Stormarn
Kultureinrichtung

Großes Theater um das Kleine Theater in Bargteheide

Foto: Birgit Schücking

Bargteheide plant Trägerverein für Bühne, Kino und Gastronomie. Der Kulturring fürchtet derweil um seine Eigenständigkeit.

Bargteheide.  Eigentlich gibt es Grund zum Feiern beim Bargteheider Kulturring. Denn die Einrichtung begeht im Jahr 2017 ihr 50-jähriges Bestehen. Mehr als 550 Veranstaltungen – vom Theaterstück bis zur Eislaufrevue – haben die Kulturschaffenden auf die Bühne des Kleinen Theaters gebracht. Doch jetzt gibt es Krach über die künftige Nutzung des Hauses. Zusätzlich erschweren rückläufige Mitgliederzahlen und mangelnde Planungssicherheit dem Vorsitzenden Manfred Kutsche die Arbeit, heißt es. Die Stimmung bei der Jahreshauptversammlung war entsprechend getrübt.

Wegen der Auflösung des KM Kulturmanagements zum 30. Juni 2016, das sich um einen Teil der Veranstaltungen im Theater kümmert, stehen Neustrukturierungen an. In Planung ist die Gründung eines Trägervereins, der neben Kino und Gastronomie auch für den Bereich Kultur zuständig sein soll. Unter einem Dach also könnten künftig Theaterschule, der Verschönerungsverein Bargteheide sowie der Kulturring agieren. Doch solch ein Zusammenschluss ist für Manfred Kutsche „zurzeit undenkbar“. Es fehle anTransparenz und Informationsfluss. Der Kulturring sei nicht in die Planung einbezogen worden, so sein Vorwurf. „Entscheidungen werden über unsere Köpfe hinweg gefällt.“ Würde der Kulturring Mitglied im Trägerverein, könne er nur über zehn Veranstaltungen frei verfügen, befürchtet er. Alles darüber hinaus müsste von einem Gremium abgesegnet werden. So verlöre der Kulturring seine Eigenständigkeit, obwohl er „ein Gütesiegel“ sei.

Politik und Kultur hätten sich für das Modell entschieden

Das sieht Bargteheides Bürgermeister anders. Seit der Auflösung des Kulturmanagements habe es vier Gespräche mit dem Kulturring gegeben, sagt Hennig Görtz: „Herr Kutsche wurde intensiv einbezogen.“ Dies sei auch ein Ausdruck der Wertschätzung für dessen Arbeit. Politik und Kultur hätten sich gemeinsam für das Modell Trägerverein entschieden. Die Stadt habe dem Kulturring bei der Mitgliedschaft im Trägerverein ein Paketangebot gemacht. Es beinhalte fünf zusätzliche Veranstaltungen, anstatt – wie bisher – nur zwei Termine an den Wochenenden. Der finanzielle Zuschuss sei von 23.000 auf 30.000 Euro erhöht worden, hinzu kämen 5000 Euro Eigenkapitalhilfe sowie die mietfreie Nutzung der Geschäftsstelle im Kleinen Theater. Manfred Kutsche widerspricht der Behauptung, er habe ein solches Angebot abgelehnt: „Das ist nicht wahr.“

Die Situation scheint festgefahren. „Wir sind ratlos“, urteilt Bürgermeister Görtz: „Es kommt auf die Betrachtung an. Ob ich etwas mit anderen abstimme oder absegnen lassen muss, ist ein anderer Zungenschlag. Es wird im Trägerverein jedenfalls keine übergeordnete Kontrollbehörde geben.“

Kulturring plant die kommende Theater-Saison

„Die Karre ist in den Graben gefahren“, sagte ein Mitglied des Kulturrings, das namentlich nicht genannt werden möchte, bei der Hauptversammlung und schlug einen unabhängigen Vermittler vor. Man dürfe das Ziel, Kultur für Bargteheide zu machen, nicht „wegen der Eitelkeiten Einzelner“ aus den Augen verlieren. Doch Kutsche sieht den Bürgermeister in der Pflicht. Henning Görtz signalisiert auch für die Zukunft Gesprächsbereitschaft, obwohl er nur noch wenige Tage als Ansprechpartner zur Verfügung stehe, da er in Kürze die Nachfolge von Klaus Plöger als Landrat antritt. Görtz: „Das nötige Vertrauen scheint zu fehlen, vielleicht findet ein neuer Ansprechpartner einen anderen Zugang.“

Der Kulturring plant indes die neue Saison, kalkuliert weiterhin mit finanziellen Hilfen von der Stadt. Die aktuelle Bilanz weise ein Defizit von knapp 1500 Euro aus. Und das, obwohl von den elf Aufführungen acht ausverkauft waren. Konstant geblieben seien die Mitgliedsbeiträge. Einzelpersonen zahlen 36 Euro jährlich, Familien 99 Euro und Jugendliche 16,50 Euro. Um 1,50 Euro wurden die Kartenpreise in allen Kategorien erhöht. Manfred Kutsche hofft, dass sich alle Querelen beenden lassen. Doch langfristig sucht der 66-Jährige einen Nachfolger: „Wer hat schon Lust auf ein Ehrenamt, dass mehr Stress als Freude bereitet?“