Stormarn
Ausstellung

Trittau – eine Gemeinde wird zur riesigen Galerie

Kai Schäfer, Verwaltungsmitarbeiter aus Trittau, vor einem Gebäude an der Poststraße in Trittau. Früher war dort das Hotel zur Post, dessen Foto Schäfer in der Hand hält

Kai Schäfer, Verwaltungsmitarbeiter aus Trittau, vor einem Gebäude an der Poststraße in Trittau. Früher war dort das Hotel zur Post, dessen Foto Schäfer in der Hand hält

Foto: Julia Sextl

Vorher-Nachher-Bilder werden bei der Ausstellung im Zentrum der Gemeinde verteilt und zeigen Trittau von 1950 bis heute.

Trittau.  Wer derzeit durch die Straßen Trittaus spaziert, bewegt sich genau genommen durch eine überdimensionale Galerie: Der Ort ist zur Ausstellungsfläche geworden für historische und zeitgenössische Fotos. Die Aufnahmen hängen in Schaufenstern von mehr als 40 Geschäften in Trittau. Sie zeigen die jeweiligen Gebäude Ende der 1950er-Jahre und im Zustand von heute. Teils haben sie sich sehr verändert. Manche Häuser sind gar nicht mehr da. Und manche sehen noch fast genauso aus wie früher.

„Ich finde das total spannend. Wir haben die alten Fotos angeguckt und es kamen viele Erinnerungen hoch“, sagt die Trittauerin Sabine Paap. Die Grünen-Politikerin ist Mitglied des Historischen Arbeitskreises Trittau (H.A.T.) , der die Idee zu dem Ausstellungsprojekt hatte. Der H.A.T., ein Zusammenschluss geschichtlich interessierter Trittauer, war vor 15 Jahren vom damaligen Amtsarchivar und heutigen Bürgermeister Oliver Mesch mitbegründet worden und hat diverse Veranstaltungen organisiert, unter anderem historische Stadtspaziergänge.

Die Bilder dokumentieren Umbau der Alten Post

In den vergangenen Jahren ruhte die Arbeit des H.A.T. jedoch. „Jetzt haben wir wieder einen festen Kern von rund zwölf Leuten, der sich seit etwa eineinhalb Jahren regelmäßig trifft“, sagt Paap, die in Trittau auch Fraktionsvorsitzende der Grünen ist. Die Ausstellung „Trittau – früher und heute“ ist das erste große Projekt der Gruppe seit dem Neuanfang.

Die ausgestellten Fotos zeigen die Fassaden der Geschäftshäuser an Poststraße, Bahnhofstraße, Vorburgstraße, Kirchenstraße und Hamburger Straße. Die aktuellen Aufnahmen stammen von Kai Schäfer, der in der Trittauer Verwaltung arbeitet und ebenfalls Mitglied im H.A.T. ist. Die historischen Bilder sind von dem damaligen Inhaber der Sonnen-Drogerie an der Kirchenstraße, Wolfgang Hoffmann und heute im Besitz des Amtsarchivs.

Damals, Ende der 1950er-Jahre lebten in Trittau gut 4000 Menschen. Bürgermeister war Walter Stursberg, es gab kaum Autos und das Rathaus und die Amtsverwaltung waren im Bürgerhaus untergebracht, das heute noch genauso aussieht wie damals. Auch Anderes hat sich in den mehr als fünf Jahrzehnten verändert: „Das Gebäude der Alten Post ist beispielsweise enorm verändert worden“, sagt Kai Schäfer. „Früher war das mal richtig hübsch. Und heute ist das eigentlich eines der hässlichsten Gebäude Trittaus.“

Früher Post, heute auch Fahrschule

Auch im Inneren ist das Haus mehrfach umgebaut worden. Bei seinen Recherchen habe der H.A.T. mehrere Abbildungen der Alten Post gefunden, sagt Sabine Paap. „Auf der jüngsten historischen Aufnahme liegt der Eingang auf der linken Seite. Auf einem früheren Foto ist er auf der rechten Seite zu sehen, dort ist er auch heute. Und dann gibt es noch ein Bild aus den 1920er-Jahren, da hat das Haus sogar einen Giebel.“ Heute sind in dem Gebäude an der Poststraße 14 eine Fahrschule, ein Nachhilfestudio und eine Versicherungsagentur zu finden.

Rechts davon steht hingegen ein Haus, das sich fast gar nicht verändert hat. „Da war früher der Lebensmittelladen Lenschow drin. Heute ist dort ein Frisörgeschäft“, sagt Paap. „Das Haus hat so markante Verzierungen im Mauerwerk. Die sind auch heute noch zu sehen.“ Bis auf eine kleine Dachgaube und die Sarotti-Reklame habe sich an der Poststraße 12 nichts verändert.

Das Gelände an der Kirchenstraße 25 hingegen sieht ganz anders aus als früher: Wo heute das Kastorfer Busunternehmen Dahmetal ein Büro und einen Busbetriebshof unterhält, war früher eine Tankstelle und das Busunternehmen Scharnweber zu finden. Auch die Ansicht der Poststraße 11 hat sich mit der Zeit sehr verändert. „Früher war dort das Hotel zur Post“, sagt Kai Schäfer. Heute hat das Gebäude ein Geschoss mehr und beherbergt eine Drogerie sowie den Abwasserzweckverband Obere Bille.

Das Gebäude an der Kirchenstraße 2, früher ein Fachwerkhaus, ist ebenfalls kaum wiederzuerkennen: „Früher war dort Holländers Gasthof. Da steppte der Bär“, sagt Sabine Paap und gerät ins Schwärmen. „Da gab es den Beat-Club Trittau, das muss so in den 1970er-Jahren gewesen sein. Regelmäßig spielten dort Bands – auch die Lords waren hier und Peter Maffay.“ Heute ist von dem Fachwerk nichts mehr zu sehen. Stattdessen hat das Gebäude außen gelbe Klinkersteine, im Erdgeschoss sitzt der Bau- und Gartenmarkt Holländer.

Historischer Arbeitskreis sucht Mitstreiter

Bis Ende Oktober ist die Ausstellung noch zu sehen. „Vielleicht verlängern wir auch. Wir bekommen viel positive Rückmeldung. Einige Geschäfte wollen die Bilder auch gern behalten“, sagt Paap. Und auch für die Zukunft plant der H.A.T. bereits weitere Projekte. Paap: „Das nächste soll in Richtung ,Vergnügen in Trittau’ gehen. Im Laufe der Zeit gab es hier ja jede Menge Musik – neben dem Beat-Club waren hier auch etliche Discos.“

Der H.A.T. freut sich über weitere Mitgliede r. Die gemeinsamen Treffen sind in loser Folge, meist ein Mal pro Monat. Mehr Informationen zum H.A.T. gibt’s bei Regina Brüggemann, ­E-Mail: regina-brueggemann@gmx.de