Kinderbetreuung

Schulverband Trittau steht vor Zerreißprobe

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Julia Sextl
Trittaus Bürgermeister Oliver Mesch ist von den Entwicklungen im Schulverband nicht begeistert

Trittaus Bürgermeister Oliver Mesch ist von den Entwicklungen im Schulverband nicht begeistert

Foto: Julia Sextl

Geplant war die Erweiterung des Blauen Hauses zur Schulkinder-Betreuung ab Mitte 2016. Doch vorerst sind die Neubaupläne vom Tisch.

Trittau.  Es war wohl der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte – und die Vertreter von 14 der 15 Mitgliedsgemeinden des Trittauer Schulverbands geschlossen gegen die Interessen der Gemeinde Trittau stimmen ließ. Das bedeutet: Die für den Neubau eines zweiten Blauen Hauses notwendigen Mittel – mehr als eine Million Euro – wurden nicht in den Haushalt 2016 eingestellt. Heißt im Klartext: kein Geld, kein zweites Blaues Haus und damit keine weiteren Betreuungsplätze für die Schulkinder.

Diese Entwicklung kam für die meisten der 26 anwesenden Schulverbands-Vertreter wohl eher überraschend. Denn dass es einen Neubau geben soll, war eigentlich schon beschlossen. Auch, dass die Gemeinde Trittau ein Spielfeld am Sportplatz an der Großenseer Straße dafür zur Verfügung stellt. Im Gegenzug sollte das Spielfeld auf ein Grundstück des Schulverbands an den Tennisplätzen verlegt werden. Die durch den Grundstückstausch entstehenden Kosten, etwa für den Ab- und Aufbau der Flutlichtanlage, sollte der Schulverband tragen.

Das Problem: „Davon haben wir erst auf der Sitzung am 23. November erfahren“, sagt Bürgermeister Timm Peters aus dem lauenburgischen Köthel. „Dabei haben die Trittauer Gemeindevertreter das bereits im Juli beschlossen!“ Peters kritisiert, den Schulverbandsmitgliedern würden immer wieder wichtige Zahlen vorenthalten. „Dadurch entstehen für unsere Verbandsgemeinden immer wieder unkalkulierbare Kosten.“

Schon jetzt liegt der Schuldenstand bei rund zehn Millionen Euro

So erhöhten sich die geschätzten Baukosten vor zwei Wochen von 1,10 Millionen Euro auf 1,13 Millionen. Nun sollten noch einmal 10.000 Euro hinzukommen. Peters: „So, wie hier mit uns Verbandsmitgliedern umgegangen wird, zweifle ich daran, dass es bei dieser Summe bleibt.“ Für ihn sei das Vertrauen und die Zusammenarbeit mit dem Schulverband nachhaltig gestört.

Grandes Bürgermeister Heinz Hoch betont: „Wir befinden uns jetzt schon bei einem Schuldenstand von rund zehn Millionen Euro. Bereits heute brauchen wir 22 Jahre nur für die Tilgung.“ Großensees Bürgermeister Karsten Lindemann-Eggers sagt, seine Schmerzgrenze sei längst überschritten: „Trittau will sich durch Neubaugebiete erweitern – für die Kinderbetreuung soll aber nicht die Gemeinde, sondern der Schulverband aufkommen.“

Tatsächlich stammen knapp 80 Prozent der Kinder, die vor und nach der Schule im Blauen Haus betreut werden, aus Trittau. Die Baukosten für ein zweites Blaues Haus – und bislang auch die laufenden Kosten – müssen aber von allen Mitgliedsgemeinden über die Verbandsumlage getragen werden. Um finanzielle Gerechtigkeit herzustellen, hat der Schulverband jetzt die Satzung geändert: Demnach werden die laufenden Kosten des Blauen Hauses nur noch auf jene Mitgliedsgemeinden umgelegt, deren Kinder die Einrichtung nutzen. Trittau würde also knapp 80 Prozent davon übernehmen.

Für die Vertreter der Gemeinde Trittau war das Sitzungsergebnis ein Schock. Bürgermeister Oliver Mesch: „Wir müssen jetzt eine Liga der Vernünftigen gründen. Der Schulverband hat Betreuungsverträge mit den Eltern geschlossen, hinzu kommen viele Neuanmeldungen. Wir müssen und werden wir eine gute Lösung erarbeiten.“

( sx )

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