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Ammersbek

Ammersbek baut im Rekordtempo: Flüchtlingsunterkünfte

Foto: Lutz Wendler / HA

Gemeinde schafft neben dem Sportplatz Rehagen/Schäferdresch Platz für 48 Flüchtlinge. Kosten belaufen sich auf 480.000 Euro pro Haus.

Ammersbek.  So wünschen sich Auftraggeber die Abläufe und Bedingungen beim Hausbau: Ihre Bauanträge werden im Rekordtempo genehmigt, die vereinbarten zwölf Wochen Bauzeit ebenso eingehalten wie die Kosten, und das Ganze sieht auch noch rundum gut aus. Keine Utopie, sondern am Schäferdresch in Ammersbek Wirklichkeit geworden. Das Konzept „pro Flüchtling + Bürger“, eine Initiative von acht norddeutschen Holzbaufirmen, hat es möglich gemacht. Neben dem Sportplatz Rehagen/Schäferdresch sind in nur drei Monaten zwei stabile, langlebige Doppelhäuser mit je vier Wohnungen für jeweils sechs Bewohner entstanden, in die von Mitte Februar an bis zu 48 Flüchtlinge einziehen werden.

Eine solide und nachhaltige Alternative zur Notlösung der Wohncontainer

Noch sind einzelne Handwerker und ein Gartenbaubetrieb dabei, die letzten kleinen Arbeiten zu verrichten, doch die beiden Gebäude sind schon jetzt Musterhäuser, die zeigen, wie eine gute Idee im Bedenken- und Vorschriftenstaat Deutschland rasch umgesetzt werden kann, wenn die Umstände es erfordern. Am Beginn stand die Überlegung eines Arbeitskreises norddeutscher Handwerks- und Holzbaubetriebe, der sich „Die Zimmermeisterrunde“ nennt, ob es nicht solide Alternativen zur Notlösung der Wohncontainer als schnell verfügbares Quartier für Flüchtlinge gäbe. „Wir wollten ein Gebäude, in dem Flüchtlinge menschenwürdig leben können, das nachhaltig ist, also auch eine längerfristige Nachnutzung erlaubt, und das optisch so ansprechend ist, dass es auch die Nachbarn nicht stört und einer Ghettoisierung der Bewohner vorbeugt“, sagt Susanne Gehrmann. Die Diplom-Holzwirtin und Ingenieurin für Bauen im Bestand war an der Planung eines Haustypus beteiligt, der all diese Anforderungen erfüllt. Im September war das Ganze bis zur Serienreife entwickelt und zertifiziert. Die acht norddeutschen Holzbauer kündigten an, jedes Jahr 100 dieser festen Häuser in Ständerbauweise errichten zu können.

Holzbau Gehrmann in Hoisdorf bekam schon am 14. Oktober den ersten Auftrag von der Gemeinde Ammersbek. „Am 1. November war der Bauantrag genehmigt. Am 6. November wurde mit den Arbeiten begonnen und trotz der Weihnachtsfeiertage und des teilweise winterlichen Wetters sind wir plangemäß fertig geworden“, sagt Susanne Gehrmann, die sichtlich stolz durch die ansprechenden, lichten Räume in dem klug aufgeteilten Haus führt.

Das Ganze ist so gut gelungen, das die Zimmermeisterrunde künftige Geschäftspartner gewissermaßen zur „Housewarming-Party“ eingeladen hat. Zu Gast sind Vertreter verschiedener Gemeinden aus Schleswig-Holstein, die sich informieren wollen, ob das Musterhauskonzept für sie eine Option zur Unterbringung von Flüchtlingen sein könnte. Sogar von der Insel Fehmarn sind drei Stadtvertreter und der Asyl-Koordinator der Verwaltung angereist.

Trotz Rekordbauzeit von zwölf Wochen sollen die Häuser 70 Jahre halten

Sie alle werden darüber aufgeklärt, dass vier Wohnungen für jeweils sechs Personen Standard seien, dass es aber Flexibilität in der Umsetzung gebe, also ein-, anderthalb- und zweigeschossige Bauweise, entsprechend der örtlichen Umgebung. Die Hausbauer versprechen, dass trotz der sportlichen Bauzeit von nur zwölf Wochen, Häuser mit einer Lebensdauer von etwa 70 Jahren Lebensdauer entstehen. Auf diese Weise, so sagen sie, könnte perspektivisch auch etwas gegen den chronischen Mangel an bezahlbarem Wohnraum in einigen Regionen Schleswig-Holsteins getan werden.

Garantiert ist auch der Festpreis von 480.000 Euro für die in Ammersbek vorgestellte Variante mit einer Faserzementfassade (die Alternative Klinker wird teurer). Die Initiatoren rechneten den Interessenten vor, dass sie dies über den Bau mit Nullprozentkrediten vom Bund und Land und der Refinanzierung über die vom Kreis erstatteten Mieten locker finanzieren könnten. Außerdem erlaube es eine vom Gesetzgeber wegen des aktuellen Bedarfs reduzierte Bindung, dass die Häuser von den Kommunen verkauft werden könnten, wenn sie sie später nicht selbst als Vermieter von Sozialwohnungen nutzen wollen. Überdies sorge eine Verordnung dafür, so Claudia Parge, die einen der Häuserbauer vertrat, dass die Kreditaufnahme für derartige Flüchtlingsunterkünfte nicht als Neuverschuldung in den kommunalen Haushalt einfließe.

Die Interessenten waren erkennbar angetan von den Möglichkeiten. So sagte ein Abgesandter Fehmarns, derartige Häuser seien eine gute Möglichkeit, um Sylter Verhältnissen auf seiner Insel vorzubeugen, weil sie auf längere Sicht bezahlbaren Wohnraum schafften. Ein Bedarf, den auch ein Amt wie Siek habe, dessen Dörfer darunter litten, dass ebenso Wohnraum für junge Menschen wie für Senioren fehle, sagte Braaks Bürgermeister Hans-Ulrich Schmitz. Gut möglich also, dass die Unterbringung von Flüchtlingen am Ende auch den Ortsansässigen nützt.