Stormarn
Politik

Rathaus-Sanierung in Barsbüttel wird teurer

Foto: René Soukup / HA

Arbeitsschutzbehörde inspiziert das Verwaltungsgebäude. CDU und SPD glauben, dass ein Ausbau des Rathauses in Barsbüttel nötig wird.

Barsbüttel.  Christ- und Sozialdemokraten, deren angestrebter Rathaus-Neubau in Barsbüttel an einem Bürgerentscheid scheiterte, fühlen sich jetzt bestätigt. Eine Vollsanierung des Verwaltungsgebäudes am Stiefenhoferplatz wird viel teurer als die in einem fünf Jahre alten Dekra-Gutachten aufgeführten 4,5 Millionen Euro. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Begehung mit zwei Mitarbeitern der staatlichen Arbeitsschutzbehörde bei der Unfallkasse Nord. „Die Räumzuschnitte passen nicht, Büros sind teilweise zu klein. Als logische Konsequenz muss ausgebaut werden, das steigert die Kosten um mindestens eine Million Euro“, sagt SPD-Fraktionschef Hermann Hanser.

Gemeinsame Rathaus-Begehungdauerte mehr als zwei Stunden

So sieht es auch Wolfgang Böckmann (CDU), der stellvertretende Bürgermeister. Er hatte die Experten aus Kiel schon vor dem Bürgerentscheid am 29. November vergangenen Jahres kontaktiert. Ihre Einschätzung sollte die Argumente von CDU und SPD für einen Neubau stützen. Zu einem Termin kam es aber erst jetzt. Mit dabei waren auch vier Verwaltungsmitarbeiter, darunter Bauamtsleiterin Rita Dux, Bürgervorsteher Friedrich-Wilhelm Tehge (CDU), sowie die Fraktionschefs Rainer Eickenrodt (Wählergemeinschaft Bürger für Barsbüttel) und Joachim Germer (Grüne). Sie inspizierten das Gebäude mehr als zwei Stunden. Böckmann sagt: „Danach war klar, dass hier nicht alle Richtlinien der Arbeitsstättenverordnung erfüllt sind.“ So müssten zum Beispiel zusätzliche Räume für Drucker geschaffen werden.“

Die Arbeitsschutzbehörde habe die Gemeinde aufgefordert, einige Mängel sofort zu beseitigen. Böckmann: „Die Deckenisolierung muss wegen möglicher Schadstoffe abgeklebt und die Beleuchtung der Fluchtwege nachgebessert werden.“ Zudem gebe es noch weitere Empfehlungen. Nun wartet die Verwaltung auf den schriftlichen Bericht der Arbeitsschutzbehörde. Die wollte sich auf Abendblatt-Anfrage nicht zu der Begehung äußern.

Von der Notwendigkeit einer Erweiterung des Verwaltungsgebäudes ist BfB-Politiker Eickenrodt nicht überzeugt. Es gebe im Haus zwar den einen oder anderen Nachbesserungsbedarf, „durch das Herausreißen von Leichtbautrennwänden können aber bessere Raummöglichkeiten geschaffen werden“. Und selbst wenn die Anzahl der momentan 54 Rathausmitarbeiter steigen sollte, bestünde immer noch die Möglichkeit, sie in anderen gemeindlichen Objekten unterzubringen. Eickenrodt: „Die Herren Hanser und Böckmann interpretieren die Aussagen der Arbeitsschutzbehörde anders als ich.“ Dass eine Vollsanierung aber richtig teuer wird, bestreitet auch der BfB-Fraktionschef nicht. Er sagt: „Ich denke, dass wir bei dieser Variante, wie CDU und SPD sie wollen, zwischen sieben und acht Millionen Euro landen werden.“

Im 40 Jahre alten Verwaltungsgebäude sieht es schon seit längerer Zeit alles andere als einladend aus. So sind zum Beispiel die Decken offen. „Mit dem Beschluss der Gemeindevertretung im Juli 2014, eine Teilsanierung für 2,5 Millionen Euro durchzuführen, haben wir damit begonnen, die Verkleidung abzunehmen“, sagt Kämmerer Holger Fischer. Im vergangenen Sommer stoppte das Gremium mit Mehrheit der Stimmen von CDU und SPD das Projekt. Die beiden Parteien präferierten einen Neubau auf dem Gelände der gegenüberliegenden Sparkasse. Der hätte Barsbüttel mindestens 6,2 Millionen Euro gekostet.

Exakte Sanierungskosten sollen Ende dieses Jahres feststehen

Gegen das Vorhaben machte die Bürgerinitiative Ortsmitte mobil und erzwang einen Bürgerentscheid, bei dem sich 2016 Barsbütteler (63,5 Prozent der Wahlteilnehmer) dafür aussprachen, die Neubau-Planungen einzustellen. Daraufhin erklärten Christ- und Sozialdemokraten, dass für sie nur eine Vollsanierung infrage käme. Wie viel diese tatsächlich kostet, darüber soll Ende des Jahres Klarheit herrschen. Zuvor muss ein Architekturbüro ein Fachplanungskonzept erstellen, Das beinhaltet auch die Klärung, ob Rathaus-Mitarbeiter während der Arbeiten ausgegliedert werden. Laut Böckmann gibt es Überlegungen, in der Nähe des Rathauses Büroräume anzumieten. Der CDU-Politiker: „Ich bin mal gespannt, was die Kommunalaufsicht sagt, wenn sich herausstellen sollte, dass eine Vollsanierung teurer als ein Neubau ist.“