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Warum der elektronische Sport die Massen begeistert

Ein riesiges Spektakel: e-Sports-Weltmeisterschaften füllen mittlerweile große Hallen, wie hier die Mercedes-Benz Arena in Berlin

Ein riesiges Spektakel: e-Sports-Weltmeisterschaften füllen mittlerweile große Hallen, wie hier die Mercedes-Benz Arena in Berlin

Foto: "Riot Games" / BM

Nicht bloß Computerspiele, sagt Moderator und Experte Niklas Kolorz im Interview. Trend aus Asien etabliert sich in Deutschland.

Ahrensburg.  Was ist eigentlich e-Sport ? Niklas Kolorz, der im Internet unter dem Synonym „NiksDa“ bekannt ist, muss es wissen. Er arbeitet als Moderator für e-Sport-Events bei „Freaks4U Gaming“ und kreiert auf seinem Youtube-Kanal „NiksDa“ Videos rund ums Thema „e-Sports“. Er gab im Interview Auskunft.

Was ist dieses e-Sports? Was darf man sich darunter vorstellen ?

Niklas Kolorz: e-Sports kann man generell bezeichnen als kompetitives Gaming. Das ist jetzt nicht direkt die Erklärung, die jedem etwas sagt. Einfach ausgedrückt: Videospiele im Mehrspieler-Modus gegeneinander. Für mich beschreibt e-Sports eigentlich die ganze Szene von den Spielern, über die Organisatoren bis hin zu den Entwicklern von den Spielen und zu den Sponsoren, die die Events, die Spieler und die Teams unterstützen. Und im Grunde ist jeder einzelne Baustein dieses e-Sports extrem vielfältig.

Das heißt, e-Sport bezieht sich nicht nur auf ein Spiel, sondern generell auf Videospiele?

Niklas : Ja, e-Sport ist mit jedem Spiel zu verbinden und mit jeder Spielart, solange es gegeneinander spielbar ist. Es muss aber darum gehen, dass jemand gewinnt.

Dementsprechend gibt es dann auch
Turniere ...

Niklas : Es gibt jede Menge Turniere, es gibt nicht nur kleine Turniere. Das ist mittlerweile angeschwollen von kleinen Lan-Parties, die in einem kleinen Keller stattgefunden haben, bis zu einer komplett gefüllten Mercedes-Benz Arena, wie am 31. Oktober 2015, die innerhalb von 90 Sekunden ausverkauft war. Letztes Jahr hatte in Korea die Band Imagine Dragons zur Eröffnungszeremonie beigetragen und extra ein Lied dafür geschrieben. Ein riesiges Spektakel. Also diese ganzen Turniere nehmen ein großes Ausmaß an und werden auch in Europa extrem populär.

Im vergangenen Jahr in Berlin und davor in Korea – das sind dann Weltmeisterschaften? Wie beim Fußball?

Niklas : Ja, genau. Es gibt Weltmeisterschaften. Ich werde mich einmal auf „League of Legends“, das meistgespielte Videospiel der Welt, beziehen. Dort gibt es ein sehr gutes Ligensystem. Der Entwickler „Riot Games“ legt Wert darauf, eine gesunde e-Sport Kultur aufrecht zu erhalten und hat sich ein Ligensystem überlegt, in dem es je eine Liga in Nordamerika, Europa, Korea, China und so weiter gibt. Aus diesen Regionen können eben die besten Teams gegeneinander in den Weltmeisterschaften antreten. Jedoch ist es nicht wie bei den Fußballweltmeisterschaften, dass alle Spieler aus einem Land kommen, sondern die Spieler eines Teams kommen aus der gleichen Liga einer Region. Ein Team aus Europa könnte also nur aus Koreanern bestehen. Es treten Regionen gegeneinander an, aber nur die Teams, die vor Ort in diesen Ligen spielen.

Also keine Nationalmannschaften, aber es können sich Leute aus einer Region zusammenschließen?

Niklas : Genau, es können sich Spieler zusammenschließen und in einem europäischen Team werden auch sicherlich Leute aus Europa mitspielen. Aber es ist mittlerweile schon üblich, sich Spieler aus Korea einzukaufen, da dort ein Markt an vielen guten Spielern herrscht. Das ist wie beim FC Bayern München, der sich dann einen Brasilianer oder ein Spanier oder einen Engländer kauft. Und im e-Sport wird dann die Weltmeisterschaft nicht mit Nationalmannschaften gespielt, sondern mit den Teams.

