Stormarn
Bargfeld-Stegen

Muster-Dorf im Fokus des Bürgerdialogs

Parlamentarische Staatssekretärin Maria Flachsbarth (CDU) beantwortet Demonstranten Fragen zur Gentechnik

Parlamentarische Staatssekretärin Maria Flachsbarth (CDU) beantwortet Demonstranten Fragen zur Gentechnik

Foto: Isabella Sauer

Parlamentarische Staatssekretärin des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft besucht Bargfeld-Stegen. Protest gegen Gen-Mais.

Bargfeld-Stegen.  Auf dem Gelände der Biogasanlage in Bargfeld-Stegen stinkt es nach frischem Mist. Die Heizkraftwerke rattern vor sich hin. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, Maria Flachsbarth (CDU), ist zu Besuch. Ursprünglich wollte Christian Schmidt (CSU) kommen, der Minister. Denn Bargfeld-Stegen steht für einen Tag im Mittelpunkt des bundesweiten Bürgerdialogs „Gut leben in Deutschland“. In dem 2900-Einwohner-Ort geht es nun um die Facette „Gut leben auf dem Lande“.

Ein Forschungsinstitut hat zehn Gemeinden ausgesucht, die möglichst einen Querschnitt der ländlichen Strukturen in Deutschland repräsentieren. Vor Ort machen sich dann der Bundesminister oder ein Parlamentarischer Staatssekretär ein Bild vom Leben auf dem Land. Die Bürger machen einen Workshop und sammeln Ideen und äußern Wünsche, wie die Lebensqualität im eigenen Dorf noch besser werden kann.

Bargfeld-Stegen ist exemplarisch für ein Dorf in Großstadtnähe

Die gelernte Tierärztin Flachsbarth hört genau zu, als sie sich von den beiden Betreibern der Biogasanlage, Bauer Marco Gercken und Bauer Johann Wulf, die Funktionsweise erklären lässt. Die Landwirte wirken ein bisschen nervös und schüchtern. „Vor vier Jahren habe ich den landwirtschaftlichen Betrieb von meinem Vater übernommen“, erzählt der 32-jährige Wulf. Dann fängt er an, von der Geschichte dieser Biogasanlage zu erzählen und davon, was sie denn alles könne. So werde das Heinrich-Sengelmann-Krankenhaus mit Strom über ein Blockheizkraftwerk versorgt. „Es ist einfach eine gute Möglichkeit für Landwirte, wirtschaftlich zu arbeiten“, sagt er weiter. Dann nutzt er die Gunst der Stunde und sagt: „Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EGG) wird ständig geändert. Das ist ein Problem.“ Das EGG sei nämlich nicht auf jede Anlage gleich anwendbar. Die Politikerin kann die Sicht der Jungbauern verstehen. Möchte sehen, was sich tun lässt.

Warum ist sie in Bargfeld-Stegen? Flachsbarth: „Stormarn ist eine Region, für die Sub- und Urbanisierungsdruck – also die Stadtflucht in das Umland – eine große Rolle spielt.“ Und Bargfeld-Stegen sei wegen der relativen Nähe zur Metropole Hamburg und der dörflichen Struktur dafür exemplarisch.

Bürgermeister Andreas Gerckens (CDU) zeigt der Parlamentarischen Staatssekretärin die beiden Kindergärten sowie die Grundschule. Freundlich sagt er: „Der Bürgerdialog ist eine Chance für uns, unsere Zukunft gemeinsam zu entwickeln.“

Während Flachsbarth von ihren Erfahrungen in den Bereichen Demografie, Wirtschaft und Landnutzung aus ihrem Wahlkreis Hannover-Land II erzählt, läuft sie gemeinsam mit Gerckens in Richtung Bürgerhaus. Im Gänsemarsch folgen weitere Politiker. Kurz vor dem Bürgerhaus, in dem seit drei Stunden Bargfelder mit einer Moderatorin ihr Leben im Dorf analysieren, ist lautes Brüllen zu hören. Schlachtrufe. „Keine Gentechnik!“ Rund 50 Demonstranten haben sich für eine Protestaktion versammelt. Die einen laufen als Gen-Maiskolben herum, die anderen im Imkerkostüm. Schilder und Fahnen ragen in die Luft. Am Mikrofon spricht Chris Methmann: „Wir fordern ein bundesweites Anbauverbot für gentechnisch manipulierte Pflanzen.“

Flachsbarth reagiert gelassen, begrüßt jeden Demonstranten einzeln per Handschlag. Danach erklärt sie, warum ein bundesweites Gesetz schwierig ist: „Wir brauchen stichhaltige Argumente gegen diesen Anbau. Die müssen gerichtsfest sein.“ Aber genau das sei eben problematisch, denn nicht alle angeführten Gründe träfen aus ihrer Sicht auf jedes Bundesland zu.

Strenge Moderatorin sagt, dass nur reden dürfe, wer etwas gefragt werde

Drinnen im Dorfgemeinschaftshaus sitzen seit 16.30 Uhr rund 40 Einwohner beisammen. Sie nehmen an einem Workshop teil. Sprechen über das Leben auf dem Land, speziell in Bargfeld-Stegen. Der Bürgermeister hat die Personen ausgewählt. Dabei musste er darauf achten, dass die Teilnehmer das Spektrum der Bevölkerung des Kreises widerspiegeln.

Während des Bürgerdialogs darf die Staatssekretärin laut Anweisung der Moderatorin Barbara Becker nur reden, wenn sie gefragt wird. Vier Oberthemen haben die Teilnehmer für ihre Gemeinde erarbeitet: Älter werden, Landwirtschaft und Natur, Verkehr und Lärmschutz sowie Menschen mit Besonderheiten. „Wir haben Wünsche und Ideen auf Plakate geschrieben“, sagt Svenja Behnke. Dabei seien Unterschiede gemacht worden, ob die Bürger diese selbst umsetzen könnten oder beispielsweise Hilfe vom Land bräuchten.

Am Ende des Tages wirken alle erschöpft. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Bargfelder wünschen sich einen Seniorenbeirat, plädieren für bewusste und regionale Ernährung und suchen nach Möglichkeiten für Lärmschutz an der lauten Bundesstraße. Und Flachsbarth verspricht, dass sie die Ideen der Stormarner, bei denen der Bund mithelfen könne, weitergeben werde.