Stormarn
Psychologe

„Cybermobbing ist für Opfer sehr schwerwiegend“

Der Hamburger Psychologe Michael Thiel

Der Hamburger Psychologe Michael Thiel

Foto: Clemens Bilan / dapd

Selbstbewusstsein stärken, Macht spüren, der Glaube, Menschen die Augen zu öffnen: Das sind laut Michael Thiel die Motive der Mobber.

Das Selbstbewusstsein stärken, Macht spüren, der Glaube, Menschen die Augen zu öffnen: Das sind laut dem Hamburger Diplom-Psychologen Michael Thiel die Motive der Mobber.

Das Paradoxe : Laut Thiel waren Mobber nicht selten selbst Gemobbte. Bei einer Studie wurden kürzlich Jugendliche befragt, warum sie gegen Mitschüler oder Bekannte hetzen. Die Rangliste der Motive führte Langeweile an, gefolgt von Spaß an der Sache und der Überzeugung, die gemobbte Person habe es irgendwie verdient.

Die Mitläufe r treiben ähnliche Motive an. Das sind diejenigen Menschen, die sich mit auf das Opfer einschießen, den Solidaritätseffekt des gemeinsamen Mobbens genießen und sich gegenseitig aufstacheln.

Für die Opfer wiederum ist Mobbing, im Besonderen die Hetze im Netz, traumatisierend. Es gibt eine ganze Reihe von Fällen, die laut Thiel gar in der Selbsttötung des Opfers endeten. Er sagt: „Dass Cybermobbing so schwerwiegend ist, hat viele Gründe.“ Einige seien, dass die Beleidigung nicht wie eine ausgesprochene einmalig ist. Thiel: „Sie steht stattdessen rund um die Uhr im Netz, das Publikum der Beleidigung ist scheinbar endlos groß, und es gibt nirgendwo mehr einen Schutzraum für das Opfer.“