Stormarn
Volksfest

Maßen-Bier-Haltung zum Oktoberfest in Ahrensburg

Ausgelassene Stimmung im Wiesn-Zelt auf der Großen Straße. Rund 1000 Gäste feiern allein am Sonnabendabend. Veranstalter ist zufrieden.

Ahrensburg.  Um 17 Uhr ist für Katharina Nordheim auf dem Ahrensburger Oktoberfest Dienstbeginn. Eine Stunde, bevor die ersten Gäste zur Abendveranstaltung kommen. Das Festzelt ist genauso wie die Bierkrüge schnell gefüllt. Für den Nachschub des wichtigsten Getränks im Zelt auf der Großen Straße sorgt Ehemann Christian. Den Hahn dreht er heute Abend nur zum Fasswechsel zu. Dass die Massen an Maßen auch zum Gast kommen, dafür sorgt unterdessen seine Frau. Bis 1 Uhr in der Nacht geht ihre Schicht. Maßen-Bier-Haltung in Ahrensburg: ein Extremsport mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

1,3 Kilo wiegt der leere Maßkrug, gefüllt kommt noch einmal ein Kilo drauf. Bei acht Maß macht das zusammen 18,4 Kilo. Maßlos könnte man meinen. Katharina Nordheim schüttelt den Kopf. „Acht Maßkrüge geht schon“, sagt die 37-Jährige, außerdem sei nicht jede Bestellung so groß. Abseits der Wiesn arbeitet Nordheim als Arzthelferin im Kreis Segeberg, der Zweitjob als Kellnerin scheint ihr trotz der körperlichen Anstrengung sichtlich Spaß zu machen. „Die Stimmung ist super, auch im Team“, sagt sie.

Am Eingang steht Sicherheits-Chef Heiko Kreuz von der Ahrensburger Firma Chrome Secure Service. Er hat alles im Blick. „Wie haben ein sehr gutes Publikum. Bisher verläuft alles ruhig“, so Kreuz.

Besucher, die sich nicht kannten, liegen sich plötzlich in den Armen

Es ist 20 Uhr, das Festzelt inzwischen so voll, dass Gäste, die an der Abendkasse eine Karte ergattern wollen, in einer langen Schlange stehen. Drinnen stehen Dutzende Besucher auf den Bänken, einige liegen sich in den Armen, obwohl sie gerade erst Bekanntschaft gemacht haben. Aus den Boxen erklingt „Mambo“ von Herbert Grönemeyer, die Party nimmt Fahrt auf.

Auch Yvonne Baier feiert ausgelassen. „Ich bin das zweite Mal hier“, sagt sie. Auch auf dem Original in München sei sie schon gewesen, das Fest in Ahrensburg habe allerdings den großen Vorteil des kürzeren Weges. Heimvorteil für die Schlossstadt also. Baier trägt eine kurze Lederhose sowie ein blau-weiß-kariertes Hemd. Ihre Freundinnen Astrid Kirsch und Michaela Kröger haben das Dirndl gewählt.

Den Herren neben ihnen, mit dem sie schunkeln, kennen die Frauen übrigens nicht, sagen sie und lachen. Er heißt Michael Damaschke, Ex-Ahrensburger, der nun in Sandesneben lebt. „Ich komme immer gern hierher zurück“, sagt Damaschke, „das Fest entwickelt sich, es wächst von Jahr zu Jahr.“ Das stellt auch Veranstalter Stephan Schächterle, Geschäftsführer von EPM Concept, zufrieden. Er habe viel positive Resonanz von den Gästen bekommen, meint Schächterle. Rund 1000 Gäste sind es allein am Sonnabendabend in dem 1200 Quadratmeter großen Zelt.

Mitglieder der Oktoberfestband Deich Tiroler sind Norddeutsche

Die meisten von ihnen haben sich entsprechend gekleidet, tragen Lederhosen und Dirndl in unterschiedlichen Varianten. „Das Kleid haben wir extra für diesen Abend gekauft“, sagt Kamila Schug, die mit Freundin Meike Rousseau und Ehemann Wolfgang auf einer der Bänke im Festzelt feiert. Vier Stunden habe sie im Bad gestanden, sagt Schug. „Zwei Stunden Make-up und jeweils eine Stunde für Frisur und Klamotten.“ Auch Sandy Tiedtke hat zwei Stunden für ihr Outfit gebraucht: „Wir haben aber auch 20 Frisuren ausprobiert.“

Ein Abstecher auf die Tanzfläche. Besser gesagt: zur Bühne. Denn getanzt wird eigentlich überall. Foxtrott oder Rock’n’Roll auf den Gängen, Schunkeln auf den Bänken oder eine Polonaise durch den ganzen Saal. Unterbrochen, auch das gehört dazu, immer wieder von einem animierenden „Prosit der Gemütlichkeit“ – das mit vollem Maß-Einsatz vom Publikum gewürdigt wird. Apropos Bühne. Dort heizt mit den Deich Tirolern wie bereits am Donnerstag eine norddeutsche Oktoberfestband dem Publikum ein.