Stormarn
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Politiker wollen im Süden Wohnraum schaffen

Im März 2008 war Spatenstich An der Alten Wache in Glinde. Inzwischen leben hier rund 2500 Menschen. Die Nachfrage nach Wohnraum ist ungebrochen

Im März 2008 war Spatenstich An der Alten Wache in Glinde. Inzwischen leben hier rund 2500 Menschen. Die Nachfrage nach Wohnraum ist ungebrochen

Foto: Bianca Hannig

Barsbüttel, Reinbek, Glinde und Oststeinbek soll eine Wohnungsbaugesellschaft bekom men. 500 Wohnungen in Planung.

Barsbüttel/Glinde.  Führende Sozialdemokraten aus Barsbüttel, Reinbek, Glinde und Oststeinbek streben die Gründung einer gemeinsamen Wohnungsbaugesellschaft an. Ziel ist es, im Süden des Kreises Stormarn mindestens 500 Einheiten zu schaffen. Damit wollen die Politiker auf den Mangel an bezahlbarem Wohnraum für Einheimische und die Flüchtlingssituation reagieren. „Der Markt deckt die Nachfrage heute und in absehbarer Zeit nicht. Die Kommunen müssen jetzt eingreifen“, sagt Barsbüttels SPD-Fraktionschef Hermann Hanser. Es werde ein strategischer Plan über mehrere Jahre benötigt.

Die Kommunen sollen Eigenkapital durch Grundstücke einbringen

Hermann Hanser, 65, hatte vor Kurzem mit den Genossen aus den Nachbarkommunen über das Thema gesprochen. Dabei waren auch Glindes SPD-Vorsitzender Frank Lauterbach und Reinbeks Fraktionsboss Volker Müller. „Das ist die ideale Lösung, weil wir der Träger sind und gestalten können“, sagt Lauterbach. Laut Hanser gab es einen Konsens unter den Teilnehmern. „Wir stehen noch ganz am Anfang“, so Müller. Es sei aber klar, dass man Wohnraum für Menschen mit kleinem Einkommen schaffen müsse.

Die Wohnungsbaugesellschaft soll sich wirtschaftlich selbst tragen und die Haushalte der Kommunen nicht belasten. Hanser schwebt vor, dass die Gemeinden und Städte Eigenkapital durch Grund und Boden einbringen, die Gesellschaft dann Kredite für den Bau der Wohnungen aufnimmt. Er hat bereits ein Informationsgespräch mit der Deutschen Bank in Berlin geführt. „Das Projekt wurde sehr positiv bewertet und die Verlässlichkeit der Kommunen als Partner betont.“ Das Bankinstitut habe einen Zinssatz von 1,2 Prozent ins Spiel gebracht.

Auch haben die Genossen Hoffnung auf eine Aufnahme ins Wohnraumförderprogramm des Landes Schleswig-Holstein, um sich Kredite mit besseren Konditionen zu sichern. Zudem hatte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) jüngst versprochen, das Land werde alles tun, um „ein spürbares Wohnungsbauprogramm“ für eine erste nachhaltige Unterbringung von Flüchtlingen in den Kommunen schnell hinzubekommen. Auch hier winkt finanzielle Unterstützung.

Die Barsbütteler SPD-Fraktion wird am 1. Oktober im Hauptausschuss einen Antrag stellen mit dem Ziel, dass Bürgermeister Thomas Schreitmüller mit den Verwaltungschefs der Nachbarkommunen das Vorhaben prüft. Hanser: „Die Verwaltungen sollten in die Lage sein, bis Ende dieses Jahres ein Konzept vorzulegen.“ Der Handlungsdruck sei groß, 2016 sollte das Projekt gestartet werden. Ausschließlich Sozialwohnungen wollen die Genossen aber nicht schaffen. „Ein Teil muss frei finanziert sein, denn eine Mischung ist wichtig“, sagt Barsbüttels SPD-Fraktionsvize Holger Gettschat, 67, der früher Aufsichtsratsvorsitzender einer Baugenossenschaft war.

Die Idee einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft ist in Barsbüttel nicht neu. Bereits seit zwei Jahren beschäftigen sich die Sozialdemokraten mit dem Thema, ursprünglich mit der Beschränkung auf die Gemeinde. Allein sei es aber nicht zu schaffen, sagt Hanser. Er hat mehrere Geschäftsführer von Wohnungsbaugesellschaften kontaktiert, um zu erfahren, wie viele Einheiten benötigt werden, um wirtschaftlich bestehen zu können. „500 Wohnungen sind das Minimum“, sagt er.

Schon vor einem Jahr hatte Gettschat die Baugenossenschaft Sachsenwald zwecks einer Zusammenarbeit angesprochen, die zeigte jedoch kein Interesse. Nun will Volker Müller noch einmal nachfassen und sich mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Detlef Palm, früher Bürgermeister in Reinbek, austauschen.

In Sachen Flüchtlingsunterbringung möchten es die Barsbütteler Politiker vermeiden, die Hilfesuchenden vermehrt in Containern unterzubringen. In den Straßen An der Barsbek und Kirchenweg baut die Gemeinde ab Oktober Häuser mit jeweils neun Wohnungen, dort sollen vorerst Menschen aus Krisen- und Kriegsgebieten einziehen. Es müssen aber weitere Unterkünfte gefunden werden. Ein Problem, das auch die Nachbarkommunen zu bewältigen haben.

Dort sind Politiker anderer Parteien und auch Bürgermeister dem Vorschlag der SPD nicht abgeneigt. „Die Idee einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft hört sich gut an“, sagte Jan Schwartz, Ortsvorsitzender der Glinder Grünen. Es gelte aber, sich erst einmal mit der Finanzierung zu beschäftigen. Bürgermeister Rainhard Zug gibt zu bedenken, dass so ein Projekt Investitionen über Jahrzehnte nach sich ziehe. „Ich bin aber davon überzeugt, dass wir im Verbund mit unseren Partnern langfristig wirtschaftlichen Erfolg haben können.“ Er finde die Sache spannend.

Reinbek hatte mit eigenen Wohnungen keinen Erfolg, sagt ein FDP-Politiker

Bei Heinrich Dierking, Fraktionsvorsitzender der Reinbeker Wählergemeinschaft Forum21, kommt die Idee gut an. „Ich bin schon seit langer Zeit dafür. Diese Region hat das meiste Bevölkerungswachstum in Stormarn und steht extrem unter Mietpreisdruck.“ Durch eine solche Kooperation seien die Kommunen auch langfristig darauf ausgerichtet, in bezahlbaren Wohnraum zu investieren. Reinbeks FDP-Fraktionschef Bernd Uwe Rasch: „Mit eigenen Wohnungen haben wir in der Vergangenheit keinen Erfolg gehabt. Wenn jetzt aber die Vorteile überwiegen, warum nicht.“

In Zurückhaltung übt sich Oststeinbeks CDU-Fraktionsvorsitzender Hans-Joachim Vorbeck: „Wir haben in den Kommunen unterschiedliche Ausgangspositionen, aber grundsätzlich muss man über alles sprechen.“ Mehr Begeisterung zeigt Bürgermeister Jürgen Hettwer: „Ich bin diesem Modell nicht abgeneigt. Alles, was uns beim Thema Wohnungen gemeinsam weiterbringt, sollten wir mitmachen.“

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