Stormarn
Millionenprojekt

Grönwohlder plant neue Brauerei in Ahrensburg

Brauerei Torsten Schumacher

Brauerei Torsten Schumacher

Foto: Birgit Schücking / HA

Auf dem Gelände des ehemaligen Rohrbogenwerks an der Bogenstraße soll eine Erlebnisgastronomie mit Biergarten und Bühnen entstehen.

Wir wollen unbedingt nach Ahrensburg.“ Das ist die klare Botschaft des Stormarner Unternehmers Torsten Schumacher. Der Biersommelier und Gründer der Grönwohlder Hausbrauerei plant zusammen mit dem Ahrensburger Sascha Hauck ein Millionenprojekt. Auf dem Gelände des ehemaligen Rohrbogenwerks an der Bogenstraße/Ecke Brückenstraße soll eine „Genussbrauerei“ entstehen.

Der Name ist Programm: Auf einer umbauten Fläche von rund 2000 Quadratmetern sollen ein Brauereibetrieb mit Kühl- und Lagerräumen, eine Erlebnisgas­tronomie und ein Biergarten mit bis zu 180 Plätzen entstehen. Für Auftritte von Musikern oder anderen Künstlern sind eine Bühne im Freien und eine im 315 Quadratmeter großen Gastraum vorgesehen.

Vier Wochen für einen positiven Vorbescheid

Die Chancen zur Realisierung des Projektes stehen gut. Gerade mal vier Wochen benötigte die Verwaltung trotz der Feiertage im Dezember, auf die Bauvoranfrage Schumachers mit einem Bescheid zu reagieren. „Das Vorhaben ist grundsätzlich zulässig“, heißt es in dem Schreiben vom 13. Januar 2016. Und nicht nur die Stadt bewertet die Planung positiv. Auch der Eigentümer des rund 14.000 Quadratmeter großen Grundstücks ist angetan.
Christopher Kroschke, Geschäftsführer der Rohrbogen-Immobilien GmbH, ein Tochterunternehmen der Kroschke-Gruppe, bestätigt einvernehmliche Gespräche mit Torsten Schumacher. „Das ist eine gute Sache für Ahrensburg“, sagt Kroschke. An seinen Plänen zum Bau eines Handwerker- und Gewerbehofes für kleine und mittelständische Betriebe ändere sich dadurch grundsätzlich nichts. Schumachers und sein Vorhaben zusammenzuführen, könne einen echten Mehrwert für die Stadt bedeuten.

Der 56 Jahre alte Torsten Schumacher, der seine Firma in Grönwohld im März 2009 gründete und die Braustätte dort in jedem Fall erhalten will, beschreibt Kroschkes Reaktion auf den Beginn der Gespräche so: „Er war von der ersten Sekunde an Feuer und Flamme.“ Auch Ahrensburgs Bürgermeister Michael Sarach habe von Beginn an Unterstützung signalisiert. Das bestätigt der Verwaltungschef auf Anfrage des Abendblattes und sagt: „Die Genussbrauerei mit dem ausgereiften Konzept wäre ein Gewinn für die Stadt, eine tolle Sache.“ Den Mitgliedern des Bauausschusses wurde das Projekt in dieser Woche im nicht öffentlichen Teil einer Sitzung vorgestellt. Die Reaktionen seien positiv gewesen, heißt es.

Investor rechnet mit vier bis fünf Millionen Euro

Wen wundert’s? Liegt das zentrumsnahe und verkehrlich gut angebundene Areal in Bahnhofsnähe doch seit einer gefühlten Ewigkeit brach. Nun könnte zeitnah Leben in das alte Gewerbegebiet im Westen der Stadt kommen. Doch was genau planen Torsten Schumacher und der 47 Jahre alte Sascha Hauck, der an der Straße Ewige Weide das Bistro „Essbar“ betreibt und seit Oktober Geschäftsführer der Grönwohlder Vertriebs- und Event GmbH ist? Hauck sagt: „Wir suchen Investoren, um das nötige Stammkapital von mindestens 1,2 Millionen Euro zusammen zu bekommen. Den Rest übernehmen Banken, von denen es schon positive Rückmeldungen gibt.“

Insgesamt rechnen die Investoren mit Kosten zwischen vier und fünf Millionen Euro. Kroschke könnte Mitgesellschafter werden und das für das Projekt benötigte 4000 Quadratmeter große Grundstück in die GmbH einbringen, oder alternativ dazu die benötigte Fläche an die noch zu gründende neue Gesellschaft verkaufen.

Das Interesse an Bierspezialitäten wachse ständig

Torsten Schumacher ist Ideengeber, Planer und das „Gesicht der Genussbrauerei“ in einem, wie er über sich selbst sagt. Die Planung habe er allein erstellt, berichtet er stolz, das Konzept bis ins kleinste Detail durchdacht. Sein erfolgreiches Konzept der Erlebnisgastronomie mit Führungen, Verköstigungen und Brau-Seminaren wolle er von Grönwohld auf Ahrensburg übertragen. „Das Interesse an Bierspezialitäten wächst ständig“, sagt der Fachmann, der acht unterschiedliche Sorten herstellt, unter anderem ein glutenfreies Bier. Rund 300.000 Flaschen setzt er inzwischen pro Jahr ab. Etwa 80 Prozent der Gesamtmenge werden derzeit noch von einer Klosterbrauerei nach Vorgaben von Hauck und Schumacher hergestellt.

Die Liebe zum „wunderbaren Produkt Bier“ (Schumacher) war denn auch ausschlaggebend für das Ahrensburger Konzept. Vom 315 Quadratmeter großen Restaurant aus sollen durch Glasscheiben hindurch drei Braukessel aus Edelstahl, Abfüllanlagen und Kühlräume sowie die Küche zu sehen sein. Das kulinarische Angebot soll auf die angebotenen Biersorten abgestimmt werden. Für diese Aufgaben suchen Schumacher und Hauck noch einen Subunternehmer, „einen Gastronom und Vollprofi“.

Erstes Grönwohlder möglicherweise im Sommer 2017

In einem Shop im Eingangsbereich sollen ausschließlich Produkte aus der Region angeboten werden. Wer auf den Geschmack kommt, kann an Führungen durch die Brauerei oder im Obergeschoss an Seminaren teilnehmen, Hochzeit feiern oder Veranstaltungen in Räumen unterschiedlicher Größe planen. Zum Biergarten soll eine Bühne für Live-Auftritte ebenso gehören wie eine Grillstation. „Der Clou“, so Hauck, sei die Grotte – ein Kellergewölbe, in dem Bierfässer und eine große Tafel zum Speisen eine mittelalterliche Atmosphäre erzeugen sollen.

Torsten Schumacher bezeichnet sich selbst als „Stormarner Gewächs“. Er habe lange überlegt, welcher Standort für seine Genussbrauerei der beste sei. „Auch Reinfeld oder Bargteheide kamen zum Beispiel infrage. Aber am Ende ist Ahrensburg die beste Wahl“, sagt der Unternehmer, der damit rechnet, hier etwa 20 Arbeitsplätze zu schaffen. Und wann soll es losgehen? Dazu sagt Sascha Hauck: „Wir wollen noch in diesem Jahr mit dem Bau beginnen.“ Das erste kühle Grönwohlder könnten Ahrensburger und Gäste möglicherweise schon im Sommer 2017 unter freiem Himmel im Biergarten an der Bogenstraße genießen.

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