Stormarn
Kommentar

Die Polizei verliert den Kampf gegen Einbrecher

Ralph Klingel-Domdey, Koordinator der Regionalausgaben

Ralph Klingel-Domdey, Koordinator der Regionalausgaben

Foto: Klaus Bodig

Zahl der Einbrüche im Kreis Stormarn um knapp 47 Prozent angestiegen. Bürger verlieren langsam das Vertrauen in die Ordnungsmacht.

Manche Wahrheiten sind schwer zu ertragen. Die aktuelle Kriminalitätsstatistik ist eine solche für die ansonsten so erfolgsverwöhnten Bürger im Kreis Stormarn. Sie lautet: Gegen Einbrecher führt die Polizei ganz offensichtlich einen aussichtslosen Kampf.

Was hören wir jetzt? Ein Anstieg um knapp 47 Prozent bei Einbrüchen in Häuser und Wohnungen. Stormarn belegte bei dieser Art des Verbrechens doch schon im Vorjahr die traurige Spitzenposition in Schleswig-Holstein. Und nun das: 56 Prozent mehr Einbrüche wurden in Ahrensburg verübt, satte 76,7 Prozent mehr in Bad Oldesloe, 130 Prozent Steigerung in Reinbek gar – das ist kaum zu glauben.

Wie verzweifelt wirken angesichts solcher Zahlen die Versuche der Polizei, der Problematik mit umstrittenen Ausnahmeregelungen Herr zu werden. Stormarn wird zum wiederholten Male zum Gefahrengebiet erklärt – zu einer Zone, in der Beamte die Bürger verdachtsunabhängig kontrollieren und Daten sammeln können. Freiheitliche Grundrechte werden zeitweise außer Kraft gesetzt. Und dann ist da noch die sogenannte Präventions- und Ermittlungsgruppe Wohnungseinbruchsdiebstahl. Klingt gut. Ändert aber nichts an der schlechten Gesamtbilanz für das Jahr 2015.

Wer ist nun schlussendlich verantwortlich dafür, dass die Polizei in diesem Bereich ein derart schlechtes Bild abgibt? Sie selbst wohl kaum. Über die Hintergründe der beunruhigenden Entwicklung spricht die Behörde natürlich nicht öffentlich. Nur vertraulich berichten Kripobeamte von der Ohnmacht der Ordnungsmacht im Kampf gegen Beschaffungskriminelle und Einbrecherbanden. Wenige Beamte können nun einmal nur wenig Präsenz zeigen auf Stormarns Straßen. Ob in Uniform oder in Zivil. Gerichtsfeste Beweise zu liefern, das sei zumeist ein Ding der Unmöglichkeit, heißt es. Ja, und auch dieser Satz ist wieder und wieder zu hören: Die Polizei fängt die Täter, die Justiz lässt sie laufen.

Den zahlreichen Opfern, oftmals durch die Taten schwer traumatisiert, ist der Streit um die Ursachen schnurzegal. Sie wollen Antworten auf die Frage, wer sie vor den Verbrechern schützt. Das ist ihr gutes Recht. Die Kommunalpolitiker, die Bürgermeister und der Landrat – sie alle sollten die Bürger angesichts der dramatischen Entwicklung dabei unterstützen.

Die Weichen für eine ausreichende Zahl von Beamten und für eine erfolgreiche Polizeiarbeit werden nicht auf den Wachen in Stormarn gestellt, sondern im Innenministerium in Kiel. Also, Minister Studt, übernehmen Sie!