Stormarn
Bad Oldesloe

Von Frau zu Frau: Offener Treffpunkt als Schutzraum

Die Sozialpädagogin Renate Mier leitet seit etwa zwei Jahren den offenen Treffpunkt für Frauen

Die Sozialpädagogin Renate Mier leitet seit etwa zwei Jahren den offenen Treffpunkt für Frauen

Foto: Finn Fischer / HA

Bedürftige finden bei Krisen und Ängsten oder nach häuslicher Gewalt seit 15 Jahren Unterstützung in Bad Oldesloe.

Bad Oldesloe.  Viele leiden unter psychischen Erkrankungen, Depressionen, Angstzuständen oder haben einfach schwere Lebenserfahrungen gemacht – häufig in Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. Einmal in der Woche bietet sich für Frauen aus Stormarn bei einem offenen Treffpunkt in Bad Oldesloe die Möglichkeit, Erlebtes zu verarbeiten, mit Gesprächen und Unternehmungen. „Der offene Treffpunkt richtet sich an Frauen, die das Gefühl kennen, dass das Leben manchmal sehr schwer ist“, erklärt Gruppenleiterin Renate Mier.

Angebote wie Selbsthilfegruppen oder offene Therapiestellen gibt es im Kreisgebiet einige. In diesem Fall besonders: „Der Kreis richtet sich ausschließlich an Frauen“, sagt die Sozialpädagogin. Das sei wichtig, weil viele der Teilnehmerinnen Gewalterfahrungen, in der Regel durch Männer, erlebt haben. Der offene Treffpunkt soll eine Art Anker sein im täglichen Leben, eine Insel, auf der offen über das Erlebte gesprochen werden kann. In einer geschützten Atmosphäre können die Teilnehmerinnen durch gemeinsame Gespräche Unterstützung erfahren. „Oft ist es für sie schon hilfreich zu sehen, dass es Frauen gibt, denen es ähnlich geht, die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben“, sagt Renate Mier. Einige Frauen unterschiedlichen Alters kommen seit längerer Zeit regelmäßig, manche nutzen das Angebot sporadisch und der Treff ist immer offen für Neue.

Finanziert wird das Projekt durch staatliche Förderung und Spenden

Seit mittlerweile 15 Jahren existiert das Angebot des Vereins Frauen helfen Frauen in Bad Oldesloe. Renate Mier hat den Treffpunkt vor zwei Jahren von Hella Wegner übernommen. Der offene Treffpunkt soll keine Therapie ersetzen, er wird eher als ein ergänzendes Angebot gesehen. Viele Frauen kommen nach einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik in die Gruppe, oder besuchen die Treffpunkt parallel zu einer nichtstationären Therapie. Mier: „Es soll ein niedrigschwelliges Angebot sein. Alles, was hier erzählt wird, bleibt in diesem Raum.“ Auch Kosten entstehen für die Teilnehmerinnen keine. „Wir finanzieren das Angebot hauptsächlich aus Landes- und Kreismitteln“, sagt Giesela Bojer von der Beratungsstelle Frauen helfen Frauen. Der Gesamtetat beträgt jährlich 5830 Euro. Ein Teil kommt außerdem über Spenden zusammen.

Der offene Treffpunkt besteht aus einer Gruppe von fünf bis zehn Frauen. Einige kommen regelmäßig, andere sporadisch. Es gibt keine Verpflichtungen, an den Sitzungen teilzunehmen. Es sind noch Plätze frei. Die Frauen treffen sich immer donnerstags von 15 bis 17 Uhr in der Frauenfachberatungsstelle, Bahnhofstraße 12, in Bad Oldesloe. Weitere Informationen unter www.frauenhelfenfrauenstormarn.de oder unter der gebührenfreien Rufnummer 0800-111-0444.