In den meisten Sportarten sind die Teams nach Geschlechtern getrennt, wie ist das beim e-Sport ?

Niklas : Es ist so, dass nächste Saison eine Frau in der LCS anfangen wird. LCS ist zu vergleichen mit der Bundesliga, nur eben für e-Sport. Es gibt an sich von den Regeln her keine Trennung. Lustigerweise gibt es aber keine weiblichen Gamerinnen, die aktuell, zumindest in der League of Legends Szene, gemischt spielen und ich habe es auch schon mehrfach mitbekommen, dass in anderen Bereichen sich die Frauen abtrennen. Es gibt aber keine Regelung, dass es so sein muss. Was ich auch begrüße, da es egal ist, wer vorm PC sitzt und körperliche Unterschiede keine Rolle spielen. Aber bisher ist es noch nicht so populär, dass gemischt wird.

Und kann man als Profispieler davon leben, oder ist es mehr ein Hobby?

Niklas : Profispieler können sehr gut davon leben. Wenn du zu den ganz Großen gehörst, verdienst Du sicherlich einen guten fünfstelligen Betrag. Der setzt sich aus Sponsorengeldern und Preisgeldern zusammen. Es gibt auch Festgehälter. Das heißt, ein Spielerdasein ist mittlerweile etwas relativ Sicheres. Meistens gibt es danach auch noch einen Platz für dich bei e-Sports. Viele e-Sportler werden danach zu Kommentatoren oder zu Streamern auf Twitch. Das heißt, man schaut denen nur beim Streamen zu, weil sie halt gut oder lustig sind. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, wie man da Geld verdienen kann. Bei der League of Legends-Weltmeisterschaft gab es eine Million Dollar Preisgeld für den Gewinner und bei der DotA-Meisterschaft gab es 5,5 Millionen für das Gewinnerteam, das heißt etwas mehr als eine Million Dollar pro Spieler.

Wenn man nun Interesse an e-Sports hat, kann man sich das im Fernsehen angucken ?

Niklas : e-Sport gibt es hauptsächlich im Internet anzusehen. Häufig auf der Website twitch.tv. Dort wird alles live gestreamt, das ist wie YouTube, aber eben live. Dort gibt es dann auch die großen Kanäle, wo professionell gespielt wird, wie z.B. „RiotGames“, der offiziellen Stream auf Englisch, oder uns bei „Summoners Inn“. Wir kommentieren und analysieren das auf Deutsch. Man muss halt nur wissen, welches Spiel man wo guckt. Es gibt meistens für jedes Spiel einen Kanal.

Wie wird sich der e-Sport-Sektor in der Zukunft entwickeln?

Niklas : Also das, was ich gerade mitbekomme, ist unfassbar, wie viele Leute gerade darauf aufmerksam werden. Dadurch, dass jetzt die Weltmeisterschaft in Europa war, springen immer mehr Firmen, immer mehr Magazine, TV-Sender, Sponsoren auf diesen e-Sport an und merken, dass da eine Fläche ist. Und Leute, die das interessiert, und Leute, die das sehen wollen. Und immer mehr Leute wachen auf und sehen: „He, was ist das denn da hinten? Was ist denn e-Sports? Das schau ich mir doch mal an.“ Und ich glaube, viele fangen dann an, sich dafür zu interessieren. Es ist ein interessanter Sport, wenn man sich dem Ganzen hingibt. Es ist manchmal noch versteckt hinter diesem Vorurteil mit Computerspielen. Und man muss sich ein bisschen damit beschäftigen, man versteht es nicht sofort. Aber es ist an sich eine sehr schöne Sache. Es wird immer größer und immer präsenter. Ich glaube ehrlich, wenn das so weitergeht, kann man in zwei, drei Jahren die Mercedes-Benz-Arena alleine für ein Public Viewing füllen für die Weltmeisterschaft. Also, wenn das so weitergeht, und ich glaube, dass es so weitergehen wird, dann wächst der Sport immer stärker und immer schneller und es werden immer mehr Zuschauer und Übertragungsmöglichkeiten dazukommen.