Stormarn
Ahrensburg

Rätselhafte Delle:Prozess wegen Fahrerflucht eingestellt

Einen lauten Knall und eine Erschütterung will die Zeugen miterlebt haben

Einen lauten Knall und eine Erschütterung will die Zeugen miterlebt haben

Foto: rtn, christoph leimig / picture alliance / rtn - radio t

Zeugin will Knall und Erschütterung wahrgenommen haben. Doch das vermeintliche Täterfahrzeug weist keinerlei Unfallspuren auf.

Ahrensburg.  Der 21 Jahre alte Gymnasialschüler Arlind T. (Namen geändert) aus einem Ort in der Nähe von Ahrensburg ist unterwegs zu seinem Nebenjob als Servicekraft in einem Hotel. Wie immer will er in der Nähe seiner Arbeitsstelle auf einem Parkplatz eine Parklücke suchen. Das Ergebnis: ernüchternd. Keine freie Parklücke. Es ist Oktoberfest in Ahrensburg, sämtliche Parkmöglichkeiten erschöpft. Also wendet der junge Mann seinen roten VW Golf, um den Parkplatz zu verlassen. Genau in diesem Augenblick soll es laut Augenzeugin passiert sein. Ein lauter Knall. Der Up!, ein kleineres und leichteres Modell aus dem Hause Volkswagen, sei gewaltig erschüttert worden.

Zeugin will einen lauten Knall gehört und eine Erschütterung gespürt haben

Vier Monate später ein Fall fürs Gericht, denn: Gemäß der Anklage soll Arlind T. dem Wagen mit seinem Golf erheblichen Schaden zugefügt haben und dann vom Unfallort geflohen sein. Doch der Angeklagte bestreitet die Tat, er habe weder einen Knall gehört noch einen Aufprall in seinem Fahrzeug gespürt.

Das Sprichwort „Bilder sagen mehr als 1000 Worte“ trifft hier messerscharf. Alle Beteiligten des Verfahrens, der Angeklagte, sein Verteidiger und die Richterin mitsamt Praktikant, versammelten sich vorn am Pult und beäugen kritisch die vom Angeklagten zur Verfügung gestellten Beweisstücke. Nicht nur Fotokopien von Bildern der beiden Autos, sondern auch Karten von Google Maps, welche die genaue Parksituation beschreiben, sind dabei.

Das vermeintliche Täterfahrzeug weist keinerlei Anzeichen eines Zusammenstoßes auf. Nur ein Kratzer aus einem Vorschaden an der Plastikverkleidung, der von einer Aluschiene verursacht wurde. „Das andere Fahrzeug hat aber einen beachtlichen Schaden, eine große Verbeulung. Das passt nicht“, gibt der Verteidiger zu bedenken. Wegen der vagen Beweislage wird die Zeugin nicht in den Zeugenstand gerufen.

Das Verfahren wird von der Jugendstrafrichterin eingestellt. Sie sagt: „Arlind T. ist auf einem guten Weg, er hat sich von der Hauptschule auf das Gymnasium hochgearbeitet und kann sein Potenzial hoffentlich im Studium ausschöpfen.“ Der technikbegeisterte junge Mann muss – anders als im Falle einer Verurteilung – jetzt nicht ein Jahr lang ohne Führerschein auskommen. Darüber ist er sehr glücklich.