Stormarn
Flüchtlingspolitik

Ministerpräsident Albig überzeugte in Ahrensburg

Hoher Besuch in Ahrensburg: Schleswig-Holsteins Minister-präsident, Torsten Albig, kam am Dienstagabend in die ehemalige Reithalle im Marstall und sprach mit den Gästen über Flüchtlingspolitik

Hoher Besuch in Ahrensburg: Schleswig-Holsteins Minister-präsident, Torsten Albig, kam am Dienstagabend in die ehemalige Reithalle im Marstall und sprach mit den Gästen über Flüchtlingspolitik

Foto: Janina Heinemann / HA

Ministerpräsident zu Gast im Marstall. Thema des Abends: Flüchtlinge und Integration. Fast 200 Bürger kamen zur Veranstaltung.

Ahrensburg.  Hoher Besuch in Ahrensburg: Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) war am Dienstagabend in der ehemaligen Reithalle des Ahrensburger Marstalls zu Gast und sprach mit den Besuchern über Flüchtlingspolitik. Der Andrang war groß: Fast 200 Menschen wollten hören, was ihr Landesfürst aus Kiel zu sagen hatte.

Albig sprach leidenschaftlich, bemühte sich teils erfolgreich, Abstraktes mit Vergleichen verständlich zu machen. So sagte er zum Beispiel, dass der Flüchtlingsstrom, den Deutschland bisher erlebt habe, so sei, als wenn in den Saal zu den 200 Zuhörern zwei weitere hinzukämen. „Würde sich deshalb die Struktur der Gesellschaft im Saal ändern?“ Für diese rhetorische Frage erntete er Applaus.

„Integration geschieht immer in der Kommune. Im Sportclub, bei der Feuerwehr oder im Kleingartenverein. Da, wo wir Menschen sind“, sagte der Politiker. „Ob sie funktioniert, liegt bei Ihnen.“ Er lobte die gute Integrationsarbeit in Ahrensburg, besonders den Freundeskreis für Flüchtlinge. „Sie senden mit Ihrem Herzen Signale der Toleranz und des Mitgefühls aus.“ Die Aufgabe sei nun, dass Integration zur Normalität werde.

Bei der Fragerunde waren auch kritische Stimmen zu hören

Nach Albigs Vortrag konnten die Besucher Fragen stellen. Hier waren durchaus auch kritische Stimmen zu hören. „Wie gehen wir mit Menschen um, die nicht nach unseren Werten leben wollen?“ zum Beispiel. Oder „Wieso liefert Deutschland Waffen in Krisengebiete?“ Auf diese Fragen habe er keine befriedigende Antwort, gab Albig zu. Im ersten Fall greife der Rechtsstaat mit seinen Verfahren. Zu den Waffenexporten sagte er: „Es gibt miese Abmachungen. Aber die Kurden beispielsweise sind die Letzten, die sich dort wehren. Wir unterstützen sie, wohlwissend, dass die Waffen auch woanders landen können.“

Doch die meisten Fragen bezogen sich eher darauf, wo es bei der Integration noch hapere. Es ging um Schwierigkeiten, Deutschkurse zu belegen, oder um persönliche Schicksale bei Abschiebung. Albig ging auf alle Fragen ein und stand hinterher auch noch für Einzelgespräche zur Verfügung.

Die 15-jährige Nele fällt ein positives Urteil über Albig

„Er ist authentisch und überzeugend“, sagte Ernst Günther. Der Ahrensburger kam in erster Linie, um „seinen“ Ministerpräsidenten einmal live zu erleben. Auch die 15 Jahre alte Nele wollte den Politiker sehen. „Man kommt nicht immer dazu, einen Ministerpräsidenten zu treffen“, sagt sie. Ihr Urteil ist positiv: „Er hat alles schlüssig und präzise erklärt.“

Neles Mutter Anja ist ebenfalls begeistert. „Sein Vergleich mit den zwei Flüchtlingen, die in den Saal kommen, war ein Geniestreich. Das war sehr beeindruckend.“

Andere Gäste sind wegen des Themas gekommen. „Die Flüchtlingssituation berührt mich total“, sagt Marcus Olszok. „Ich will helfen und dem Hass, der vielen Flüchtlingen entgegengebracht wird, entgegensteuern.“ Der 36-Jährige hat sich bereits schlau gemacht. Er kann sich vorstellen, beim Freundeskreis einzusteigen und „Deutschkurse, Behördengänge oder Stadtführungen“ anzubieten.

Die Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen THW-Gebäude betreut Martin Othen

Martin Orthen engagiert sich bereits. Seit September betreut er die Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen THW-Gebäude in der Straße Am Weinberg. 16 Männer im Alter von 19 bis 52 Jahren leben dort. „Anfangs hatte ich schon Bedenken“, gibt er zu. „Ich dachte: ‚So viele Männer auf so engem Raum – das kann nicht konfliktfrei gehen.’“ Doch es geht. „Das sind alles sehr lustige, feine Kerle.“ Orthen ist bis zu dreimal pro Woche abends bei seinen „Flülis“. Ihm ist es wichtig, zu helfen. Und er betont, wie gut die Flüchtlinge in Ahrensburg aufgenommen werden. „Wenn ich höre, wie das in anderen Städten läuft, ist das hier das Paradies. Es gibt kaum Gegenwind und sehr viele Freiwillige.“ Er zieht dasselbe Fazit wie Albig: „Ahrensburg ist fantastisch und sollte sich weiter so vorbildlich für Flüchtlinge einsetzen.“