Stormarn
Regisseur

Detlev Buck engagiert sich für Flüchtlinge in Bargteheide

Detlev Buck ist auf einem Bauernhof in Nienwohld bei Bargteheide aufgewachsen, wo er teilweise heute noch lebt. Er hat zahlreiche Erfolgsfilme als Regisseur gedreht (u.a. „Karniggels“, „Bibi und Tina“) und arbeitet auch als Schauspieler

Detlev Buck ist auf einem Bauernhof in Nienwohld bei Bargteheide aufgewachsen, wo er teilweise heute noch lebt. Er hat zahlreiche Erfolgsfilme als Regisseur gedreht (u.a. „Karniggels“, „Bibi und Tina“) und arbeitet auch als Schauspieler

Foto: Marcus Golejewski/Geisler-Fotopr / picture alliance / Geisler-Fotop

Der Regisseur ist Pate für das Kopernikus-Gymnasium beim „Fest der bunten Vielfalt“ in Bargteheide. Am Sonnabend wird gefeiert.

Bargteheide.  Wenn an diesem Sonnabend in Bargteheide das „Fest der bunten Vielfalt“ von Hunderten Ehrenamtlichen und Flüchtlingen über die Bühne geht (siehe unten), dann ist auch ein Projekt des Kopernikus-Gymnasiums dabei. Die Bildungseinrichtung wird in das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ aufgenommen. Das ist bundesweit der größte Zusammenschluss seiner Art und hat vor allem zum Ziel, dass die Schüler sich aktiv an der Gestaltung ihres Schullebens beteiligen können und sich bewusst gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt wenden. Als Paten hat das Kopernikus-Gymnasium den berühmten Stormarner Regisseur und Schauspieler Detlev Buck gewonnen. Im Abendblatt erzählt er, warum er sich engagiert.

Hamburger Abendblatt: Was hat Sie dazu bewogen, im Rahmen des Festes der bunten Vielfalt die Patenschaft für das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ in Bargteheide zu übernehmen?

Detlev Buck: Die Verantwortung einer solchen Patenschaft besteht ja nicht in einem einmaligen Event. Ich habe über meine Töchter von dem Projekt erfahren und den Kontakt zu Gabriele Abel und Ulrike Meyborg bekommen. Die Schüler und das Projekt sind wichtige Vorreiter. Ich empfinde, dass deren Handeln, wie sie sich um die Kinder und die Flüchtlinge kümmern, nicht nur aus einer Verantwortung geschieht, sondern vielmehr aus Freude. Sie geben und bekommen zurück. Eine ganz wichtige Erfahrung, nicht nur für Schüler. Ich sehe, dass die Schüler aus der Flüchtlingskrise eine Chance machen.

Ihnen stehen Flüchtlinge als weitere Paten zur Seite. Was wissen Sie über ihr Schicksal?

Buck: Ich habe die Paten kurz kennengelernt. Gamilah ist als alleinerziehende Mutter aus dem Jemen hierher gekommen. Mit zwei kleinen Kindern war sie über zwei Jahre auf der Flucht. Sie ist quasi im selben Medium unterwegs, hat dort für das Fernsehen gearbeitet. Als alleinerziehende Mutter hat sie dort keine Chance mehr gesehen. Es ist ihr gutes Recht, dass sie sich für ihre Kinder eine sichere und bessere Zukunft wünscht. Shirsha kommt aus Afghanistan, und Hanad kommt aus Somalia, ein Land im Chaos. Und dieses Chaos in Afrika ist nicht zuletzt durch die europäische Kolonialzeit entstanden.

Wie empfinden Sie die aktuelle Flüchtlingssituation?

Buck: Die Flüchtlingssituation wird sich nicht so schnell beruhigen. Das ist eine neue Herausforderung. Die Tür der Welt lässt sich nicht zusperren, hat langfristig noch nie in der Geschichte funktioniert. Wir müssen lernen, neu zu denken. Im großen politischen Rahmen, aber auch wie beispielsweise bei den Kochmüttern des Kopernikus Gymnasiums: Die haben Salam, einen tollen syrischen Koch, ehrenamtlich mitarbeiten lassen, weil er etwas tun wollte, ohne dass ein langer bürokratischer Prozess seinen unflexiblen anonymen Gang geht. Ältere Menschen, die allein sind, nehmen eine Flüchtlingsfamilie auf und funktionieren dann als Oma oder Opa.

Sie können am Sonnabend nicht persönlich auf dem Fest anwesend sein. Was ist Ihre Videobotschaft?

Buck: Naja, es geht nicht um die Videobotschaft. In der habe ich nur gesagt, das Fest diene dazu, dass Norddeutsche mit gewachsenen Wurzeln den neuen Norddeutschen, ohne Wurzeln, die Hand reichen. Es geht aber nicht um ein einmaliges Event. Da kann man wieder von den Schülern lernen, die mindestens dreimal die Woche versuchen, die Flüchtlingsfamilie und deren Kinder zu treffen, mit ihnen Deutsch zu lernen, aber auch gleich klar mitzuteilen, dass in unserer Gesellschaft Söhne nicht mehr wert sind als Töchter.

Was sollte sich verändern?

Buck: Über die Flüchtlingskrise wird im Moment viel berichtet. Ich hoffe, dass keine Ermüdung aufkommt. Eine Abnutzung der Aufmerksamkeit, darin liegt die Gefahr. Die Politik hat lange Zeit zu langsam reagiert, ist teilweise ratlos und auch von Seiten der Kirche würde ich mir zügigeres, entschlossenes Handeln wünschen. Ich vermisse geradezu eine Initiative der Kirche, gerade weil es hier nicht um die Gretchenfrage des Glaubens gehen darf. Es ist eine menschliche Not, und da darf die Kirche nicht schweigend zusehen. Als der Arbeitsmarkt sich vor ein paar Jahren für die Osteuropäischen Länder geöffnet hat, hatten viele Angst vor einer Überflutung mit billigen Arbeitskräften. Diese dauernde Verunsicherung muss verschwinden. Lange bürokratische Aufnahmeregelungen behindern die Arbeit. Manches ließe sich pragmatischer regeln und freudvoller. Wir werden einen Kinonachmittag mit dem neuen Bibi-Film machen. Mit den Norddeutschen ohne Wurzeln und den Norddeutschen mit Wurzeln.