Verkehr

Barsbüttel will illegale Autorennen ausbremsen

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René Soukup
Ein Auto rast durch die Straßen einer Stadt. Szenen wie auf diesem Symbolfoto spielen sich auch in Barsbüttel ab

Ein Auto rast durch die Straßen einer Stadt. Szenen wie auf diesem Symbolfoto spielen sich auch in Barsbüttel ab

Foto: Getty Images/iStockphoto

Polizei sagt: Immer mehr illegale Autorennen mit Hunderten Zuschauern auf der Rahlstedter Straße. Verwaltung hat Vorschläge.

Barsbüttel.  Die Zahl der illegalen Autorennen in Barsbüttel hat drastisch zugenommen. Das sagt André Lutz, Leiter der Polizeistation in der Gemeinde. Direkt an der Autobahn 1, auf einem Teilstück der Rahlstedter Straße zwischen dem Möbelhaus Höffner und dem Kreisel in Richtung Hamburg, drücken die Cruiser ordentlich aufs Gaspedal. Doch nicht nur das: Sie randalieren auch noch. Der 57 Jahre alte Lutz sagt: „Inzwischen sogar im Winter. Das war früher nicht der Fall.“ Wegen des Lärms gebe es viele Beschwerden aus der Bevölkerung. Nun will Barsbüttel die Raser ausbremsen.

Die Polizei allein kann das aber nicht regeln. Für ein stetiges Überwachen und Auflösen der PS-Treffen fehlt ihr schlichtweg das Personal. „Anfänglich waren die Rennen immer freitags ab 22 Uhr“, sagt der Polizeistationsleiter. Die Beamten seien dort regelmäßig im Einsatz gewesen, und die Cruiser hätten sich nach Hamburg-Allermöhe verzogen, dann aber ihre Zusammenkunft in Barsbüttel auf einen späteren Zeitpunkt in der Nacht verlegt. Lutz: „Im vergangenen Jahr war es über den Sommer ganz extrem, da waren die Leute fast jeden Tag hier.“ Mit vermehrten Treffen der Raser rechnet der Beamte wieder für April. Er spricht von „bis zu 100 Fahrzeugen“.

Höffner meldet Sachbeschädigung auf dem Betriebsgelände in Barsbüttel

In der Regel sind bei diesen illegalen Veranstaltungen in Barsbüttel zwischen 200 und 300 Zuschauer dabei. Sie stehen direkt am Fahrbahnrand – ein gefährliches Unterfangen. Bisher ist noch nichts Schlimmes passiert. Dafür gab es im vergangenen Jahr Sachbeschädigungen an einer Straßenlaterne und einem Graben. Zudem wurden Leitpfosten herausgerissen. Inzwischen hat sich auch die Firma Höffner bei der Verwaltung gemeldet und von wiederholten Sachbeschädigungen und Müllentsorgungen auf dem Betriebsgelände berichtet.

Nach Rücksprache mit der Barsbütteler Polizei und der Verkehrsaufsicht des Kreises Stormarn ist die Verwaltung zum Schluss gekommen, dass es sinnvoll wäre, den Verkehr auf dem Teilstück einspurig und mit Fahrbahnverschwenkungen zu führen. Am Beginn und Ende des Bereichs ist jeweils die Installation von zwei Betonringen angedacht. Bürgermeister Thomas Schreitmüller: „Ich würde mir wünschen, dass die Polizei so aufgestellt ist, um die Sache zu bekämpfen. Offenbar ist das nicht der Fall.“ Deswegen sei die Verwaltung auf die Idee gekommen, es auf diese Weise zu lösen. Das Vorhaben kostet 28.500 Euro.

Verwaltung soll sich bei der Kommunalaufsicht erkundigen

Auf der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses konnten sich aber nur CDU-Politiker mit einer entsprechenden Vorlage anfreunden. Zustimmung bei der Mehrzahl der Gremiumsmitglieder fand ein Antrag der Wählergemeinschaft Bürger für Barsbüttel (BfB), das Thema später zu behandeln. Erst einmal soll sich die Verwaltung bei der Kommunalaufsicht erkundigen, ob die Gemeinde rechtlich zu solch einer Maßnahme verpflichtet ist, um vor Regressansprüchen – wenn es zum Beispiel bei einem Rennen Verletzte oder Tote gibt – geschützt zu sein.

Polizeistationsleiter Lutz sagte dem Abendblatt, die Gemeinde müsse haften, wenn etwas passiere. Diese Meinung vertritt auch Wolfgang Böckmann (CDU), Vorsitzender des Planungsausschusses. Der Politiker: „So habe ich die Stellungnahme eines Anwalts verstanden, den Barsbüttel beauftragt hat.“ Böckmann sähe die Umgestaltung des Teilstücks der Rahlstedter Straße lieber heute als morgen. Er sei in großer Sorge. „Ich möchte die Gemeinde nicht wegen eines Toten bei so einem Rennen in den Schlagzeilen sehen.“ Es sei unstrittig, dass etwas passieren müsse, um die Cruiser zu vertreiben.

Ein Ende der Raserei wünscht auch der BfB-Fraktionsvorsitzende Rainer Eickenrodt. Er sagt aber: „Die Unterbindung verkehrswidrigen Verhaltens ist allein eine hoheitliche Aufgabe der Polizei, insbesondere wenn davon ein besonderes Gefährdungspotenzial ausgeht.“ Sie könne sich nicht mit dem Hinweis auf eine personelle Unterbesetzung davon befreien. Der Planungsausschuss hatte sich schon im September vergangenen Jahres mit dem Thema beschäftigt. Danach sollte die Verwaltung eine Stellungnahme des Innenministeriums in Kiel über die Zuständigkeit der Polizei in Sachen illegaler Autorennen einholen. Doch das ist nicht geschehen.

Strecke mit baulichen Maßnahmen für Raser unattraktiv machen, so ein Polizist

„Die Verwaltung hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht“, sagt Klaus-Jürgen Krüger, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD. Prinzipiell ablehnen wollen die Genossen den Vorschlag aus dem Rathaus nicht. „Wenn die Stellungnahme der Kommunalaufsicht ergibt, dass wir in der Pflicht stehen, werden wir das auch umsetzen“, sagt der Politiker.

Zu klären ist des Weiteren, ob die Gewährleistungsfrist für die im Sommer 2014 erneuerte Asphaltschicht der Rahlstedter Straße, die im Oktober 2019 endet, im Falle baulicher Eingriffe erhalten bleibt. Laut Wolfgang Böckmann wird sich der Planungsausschuss schon auf seiner nächsten Sitzung am 21. April erneut mit den illegalen Autorennen befassen.

Für die Umgestaltung von Straßen zur Verdrängung der Cruiser plädiert Jochen Sohrt, Hauptkommissar und Revierführungsbeamter in Reinbek. Er sagt: „Bauliche Maßnahmen sind das einzige probate Mittel, um die Strecken unattraktiv zu machen.“ So sei man auch im Reinbeker Gewerbegebiet verfahren. Der Erfolg habe sich schnell eingestellt.

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