Ahrensburg

Schule und Handwerk arbeiten Hand in Hand

| Lesedauer: 3 Minuten
Lutz Wendler
Kooperationspartner: (v.l.)  die Goldschmiede Heike und Jens Gödeke, Schülersprecher Peer Christiansen, SLG-Koordinatorin Sigrid Mayer-Jendrek, Katrin Bietz von der Handwerkskammer Lübeck und Bettina Skutta vom Elternbeirat

Kooperationspartner: (v.l.) die Goldschmiede Heike und Jens Gödeke, Schülersprecher Peer Christiansen, SLG-Koordinatorin Sigrid Mayer-Jendrek, Katrin Bietz von der Handwerkskammer Lübeck und Bettina Skutta vom Elternbeirat

Foto: Lutz Wendler / HA

Kooperationsvereinbarung mit der Goldschmiede Gödeke soll Praxiserfahrung in die Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule bringen.

Ahrensburg.  Professionelle Berufsberatung ist eine Sache, bunte Werbefilmchen sind eine andere – auf der Suche nach dem richtigen Ausbildungsplatz kann beides für Schulabgänger hilfreich sein, aber Begeisterung für einen Berufsweg wird dadurch nicht geweckt. Und ob es die richtige Wahl war, erweist sich oft erst im Nachhinein. Das Sesam-öffne-dich für den passenden Job versteckt sich dagegen in einem eher bürokratischen Begriff: Praxisnähe. Dahinter steckt die Idee der eigenen praktischen Erfahrung, aber auch die Begegnung mit Menschen, die Erfahrung und Leidenschaft für ihren Job haben und das auch glaubwürdig vermitteln können.

Praktiker wie Heike Gödeke, der man gern zuhört, wenn sie von ihrem Beruf erzählt, in dem sie den ganzen Prozess über Auftrag, Planung, Beratung und Übergabe des fertigen Stücks an den Kunden erlebt. Insofern ist es also ideal, dass die Goldschmiedemeisterin, die gemeinsam mit ihrem Mann Jens Gödeke Werkstatt und Geschäft an der Kaiser-Wilhelm-Allee 2b betreibt, eine Kooperationsvereinbarung mit der Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule zur Berufsorientierung unterzeichnet hat.

Heike Gödeke will den Schülern im Gespräch mit Klassen Einblicke in die Arbeitswelt eröffnen, ihnen beibringen, dass Bewerbungen nicht standardisiert sein sollten, sondern am jeweiligen Adressaten orientiert. Außerdem wird sie Schülern und Lehrkräften auch das eine oder andere Praktikum ermöglichen, nicht nur in der kleinen Traditionswerkstatt, die ihr Schwiegervater 1929 gegründet hat, sondern auch bei anderen Betrieben, die sie als Teil eines Netzwerks gewinnen will.

In Stormarn beteiligen sich etwa 50 Betriebe an der Kooperation mit Schulen

Das ehrenamtliche Engagement ist Teil des Projekts „Kooperation Schule-Betrieb“, das die Handwerkskammern im Lande gemeinsam mit der Indus­trie- und Handelskammer Schleswig-Holstein vor neun Jahren gestartet haben. Katrin Bietz von der Handwerkskammer in Lübeck schätzt, dass in Stormarn etwa 50 Betriebe unterschiedlichster Größe Vereinbarungen mit Schulen abgeschlossen haben. In Ahrensburg engagieren sich unter anderem die Basler AG, das Domicil, die Sparkasse Holstein und, seit Kurzem, der Sanitärinstallationsbetrieb Kleinke. Die Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule (SLG) ist Partner mehrerer Kooperationsvereinbarungen.

Die Zusammenarbeit hat auch für die Unternehmen einen praktischen Wert. Gerade im Handwerk fehlt es am Nachwuchs, in der Mechatronik und Haustechnik ebenso wie bei Dachdeckern und Maurern – weil viele Schüler nicht wissen, dass sich dort anspruchsvolle Herausforderungen und lukrative Möglichkeiten bieten. „Mehr als 50 Prozent unserer Schüler wollen Abitur machen und studieren. Oft auch deshalb, weil sie keine Vorstellungen von ihren beruflichen Möglichkeiten haben. Zehntklässler Jasper Stern (15) bestätigt das: „Wir haben meist keinen Plan B.“ Sigrid Mayer-Jendrek, Koordinatorin des Projekts an der SLG, sagt, dass die Jugendlichen deshalb statt Tagen der offenen Tür in Betrieben und anderen Showveranstaltungen lieber berufliche Realität erleben möchten.

Die Kooperation kommt ihrem Bedürfnis nach handfester Information also entgegen. „Wir müssen jungen Menschen helfen, ihren eigenen Weg zu finden. Ich habe den Eindruck, dass ihnen Individualität abtrainiert wird“ sagt Heike Gödeke. Die Goldschmiedin möchte die Schüler ermutigen, viele Fragen zu stellen. Heute sei Arbeit oft hoch spezialisiert und verborgen hinter verschlossenen Türen und Fenstern. Dagegen hätten Kinder früher selbstverständlicher mitbekommen, was Erwachsene arbeiteten, und sie hätten sie mit Fragen gelöchert, sagt Heike Gödeke. „Da müssen wir wieder hinkommen. Ich würde mich freuen, wenn ich den Jugendlichen an der Selma-Lagerlöf-Schule einige der verschlossenen Fenster und Türen öffnen könnte.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Stormarn