Stormarn
Trittau

Flüchtlinge vor 70 Jahren und heute

Beim Neujahrsempfang in Trittau informieren sich rund 150 Einwohner über die aktuelle Situation

Trittau. Ein Blick in die Vergangenheit und die Zukunft der Gemeinde Trittau, das versprach Bürgermeister Oliver Mesch den rund 150 Besuchern, die am Sonntag zum Neujahrsempfang in die Wassermühle gekommen waren. Ein Kernthema war der Flüchtlingsansturm, den Trittau laut Verwaltungschef bisher sehr gut gemeistert hat.

„Dies ist uns 2015 pragmatisch und mit holsteinischer Gelassenheit gelungen, und so wird es auch dieses Jahr“, sagte Mesch. Er sprach von einer Welle der Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung, die ihn stolz und dankbar mache.

„2016 wird insbesondere die Integration der Menschen eine große Aufgabe sein“, sagte Mesch, der die Besucher daran erinnerte, dass Trittau schon einmal eine Flüchtlingskrise gemeistert hat: „1945 verdoppelte sich die Zahl der Einwohner.“

Unter den damaligen Flüchtlingen war auch das Ehepaar Volkmann, das zum Neujahrsempfang gekommen war. „Ich bin mit meiner Familie aus Pommern geflüchtet, als ich eineinhalb Jahre alt war“, sagte Doris Volkmann, 72. Sie freute sich über die Willkommenskultur im Ort und möchte sich weiter über die Flüchtlingssituation in ihrer Gemeinde informieren.

Manfred Volkmann war sechs Jahre alt, als er mit seiner Familie 1945 aus Ostpreußen nach Schleswig-Holstein kam. „Wir sind mit Pferd und Wagen aus Kanthausen geflüchtet“, sagte Manfred Volkmann, 77. Er weiß noch genau, wie seine Familie auf der Flucht vor der Roten Armee im Januar 1945 in Gotenhafen (Danzig) ankam. „Meine Tante und mein Onkel bekamen Plätze auf einem Schiff, meine Eltern und ich nicht. Meine Mutter sagte, dass wir zusammenbleiben sollten. Meine Tante und mein Onkel gingen wieder von Bord.“ Zum Glück – denn beim Schiff handelte es sich um „Wilhelm Gustloff“, die nach Beschuss durch ein sowjetisches U-Boot sank. Rund 9000 Menschen starben.

Zunächst kam Volkmanns Familie in einem Zimmer in Köthel unter. „Es war sehr eng, wir haben dort geschlafen, gekocht und gelebt“, erinnert er sich – ebenso wie daran, dass die Flüchtlinge zunächst nicht willkommen waren. „Es war eine andere Welt. Wir hofften damals, wieder zurück in unsere Heimat zu können, doch die gab es nicht mehr.“ 1954 baute die Familie ein Haus in Trittau.