Stormarn
Ahrensburg

Bestohlene Reiterin entdeckt Eigentum im Internet

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Foto: Mira Frenzel

Reiterin entdeckt ihr Eigentum in einer eBay-Versteigerung und erreicht die Rückgabe – die wohl unwissende Anbieterin geht leer aus.

Ahrensburg.  Wer bei eBay sucht, wird oft fündig. Imke Bär aus Ahrensburg jedenfalls hatte Glück. Oder besser gesagt: Sie hatte die Genugtuung wiederzufinden, was ihr abhanden gekommen war. Die Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Ahrensburger Rathaus war eines der Opfer eines Einbruchs im Ahrensfelder Reiterhof Barghof im Mai vergangenen Jahres. Diebe hatten 25 bis 30 teure Sättel gestohlen. Imke Bär büßte zwei Sättel und Zubehör ein. Den Gesamtwert schätzte sie auf 4500 Euro.

Einer der Sättel für 590 Euro versteigert

Sie war zwar versichert und bekam den Schaden erstattet, doch sie ärgerte sich so sehr, dass sie selber zu recherchieren anfing, nachdem eine Reiterkollegin erzählt hatte, dass Sättel und Zubehör auch auf dem Online-Marktplatz eBay gehandelt würden. Imke Bär wurde bald fündig: Sie war sich sicher, ihre beiden Sättel bei zwei verschiedenen Anbietern entdeckt zu haben. Sie schrieb beide an, fragte nach Details, etwa nach den Sattelnummern. Im einen Fall blieb die Anfrage unbeantwortet, im anderen bestätigte die präzise Antwort die Vermutung der Geschädigten. Bärs Sattel war in der Region Osnabrück gelandet. Sie erstattete Anzeige, der Sattel wurde von der Verkäuferin sofort herausgegeben.

Im zweiten Fall hatte sie weniger Glück. Der Sattel, den sie auf Fotos bei eBay aufgrund einer selbst angenähten Gurtstrupfe (Befestigung des Sattels) als ihren zu identifizieren glaubte, zu dem sie aber auf Nachfrage keine Auskünfte vom Verkäufer erhielt, wurde für 590 Euro versteigert. Es war Bär zu kompliziert, den Fall weiter zu verfolgen, obwohl sie auch hier Erfolgschancen gehabt hätte. Sie hätte aber Anzeige erstatten und Herausgabe fordern, eventuell mit juristischem Beistand klagen müssen – ohne hundertprozentig zu wissen, dass es sich tatsächlich um ihren zweiten Sattel handelte. Bei einer so wenig sattelfesten Ausgangslage erschien ihr das Risiko zu hoch.

Diebstahl wohl Teil systematischer Beutezüge

Dass der Diebstahl im Ahrensburger Stadtteil Ahrensfelde kein Einzelfall, sondern wohl Teil systematischer Beutezüge ist, zeigen weitere Reitkammer-Einbrüche im Hamburger Umland, etwa in Tangstedt, wo im November sogar 56 Sättel gestohlen wurden. Das Problem ist bundesweit bekannt und wird auf Facebook unter „Stoppt den Sattelklau“ diskutiert.

Imke Bär erklärt, warum Reiterzubehör begehrtes Diebesgut ist: „Sättel, die individuell an ein Pferd angepasst werden können, müssen eine gewisse Qualität haben und sind neu nicht unter 2000 Euro zu bekommen. Ihr Vorteil ist, dass sie von einem Sattler umgerüstet, also an ein anderes Pferd angepasst werden können. Das macht sie nicht nur für Reiter wertvoll, sondern auch für Diebe“, sagt Bär.

