Stormarn
Schüler machen Zeitung

Warum ich mich für ein Leben mit Gott entschieden habe

Autorin Viktoria Woge besucht die Klasse 11c der Stormarnschule in Ahrensburg

Autorin Viktoria Woge besucht die Klasse 11c der Stormarnschule in Ahrensburg

Foto: Viktoria Woge / HA

Ein Leben mit dem Glauben ist schwierig. Denn man hat das Gefühl, gegen den Strom zu schwimmen. Aber das tut auch gut.

Ahrensburg.  In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Kirchenaustritte angestiegen. 2013 verließen rund 400.000 Personen die christliche Kirche, 2014 wurden ungefähr 650.000 Kirchenaustritte gezählt. Für die Entscheidung vieler Deutscher, die Kirche zu verlassen, gibt es eine Handvoll Gründe. Sollte dies die nächsten Jahre so weitergehen, was dann? Stirbt die Kirche aus? Während viele Erwachsene aus der Kirche austreten, interessieren sich Jugendliche meist überhaupt nicht für Kirche oder einen Glauben. Ich bin da anderer Meinung und würde gerne mehr Jugendliche inspirieren.

Seit zwei Jahren bin ich ehrenamtlich in meiner Gemeinde in Großhansdorf tätig. In die Kirche einzutreten, war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Wenn ich erzähle, dass ich an Gott glaube und in der Gemeinde tätig bin, bekommen viele so einen Ausdruck in ihren Augen, der mir sagt: „Wer glaubt schon an Gott?“ „Liest du etwa auch die Bibel?“ Oder: „Wer geht heute denn noch in die Kirche?“ Vor ein paar Jahren hätte ich wohl genauso reagiert. Aber heute bin ich dabei.

Viele in meiner Gemeinde betonen, wie unglaublich sie unsere Gemeinschaft finden

Das Zögern von Nichtgläubigen kann ich allerdings verstehen. Es gibt Seiten des Glaubens, die sind sehr überholt. Vielleicht müssen wir das Wort Gottes ins Heutige deuten und zwischen den Zeilen lesen, uns von alten Vorstellungen lösen. Gerade bei Jugendlichen sind die Vorurteile in Bezug auf Gott und Kirche oft sehr ausgeprägt. Ein Beispiel sind die schlecht besuchten Gottesdienste am Sonntagmorgen, die zu einer für Jugendliche „unmenschlichen“ Zeit stattfinden. Wer will schon jeden Sonntagmorgen in den Kirchenbänken sitzen?

Jakob Pape, 22, der stellvertretende Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU ist in meiner Gemeinde tätig und ich habe ihn dazu befragt. Für ihn sind Gottesdienste dort, wo Menschen im Namen Gottes versammelt sind. Das heiße, dass man nicht sonntags in die Kirche gehen muss, um sich an Gott zu wenden. Aber Kirche und Glaube sind mehr als Gottesdienste. Ann-Katrin Trenner, 18, meint, dass die Kirche für sie ein Zufluchtsort sei und abgesehen von der Ausübung ihres Glaubens, die bei uns bestehende Gemeinschaft eine wichtige Rolle spiele. Viele in meiner Gemeinde betonen, wie unglaublich sie unsere Gemeinschaft finden. Der Meinung ist auch Katinka Bruns, 16. Für sie ist es etwas ganz Besonderes, wenn wir uns treffen und gemeinsam singen oder Spiele machen. Für sie ist die Kirche auch ein Ort, an dem man seine Sorgen loswerden kann. Jakob Pape sagt: „Für mich kann in der Kirche jeder er selbst sein und wird auch angenommen, wenn er neu dazukommt.“

Für mich gehören Andacht, Gebete und andere Rituale dazu

Genauso habe ich es auch wahrgenommen, als ich neu dazugekommen bin. Die Gemeinde ist fast zu einem weiteren Zuhause für mich geworden. Einmal pro Woche treffen wir uns, planen neue Aktionen und lassen die Gemeinschaft aufleben. Oft feiern wir kleine Andachten, so auch in der Nacht, als die Anschläge auf Paris stattfanden.

Eine kleine Andacht, ein kleines Gebet oder ähnliche kirchliche Rituale findet manch einer vielleicht albern. Für mich gehören sie dazu und sind einfach etwas ganz Persönliches. Man könnte sagen, dass die Kirche sich dem Lebenswandel der Gesellschaft anpasst und sich weiterentwickelt. Die Botschaft und die Grundzüge aber sind gleich geblieben. So sagt auch Jakob Pape, dass die Botschaft von Jesus nicht unmodern geworden sei. Dies bezieht er auf die aktuelle Flüchtlingssituation.

Sich für Gott zu entscheiden, ist eine Hürde. Denn man bekommt das Gefühl, anders als die Mehrheit zu denken. Gegen den Strom zu schwimmen, gibt einem aber eine andere Perspektive auf sich und das Leben. Oft kann ich auch im Rahmen der Kirche sehr gut durchatmen und für einen kurzen Moment die Zeit und den Stress anhalten. Mich Gott anzuvertrauen, bringt mich auch viel zum Nachdenken.