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Neonazi-Aufmarsch: Ausnahmezustand in Bad Oldesloe

Rechte Versammlung kurz nach Beginn beendet. Polizei mit Großaufgebot im Einsatz. 1000 Teilnehmer bei Gegendemonstration.

Bad Oldesloe. Schon kurz nach dem Beginn ist in Bad Oldesloe eine NPD-Demonstration abgebrochen worden. Etwa 60 Rechte hatten ihren Protestmarsch am Sonnabendnachmittag am Bahnhof mit deutlicher Verspätung und unter Pfiffen gestartet – kamen aber nicht weit. Mehrere hundert Gegendemonstranten blockierten die geplante Route. Gegen 16 Uhr beendete die Polizei die Versammlung der Rechten.

Beamte begleiteten die angereisten Demonstranten in den Bahnhof. Offenbar wurden sie dabei von Linken mit Steinen und Flaschen beworfen. Die Einsatzkräfte waren wegen möglicher Ausschreitungen zwischen den Demonstrationsgruppen mit einem Großaufgebot in der Kreisstadt Stormarns.

Bunter Protestzug gegen Neonazi-Versammlung

Am Vormittag waren Hunderte Menschen in Bad Oldesloe auf die Straße gegangen. Zu der Aktion „Bad Oldesloe ist bunt – und das ist gut so!“ hatte das Bündnis gegen Rechts aufgerufen, um gegen eine Veranstaltung der NPD zu demonstrieren. Der Protestzug mit etwa 1000 Menschen war friedlich verlaufen.

Etwa 90 Teilnehmer der NPD-Versammlung waren nach Blockaden der Bahnstrecke erst mit Verspätung in Bad Oldesloe eingetroffen. Der NPD-Funktionär Mark Michael Proch aus Neumünster hatte die Veranstaltung unter dem Titel "Gemeinsam für Deutschland" für 13 Uhr angemeldet. Bei einer Kundgebung am Nachmittag hatte der schleswig-holsteinische NDP-Landeschef Ingo Stawitz gesprochen.

Polizei mit Hunden und Wasserwerfer im Einsatz

Bereits gegen Mittag hatte die Polizei vor dem Bahnhof Position bezogen. Auch ein Wasserwerfer war aufgefahren. Über Bad Oldesloe kreiste ein Hubschrauber. Der Vorplatz war mit Gittern abgesperrt.

Gegendemonstranten drängten sich immer wieder gegen die Gitter. Es gab Blockaden und Festnahmen. Eine Person erlitt eine Gehirnerschütterung. Die Demonstranten weigern sich den vorgesehenen Veranstaltungsort aufzusuchen, unter ihnen auch 200 Autonome. Ein Teilnehmer der Rechten-Demo bekam nach Informationen am Mittag einen Platzverweis, weil er den Hitlergruß gezeigt hatte. Zudem wurden einige Container in Brand gesteckt.

Brennende Reifen legen Bahnverkehr lahm

Brennende Reifen und Sitzblockaden hatten den Bahnverkehr rund um die schleswig-holsteinische Kleinstadt gegen Mittag lahmgelegt. Der Bahnhof Bad Oldesloe konnte zeitweilig nicht mehr angefahren werden. Inzwischen läuft der Bahnverkehr wieder.

Laut Polizei waren 30 Menschen auf den Gleisen. Beamte versuchten die Blockaden aufzulösen, so dass der Verkehr wieder rollt. Schon seit Tagen mobilisieren linke Gruppen über Soziale Medien wie Twitter und Facebook für gegen die Neonazi-Demo. Rund um den Bahnhof kam es zu Straßensperrungen. Außerdem war der Verkehr auf der Bundesstraße 208 im Oldesloer Zentrum teilweise zum Erliegen gekommen.

Gegendemostranten ziehen friedlich durch die Stadt

Am Vormittag waren etwa 1000 Menschen des Bündnis gegen Rechts „Bad Oldesloe ist bunt - und das ist gut so!“ friedlich durch die Innenstadt gezogen. Zu der Gegendemonstration hatten bürgerliche Parteien, Vereine, Gewerkschaften, der Bürgermeister und Pastoren aufgerufen ebenso wie linke Antifa-Gruppen von Flensburg über Lübeck und Hamburg bis Bremen.

„Oberstes Ziel ist es, die rivalisierenden Gruppen von Anfang an zu trennen, um Randale zu verhindern“, sagt Gerhard Stelke, Sprecher der Bundespolizei.

(mit Material von dpa)