Stormarn
Abendblatt-Serie

Stapelfeld ist das reiche Dörfchen an der Autobahn

Die Kratzmannsche Kate ist in der Staplelfeld der kulturelle Treffunkt

Die Kratzmannsche Kate ist in der Staplelfeld der kulturelle Treffunkt

Foto: Birgit Schücking

Das Abendblatt vergleicht Stadtteile am äußersten Rand Hamburgs mit angrenzenden Gemeinden. Heute: Rahlstedt und Stapelfeld.

Wer nur einmal kurz mit dem Auto durchfährt, fragt sich: Wie kann jemand hier leben? Genau das hat sich auch Klaus Fechner (SPD), langjähriger Gemeindevertreter in Stapelfeld, gedacht, als er 1966 dorthin zog. „Für mich als absoluter Städter war klar, ich will irgendwann nach Hamburg zurück ziehen.“ Doch der gebürtige Hannoveraner brauchte damals schnell eine neue Wohnung für sich und seine Frau. Über Bekannte landete das Paar also in Stapelfeld. „Selbst als meine Tochter hier eingeschult wurde, glaubte ich noch, dass wir wieder in die Stadt ziehen werden“, erinnert sich der 72-Jährige.

Es kam anders. Ein Neubaugebiet wurde ausgeschrieben. Fechner baute ein Haus. Heute ist er Stapelfelder durch und durch, schätzt die nachbarschaftliche Atmosphäre. „Man kennt und hilft sich gegenseitig.“ Trotzdem bezeichnet sich der Gemeindevertreter weiterhin als Städter. Mit der großen Metropole als Nachbarin ist er der Großstadt treu geblieben, lebt also eine Art „Landlust light“. „In einem richtigen Dorf leben könnte ich nicht.“

Größere Einkäufe erledigt der ehemalige Werksleiter der Fernwärmeversorgung Stapelfeld in Rahlstedt oder Wandsbek. Auch Stapelfelder Kinder gingen früher häufig nach Rahlstedt zur weiterführenden Schule statt in die viel weiter gelegenen Stormarner Kommunen Trittau, Barsbüttel oder Großhansdorf. Mit dem neuen Gastschulabkommen von 2010 ist das aber schwieriger geworden. „Stapelfeld ist wie ein ruhiger Vorort von Hamburg. Es ist grün, die Stadt ist nicht weit“, sagt Fechner. Die Gemeinde ist zwar klein und unscheinbar, aber nicht unbedeutend. Obwohl der Ort ein sehr ländliches Flair verströmt – auf den ersten Blick fast öde –, gibt es dort neben zwei Naturschutzgebieten (Höltigbaum und Stapelfelder Moor) sowie vier landwirtschaftlichen Betrieben auch viel Gewerbe, unter anderem die Müllverbrennungsanlage.

Sie bringt nicht nur hohe Gewerbesteuereinnahmen, sondern versorgt auch 94 Prozent der Stapelfelder Haushalte mit Fernwärme. „Die Nähe zur Metropole und zur Autobahn macht unsere Gemeinde sehr attraktiv – sowohl zum Wohnen, als auch für Gewerbebetriebe“, sagt Fechner. Davon habe die Gemeinde östlich von Hamburg immer profitiert. Deswegen ist sie verhältnismäßig reich geworden, kann sich teure Projekte wie ein neues Feuerwehrgerätehaus samt neuem Auto leisten. Geld macht Stapelfeld auch für die Sanierung ihrer Sportplätze und des Stapelfelder Hofs locker; die ehemalige Dorfschule wurde seit den 60er-Jahren als Hotel mit Gastronomie genutzt und steht seit diesem Jahr leer. Auch die Balkan-Kate in der Nähe des Dorfkerns wurde in diesem Sommer geschlossen. Der Pächter ist in den Ruhestand gegangen.

Eine Kneipe, Loke´ Klönstuv, gibt es im Ort

„Ganz ohne Gastronomie ist Stapelfeld trotzdem nicht. Es gibt noch das Hotel zur Windmühle“, sagt Fechner. Allerdings liege die Gaststätte an der Grenze zu Braak und ist dementsprechend weit weg vom Ortskern. Wer nur ein Bier trinken möchte, kann das aber in der einzigen Dorfkneipe Loke’s Klönstuv mitten im Ort machen.

Der historische Mittelpunkt des Dorfes, der durch alte Bauernhäuser und Reetdächer geprägt ist, soll nach der Schließung des Stapelfelder Hofs entwickelt werden. „Ein Mix aus Arztpraxis, Kaufmannsladen und einer kleinen Gastronomie in dem Gebäude wäre denkbar“, sagt Fechner. Die Bürger wünschten sich, dass dort wieder ein Treffpunkt entstehe. So könnte die Dorfmitte neu belebt werden. Entschieden sei dies allerdings noch nicht.

Die Gemeinde wächst weiter. „Seitdem ich in Stapelfeld lebe, hat es sich in seiner Größe verdoppelt.“ Nun stoße die Kommune mit dem letztmöglichen Baugebiet neben der Grundschule am Von-Eichendorff-Weg an ihre Grenzen. Das Bauprojekt war durchaus umstritten. Eine Bürgerinitiative hatte erbittert um den Erhalt des Sportplatzes auf dem Gemeindegrundstück gekämpft. Nun ist der verbliebene Teil des Sportplatzes an der Schule saniert worden, und nebenan läuft die Erschließung des Baugebiets für 19 neue Häuser.

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