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SPD: Entscheidung nicht den anderen überlassen

Hartmut Möller rät zu mehr Frusttoleranz

Viele Menschen gehen nicht wählen, besonders bei kleinen Wahlen wie der des Bürgermeisters. Aber auch bei landes- oder bundesweiten Wahlen scheint es großes Vertrauen vieler darauf zu geben, dass es andere richtig machen werden und dass man ihnen die Entscheidung überlassen kann. Kann man das wirklich?

Untersuchungen ergaben, dass Bürger aus wohlhabenden Vierteln zum erheblich höheren Anteil wählen gehen als aus ärmeren Wohngebieten. Haben die weniger Abgesicherten aufgegeben, etwas ändern zu wollen und sich mit ihrer bescheidenen Situation abgefunden? Nicht unbedingt, denn es ist schwierig, aus den Folgen eines Wahlergebnisses eine unmittelbare Wirkung abzulesen. Demokratische Wahlen sind eben keine Revolutionen, durch die sich umsturzartig alles ändern würde. Die „Verhältnisse“ sind meistens so, dass sie ein großes Beharrungsvermögen haben und dass manches nur sehr langsam geändert werden kann. Ein Wähler, der mit seinem Kreuz die prompte Erledigung seines Anliegens erwartet, wird fast mit Sicherheit enttäuscht.

Darum können diejenigen, die von herrschenden Verhältnissen profitieren, darauf vertrauen, dass es zur Wahrung ihrer Interessen ausreicht, zahlreicher zur Wahl zu gehen als die anderen, die mehr sind. Durch meine langjährige Tätigkeit in der Kommunalpolitik habe ich gelernt, welche Schlüsselqualifikation man dafür braucht: Frusttoleranz. Ein wenig davon wünsche ich mir auch bei den Wählern: Gehen Sie trotzdem hin, es ist nicht vergeblich.

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