Stormarn
TSV Lütjensee

Statt Grand: Lütjensee hätte gern einen Kunstrasenplatz

Ortstermin beim Sportverein Lütjensee: TSV-Vorstand Walter Otto(v.l.), Kassenwart Martin Thormann mit seiner Tochter Jette und Bürgermeisterin Ulrike Stentzler

Ortstermin beim Sportverein Lütjensee: TSV-Vorstand Walter Otto(v.l.), Kassenwart Martin Thormann mit seiner Tochter Jette und Bürgermeisterin Ulrike Stentzler

Foto: Julia Sextl / HA

Der Turn- und Sportverein der Gemeinde will seinen Grandplatz loswerden. Ein langfristiger Ersatz würde bis zu 500.000 Euro kosten.

Lütjensee.  Glinde hat seit Kurzem einen, Großhansdorf hat einen, Trittau hat einen, Hoisdorf hat einen. Und Lütjensee will jetzt auch einen haben: einen schicken, neuen Kunstrasenplatz. Und zwar anstelle des alten Grandplatzes, denn der sei kaputt und quasi „totes Land“, wie Lütjensees TSV-Vorstand Walter Otto sagt. Eine brachliegende Fläche aus den späten 1970er Jahren, die nur noch von der Herrensparte des Fußballs und vom Baseballsport genutzt werden könne.

Jetzt haben sich TSV-Chef Walter Otto, Kassenwart Martin Thormann und Lütjensees Bürgermeisterin Ulrike Stentzler (CDU) zu einem ersten Ortstermin auf dem Vereinsgelände getroffen. Es geht um die Zukunft der Fläche – und damit auch um die Zukunft des TSV Lütjensee: Derzeit hat der Verein rund 750 Mitglieder. „Aber wenn wir hier vor Ort nichts bieten, dann wandern die vielleicht auch ab, ins Fitnesscenter oder ähnliches“, sagt Bürgermeisterin Stentzler.

Wegen Verletzungsgefahr dürfen Kinder nicht mehr auf dem Grandplatz spielen

Insbesondere für den Nachwuchs könnten die Pläne interessant sein. Denn dass Kinder – wie auf dem Foto – auf dem Grandplatz Fußball spielen dürfen, sei derzeit eigentlich gar nicht erlaubt. „Der Boden ist ziemlich kaputt und dadurch die Verletzungsgefahr zu groß“, sagt Thormann, der nicht nur Kassenwart des TSV ist, sondern auch Jugendtrainer der FSG Südstormarn – einer seit 1997 bestehenden Fußballgemeinschaft des TSV Lütjensee und des SV Grönwohld.

Damit der nebenan liegende Rasenplatz nicht über Gebühr beansprucht wird, müssen die Nachwuchsspieler der G- bis E-Jugend für ihr Training auf ein kleines Rasenstück hinter der Grundschule ausweichen. „Allerdings hat der Platz nur 25 oder 30 mal 55 Quadratmeter, ich bin mir nicht ganz sicher“, sagt Thormann. Sicher weiß er: „Für die größeren Kinder ist das viel zu klein. Auf Dauer ist das keine Alternative für uns.“

Hätte der TSV anstatt des Grandplatzes einen Kunstrasenplatz, wäre das Gelände die „perfekte Anlage“, so Thormann. Und Kunstrasen habe viele Vorteile: „Wenn man da hinfällt, ist das, als würde man auf einen Teppich fallen. Der federt richtig und ist sogar weicher als normaler Rasen.“ Das sei nicht nur gut für die Gelenke – auch der Unterhalt des Kunstrasens sei günstiger als der eines normalen Fußballrasens.

Es könnte alles so schön sein – wenn nur die hohen Investitionskosten nicht wären: Mit bis zu 500.000 Euro rechnet der TSV. Doch wie das benötigte Geld aufbringen? „Wir wollen demnächst auf Sponsorensuche gehen“, sagt Thormann. Der Plan: den Platz in ganz viele kleine Quadratmeter aufzuteilen und diese an Firmen und Privatleute symbolisch zu verkaufen. 150.000 Euro will der Verein so zusammenbringen. Zudem hoffen Thormann und Otto auf 60.000 bis 80.000 Euro aus öffentlichen Fördertöpfen – etwa von der Europäischen Union oder vom Sportverband.

„Und 30.000 Euro planen wir als Eigenleistung des TSV ein“, sagt Thormann. Denn kleinere Arbeiten können die Vereinsmitglieder auch selbst erledigen, etwa das Ausgraben der Fußballtore oder den Abbau der Eisenumrandung des Platzes.

Otto hat das Sportgelände teils eigenhändig ausgestattet

„Und den Restbetrag soll dann die Gemeinde übernehmen?“, sagt Stentzler und blickt etwas skeptisch in die Runde. „Die Hälfte der Gesamtkosten wäre gut“, sagt Thormann. TSV-Chef Otto hätte gern ein bisschen mehr: „Ich stelle mir eigentlich vor, dass die Gemeinde 300.000 Euro übernimmt“, sagt der TSV-Vorsitzende.

Seit Jahrzehnten setzt sich Otto, der früher als Ausbildungsleiter für gewerbliche Berufe gearbeitet hat, für Lütjensees Sportler ein: Mit viel Engagement und Eigenleistung stattete er das Gelände aus, baute das Kassen- und das Schiedsrichterhäuschen sowie die Garagen und pflasterte den davorliegenden Platz. „Man könnte es eigentlich auch ,Walter-Otto-Stadion’ nennen“, sagt Stentzler augenzwinkernd.

Einen ebenso engagierten Mitstreiter hat der heute 82-Jährige in Martin Thormann gefunden. Ob auch die anderen Sportkollegen offen dafür sind, eigenhändig mit anzupacken, ist noch nicht ganz klar. „Walter sagte zu mir, er sieht uns schon ganz allein dastehen mit der vielen Arbeit“, sagt Thormann und lacht. Er sei aber eigentlich ganz zuversichtlich.

Die Politik hat ihr Interesse an den Plänen des TSV bereits signalisiert. „Wir würden hier nicht stehen, wenn ich von meinen Leuten ein Nein erwarten würde“, sagt die Bürgermeisterin. „Der TSV Lütjensee stellt im Ort ja auch was dar, da müssen wir zusammenarbeiten“, sagt Stentzler. Jetzt wartet sie auf den genauen Kostenvoranschlag und das Spendenkonzept. Anfang Herbst soll es dann erste Gespräche zwischen dem TSV und der Gemeinde geben.

Bis dahin arbeitet ein Experte für Kunstrasenplätze die Planungen weiter aus. „Er macht das im Moment kostenfrei für uns“, sagt Thormann. Der Mann habe schon viele Vereine beim Bau von Kunstrasenplätzen begleitet und sei bundesweit tätig. Auch mit Nachbarvereinen steht der TSV in Kontakt. „Es gibt viele, die bereits einen Kunstrasenplatz haben. Und es entstehen momentan auch viele“, sagt Thormann. Falls alles klappt wie gewünscht, könnten die Lütjenseer schon 2017 von einem neuen Platz profitieren.