Den Schaden hat im Fall ihres einen Sattels, der zweifelsfrei identifiziert werden konnte, die auskunftsbereite Verkäuferin, die das gute Stück herausgeben musste. Sie hatte den Sattel wohl in dem guten Glauben erworben, dass ihr Verkäufer der rechtmäßige Eigentümer gewesen sei. Beim Versuch des Weiterverkaufs stellte sich diese Annahme als falsch heraus. Die Wiederverkäuferin hat also versucht, etwas zu veräußern, an dem sie selbst kein Eigentum erworben hatte, weil das Objekt gestohlen worden war. Sie bekommt keine Entschädigung, wird aber vermutlich auch nicht strafrechtlich verfolgt, weil in ihrem Fall – immerhin war sie gegenüber der Interessentin, als die sich Imke Bär ausgab, voll auskunftsbereit – nicht von Hehlerei auszugehen ist.

Der Fall zeigt, dass Vorsicht bei der Schnäppchenjagd geboten ist. „Wer ein Angebot deutlich unter dem üblichen Marktpreis sieht, sollte misstrauisch werden“, sagt Ahrensburgs Kripochef Ralf Lorenzen. Er rät dazu, nach Rechnungen oder Garantien zu fragen, um sich zu vergewissern, ob Stehlgut angeboten wird. Vorsicht sei geboten, wenn ein Anbieter, der nicht das Label „Powerseller“ habe, mehrere gleichartige Produkte verkaufen wolle.

Reitsattel-Codierung als Möglichkeit gegen Diebstahl

Ähnlich lautet die Empfehlung von eBay. „Unsere Erfahrung zeigt, dass fast alle Transaktionen problemlos sind. Doch bei verdächtigen Umständen sollte einen der gesunde Menschenverstand alarmieren, dass ein vermeintliches Schnäppchen eine Fälschung sein oder aus zweifelhafter Quelle stammen könnte“, sagt ein Pressesprecher des Online-Unternehmens. „Hilfreich kann dann das Bewertungsprofil sein, das auf einen vertrauenswürdigen Verkäufer hinweist. Außerdem hat eBay einige Verkaufssiegel, die Käufer und Verkäufer Schutz bieten. Darüber sollte man sich im Zweifelsfall informieren.“

Vorbeugung gegen Diebstahl wäre eine Reitsattel-Codierung nach dem Vorbild der Fahrrad-Kennzeichnung. Eine eingebrannte Ziffern-Buchstaben-Kombination erlaubt Zuordnung. „Das kann, verbunden mit dem Hinweis an der Reitkammer, dass die Sättel registriert seien, abschreckend auf Diebe wirken“, sagt Franz Reuter. Der pensionierte Polizeibeamte aus Kaltenkirchen hat die Reitsattel-Codierung in Norddeutschland betrieben, aber vor einigen Jahren mangels Nachfrage wieder eingestellt. Für Rückfragen steht er aber nach wie vor gern zur Verfügung unter Telefon 04191/82 01.

Warum bei Online-Geschäften Vorsicht geboten ist

Gutgläubiger Erwerb von Nichtberechtigten lautet der in den Paragrafen 932 ff. des BGB geregelte juristische Begriff, der im vorliegenden Fall zur Anwendung kommt.

Entscheidend ist hier der Paragraf 935, demzufolge durch gutgläubigen Erwerb kein Eigentum an einem Gegenstand erworben werden kann, wenn dieser dem tatsächlichen Eigentümer gestohlen wurde.

Die Anbieterin des Reitsattels war gut beraten, das Stück sofort kostenlos herauszugeben, weil Imke Bär nachweisen konnte, dass der Sattel ihr Eigentum ist und sie Opfer eines Diebstahls geworden war. Andernfalls hätte Bär mit hoher Erfolgsaussicht auf Herausgabe klagen können.

Statt lukrativen Verkaufs geht die eBay-Anbieterin leer aus. Sie verliert die Ware, die sie gutgläubig von Dritten erworben hatte, und sie bekommt dafür kein Geld.

Anspruch auf Erstattung kann sie danach an den richten, von dem sie gekauft hat. Sollte das der Dieb gewesen sein, wird sie damit keinen Erfolg haben.