Stormarn
Naturerlebnis

Die Trave – Stormarns ausgezeichneter Fluss

Eine Paddeltour auf der Trave bietet ein naturnahes Erlebnis. Die Boote sind an unterschiedlichen Stellen zu miete

Eine Paddeltour auf der Trave bietet ein naturnahes Erlebnis. Die Boote sind an unterschiedlichen Stellen zu miete

Foto: Tourismusmanagement Stormarn

Verbände rufen das Gewässer im Norden Stormarns zur Flusslandschaft 2016/2017 aus. Davon könnte die Region profitieren.

Bad Oldesloe/ Ammersbek.  Mal gemächlich, mal wild fließt sie durch den Norden Stormarns. Ist Teil wunderschöner Landschaftsgebiete und beliebtes Freizeitrevier vieler Menschen – an diesem Sonnabend wird die Trave von Umweltschutzverband NaturFreunde und dem Angelfischerverband zu Deutschlands Flusslandschaft 2016/17 proklamiert. Das bedeutet, dass „die ökologische, ökonomische und soziokulturelle Bedeutung der Trave“ in den kommenden zwei Jahren hervorgehoben werden soll mit dem Ziel, die Region touristisch naturverträglich zu gestalten.

An der Trave leben seltene Tierarten

„Wir wollen den Natur-Tourismus in der Trave-Region beleben und erreichen, dass sich mehr Menschen für die Ökologie der Flüsse interessieren“, sagt Eckart Kuhlwein, umweltpolitischer Sprecher der NaturFreunde Deutschlands zum Abendblatt. Der Ammersbeker engagiert sich seit Jahren bei dem Verband, kümmerte sich um mehrere Flusslandschaften bundesweit.

Die Trave, mit 113 Kilometern Länge Schleswig-Holsteins zweitlängster Fluss, hat sich bei der bundesweiten Ausschreibung gegen die Pader (Nordrhein-Westfalen) und die Nidder (Hessen) durchgesetzt. Die Kriterien, nach denen der Gewässerökologie-Beirat die Flusslandschaft aussucht, sind unter anderem Lage, Größe, bedrohte Tier und Pflanzen, Renaturierungsideen und die örtliche Zusammenarbeit von NaturFreunden und Anglern. Für die Traveregion könne sich Kuhlwein vorstellen, ein sogenanntes Kulturwandern zu etablieren. Kuhlwein verweist auf bereits beschilderte Wege. „Ein idealer Ort zum Starten wäre das Haus der NaturFreunde auf dem Priwall“, sagt der 77-Jährige. Von dort könnten sogenannte „Natura Trails“ starten. Dazu sollen Flyer mit Routen entwickelt werden. Sie würden durch Fauna-Flora-Habitate (FFH) führen. Das sind Schutzgebiete gemäß einer EU-Richtlinie. Das gesamte Trave-Flussgebiet ist solch ein Fauna-Flora-Habitat.

Das Gebiet ist Heimat für viele bedrohte Tiere wie Zauneidechse, Stier-, und Mondhornkäfer, Schwalbenschwanz, Brandgans, Sperbergrasmücke, Mittel- und Gänsesäger sowie seltene Pflanzen wie Thymian, Heidenelken, Enzian, Salzmiere und Erdbeerklee. Auch im Wasser leben zahlreiche Tierarten. Barsche, Aale, Rotaugen, Brassen, Schleie, Quappen, Karausche, Hasel, Welse, und Zander tümmeln sich im Flusslauf. Bei Lübeck, wo das Wasser wegen der nahen Ostsee salzhaltig ist, schwimmen auch Flundern, Heringe und Hornhechte in der Trave. Deshalb ist der Fluss bei Anglern so beliebt.

Aber auch Kanufahrer, Wanderer und Radfahrer kommen auf ihre Kosten. „Entlang der Trave gibt es sehr interessante Orte und wunderschöne Rad- und Wanderwege“, sagt Eckart Kuhlwein. „Der Quelltopf bei Gießelrade ist zwar ein verkrauteter Tümpel, aber sehr reizvoll.“ Sehenswert seien das Brennermoor bei Bad Oldesloe, Schleswig-Holsteins größtes Binnen-Salzmoor, Kloster Nütschau, das nördlichste Benediktinerkloster, die Mennokate aus dem 16. Jahrhundert, Stormarns ältestes bewohntes Gebäude, und das Künstlerdorf Barnitz. Aber auch die Kanuvermietung in Hamberge und die Karpfenstadt Reinfeld sind für Touristen interessant. Außerhalb Stormarns führt die Trave an der KZ-Gedenkstätte Ahrensbök und an Bad Segeberg mit den Kalksteinfelsen vorbei.

Bevor die Trave bei Travemünde in die Ostsee fließt, durchquert sie die Stadt Lübeck, die als „Königin der Hanse“ gilt. „Besonders schön ist das Naturschutzgebiet Dummersdorfer Ufer“, sagt Eckart Kuhlwein. „Da kann man herrlich spazieren gehen und hat einen tollen Blick auf die Trave.“ Seine Lieblingsort entlang des Flusslaufs ist Barnitz. „Da ist die Trave ein naturbelassener Fluss. Wegen der vielen kleinen Hügel ist es landschaftlich schön und besinnlich. Das ist ein richtiges Naturerlebnis.“ Damit mehr Menschen auf die Trave als Natur- und Erholungsgebiet aufmerksam werden, bieten die NaturFreunde in den kommenden zwei Jahren zahlreiche Projekte und Mitmach-Aktionen wie Wasserkonferenzen, Wanderungen, Kanufahrten, Unterrichtsmaterial sowie Ausstellungen an. Außerdem sollen Konzepte zur Verbesserung des Gewässerzustands entwickelt werden.
Eckart Kuhlwein sagt: „Wir können zwar nicht selbst etwas am Fluss ändern, aber wir können für naturnahen Tourismus und den Travelauf als schützenswertes Gebiet werben.“