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Barsbüttel

Dauercamper wollen in Barsbüttel ein Sofa gewinnen

Klaas Pleijsier war der erste Camper auf dem Parkplatz

Klaas Pleijsier war der erste Camper auf dem Parkplatz

Foto: Garrit Falk

Wer bist Sonnabendmorgen in Barsbüttel auf einem von 30 Parkplätzen ausharrt, bekommt eine Couchgarnitur geschenkt.

Barsbüttel.  Klaas Pleijsier sitzt auf Parkplatz 27. Hinter ihm steht sein Zelt, vor ihm ein Gaskocher. Pleijsier erhitzt Wasser für einen frischen Kaffee. Den braucht er auch, schließlich sitzt er schon beinahe zwei Tage auf der Parkfläche. Um ihn herum rangieren Hunderte von Autos. Die Sonne scheint. Pleijsier strahlt siegessicher.

Er ist der Erste gewesen, der sein Zelt auf dem Parkplatz vor Möbel Höffner in Barsbüttel aufgestellt hat. Am Mittwochnachmittag ist das gewesen. Wenn er bis zu diesem Sonnabendmorgen durchhält, bekommt er gratis ein Sofa. Folgerichtig nennt sich diese etwas verrückte Form des Campings Couchcamping.

Der campingbegeisterte Klaas Pleijsier, der gerade erst in Norwegen Urlaub (im Zelt!) gemacht hat, hat es sich auf Parkplatz 27 richtig wetterfest eingerichtet. Sein grün-graues Zelt hat er auf der gepflasterten Parkfläche mit Ziegelsteinen gesichert. Aus Ziegelsteinen hat er auch einen Windschutz für Gaskocher und Grill gebaut. Der Mann weiß, was er tut.

Die ersten 23 Stunden haust der Hamburger wie ein Eremit auf dem Höffner-Parkplatz. Am Donnerstag um 15Uhr dann endlich Gesellschaft: Familie Völlner bezieht den Parkplatz links von Klaas Pleijsier. Vater Tobias baut das Zelt für Frau Christina und das gemeinsame Baby auf. Familie Völlner und Campältester Klaas verstehen sich auf Anhieb, sie teilen den gekochten Kaffee, und Tobias bezeichnet den campingaffinen Klaas als seinen „Campdaddy“.

Nacht auf Freitag bringt neue Camper auf den Höffner Parkplatz.

Am Donnerstagabend erhält Cathrin Behmcke einen Anruf im Hamburger Stadtteil Osdorf, ihr Bruder ist Busfahrer und hat im Radio vom Höffner-Couch-Camping erfahren. Sofort macht sich Cathrin auf den Weg nach Barsbüttel. Sie hat wenig Hoffnungen, noch einen der sicherlich hart umkämpften Parkplätze abzubekommen. Bei ihrer Ankunft um kurz vor Mitternacht stellt sie dann fest, dass noch immer 28 Parkplätze frei sind.

Die Nacht auf Freitag ist regnerisch. Das Zeltlager wächst weiter. Denn nach ihrer Ankunft berichtet Cathrin sofort ihrer Mutter von den freien Plätzen. Auch Heike Behmcke macht sich noch in dieser Nacht auf den Weg zu Höffner. Gegen 2 Uhr kommt auch sie auf dem Parkplatz an. Einen weiteren Anruf richtet Cathrin an ihren Bekannten Domenik Strauß, der nur schnell Schlafsack, Iso-Matte und Plastikplane gegen den Regen einpackt und sich dann mit dem Bus auf den Weg von Hamburg-Lurup nach Barsbüttel macht. Um 5 Uhr überquert er zu Fuß die Brücke über die A 1, um von der Haltestelle den Parkplatz zu erreichen.

Freitagmorgen, der Regen hat aufgehört und die Sonne kommt allmählich wieder durch. Anlass für die Schönwettercamper sich auf den Weg zu Höffner zu machen. Am Morgen treffen die Freundinnin Maike Bibow und Stefanie Timm bei den Couch-Campern ein, eigentlich wollen sie zusammen eine Garnitur ergattern, stellen aber bei ihrer Ankunft fest, dass noch immer 25 Parkplätze unbesetzt sind. Kurzerhand entschließen sie also, beide jeweils einen einzunehmen. Ihren Plan, das große Zelt auf beide Parkflächen zu stellen, gestattet das Höffner-Reglement jedoch nicht. Deshalb besteht die Campingausstattung von Maike lediglich aus einem Klappstuhl.

Es herrscht allgemeine Verwirrung über die geringe Teilnahme

Um 10 Uhr bezieht Leslie Springer ihren Parkplatz, simple Beweggründe führen sie nach Barsbüttel, sie zieht im Oktober mit ihrem Freund zusammen und braucht ein Sofa. Manchmal ist das Leben so einfach.

Bis zum Mittag schafft es auch Wolfgang Jörß, sein Zelt aufzubauen. Außer der beigefarbenen Ledercouch, die seiner Frau farblich so gar nicht gefällt, bringen ihn auch eigennützige Interessen in die Riege der Camper. Er will für den von ihm organisierten Dammer Eldelauf werben.

Freitagmittag, neun von 30 Parkplätzen sind besetzt. Mittlerweile hat sich eine Art Eigendynamik im Lager entwickelt, muss ein Camper seinen Platz kurzzeitig verlassen, übernimmt einer der übrigen quasi unaufgefordert den Platz bis zu seiner Rückkehr.

Auch Höffner kümmert sich um seine Parkplatzbewohner, neben rettungsdienstlicher Versorgung stellt Höffner eine warme Mahlzeit pro Tag, Duschen und einen zentralen Stromanschluss zur Verfügung. Eine Reihe von Mitarbeitern ist für die Camper abgestellt, unter ihnen Ismail Altinyildiz. Sie sorgen mit einem Unterhaltungsprogramm für die Stimmung der Couch-Camper. Am Donnerstag waren es Brettspiele, für den Nachmittag planen sie ein Torwandschießen. Ismail Anltinyildiz ist von der doch überschaubaren Anzahl von Parkplatzbesetzern ebenfalls sichtlich überrascht, er erwartet jedoch einen großen Schwung Neuzugänge zum Freitagabend.

Dann ist es auch nicht mehr lange. Bis Sonnabendmorgen um 10 Uhr müssen der harte Kern und die Nachzügler sich noch auf ihren Parkplatz behaupten. Jeder, der dann einen Parkplatz besetzt hält, bekommt eine dreiteilige Couchgarnituren. Nach etwa zwei Wochen liefert Höffner den glücklichen Gewinnern dann ihre Garnitur nach Hause.

Klaas Pleijsier hat seinen Kaffee inzwischen ausgetrunken. Ein bisschen hart erscheint ihm der Untergrund nach bald 48 Stunden dann doch. Aber zum Glück steht in Sichtweite noch ein großes, ein rotes Zelt, in dem niemand campt. Darin stehen die Objekte der Begierde. Klaas Pleijsier geht ins Zelt, sinkt in die Kissen. Mal gucken, ob es sich überhaupt lohnt, so lange auf dem Parkplatz zu sitzen.