit seiner Mutter um, der Vater blieb zu Hause. Die Barsbüttel-Sonderregelung wurde erst später verabredet.

„Künftig sollen solche Notlösungen der Vergangenheit angehören“, sagt Martin Habersaat. Ministerin Ernst und der Hamburger Senator Ties Rabe (SPD) sprächen direkt über die gemeinsame Bildungsplanung in der Metropolregion. Langfristig sei die freie Schulwahl für alle Kinder das Ziel, um unzumutbar lange Wege zu vermeiden. Eine Einschränkung gebe es für Lehrlinge. Berufsschulangebote in Schleswig-Holstein dürften nicht dadurch gefährdet werden, dass viele Jugendliche in Hamburg unterrichtet würden.

Der CDU-Landtagsfraktion sind die Ankündigungen der Regierungskoalition aus SPD, Grünen und Südschleswigschem Wählerverband (SSW) nicht konkret genug. Sie fordert mehr Ausnahmeregelungen ab diesem Sommer . Für Orte wie Braak und Stapelfeld, Oststeinbek und Glinde oder Ammersbek sollte die freie Schulwahl sofort ermöglicht werden.

Völlige Wahlfreiheit für 30 Millionen Euro nicht finanzierbar

Den entsprechenden Antrag lehnte der Landtag mit den Stimmen der Koalition allerdings jetzt ab. „Das ist enttäuschend“, sagt der Ahrensburger CDU-Abgeordnete Tobias Koch, „mir ist schleierhaft, wie die versprochenen Verbesserungen aussehen sollen.“ Die große Lösung mit völliger Wahlfreiheit koste mindestens 30 Millionen Euro, das sei nicht finanzierbar. Deshalb hält er es für besser, gezielte Verbesserungen für einzelne Orte festzuzurren.

So hält Koch es für nicht nachvollziehbar, dass Kinder aus Stapelfeld Gymnasien in Großhansdorf oder
Trittau besuchen sollen, obwohl Alternativen in Hamburg-Rahlstedt quasi vor der Tür lägen. Das Gleiche gelte für die Optiker-Auszubildende aus dem Ortsteil Hoisbüttel in Ammersbek. Sie muss zum Blockunterricht ins Internat auf den Priwall bei Lübeck, obwohl sie die Berufsschule in Hamburg in 20 Minuten mit der U-Bahn erreichen kann.

Genau bei diesem Beispiel setzt für Martin Habersaat die Einschränkung der freien Wahl an. „Wenn wir die Optiker-Lehre im Land weiter gewährleisten wollen, müssen wir erst mal unsere Berufsschulen auslasten“, sagt der SPD-Politiker. Die betroffenen Familien und Schulen erhoffen sich jedenfalls eine dauerhafte Regelung. „Es wäre für alle hilfreich, wenn das Problem endlich zuverlässig gelöst würde“, sagt Jutta Grot, Leiterin der Grundschule Stapelfeld. Noch muss sie alljährlich über etliche Anträge von Eltern aus Hamburg-Rahlstedt entscheiden, die ihre Kinder in die Stormarner Grundschule schicken möchten.