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Mit Start zum Ziel: Gutes Abitur geschafft

Koray Kahraman, 19, hat das Abitur in der Tasche. Nun beginnt für ihn ein neuer Lebensabschnitt: ein Studium in Aachen

Koray Kahraman, 19, hat das Abitur in der Tasche. Nun beginnt für ihn ein neuer Lebensabschnitt: ein Studium in Aachen

Foto: Isabella Sauer / HA

Koray Kahraman aus Ahrensburg hat sich immer sozial engagiert und gelernt. Start-Stiftung förderte ihn mit Stipendium.

Ahrensburg.  In sportlichem Outfit und schnellen Schrittes kommt der 19-jährige Koray Kahraman um die Ecke gelaufen. Er steuert ein Ahrensburger Café am Rondeel an und setzt sich in die Sonne. Es ist selten, dass Koray sich Zeit für sich selbst nimmt. Meistens ist er unterwegs und hilft anderen Kindern und Jugendlichen. Oft haben die einen Migrationshintergrund, so wie er selbst. Seine Eltern stammen aus der Türkei. Durch seine guten Leistungen in der Schule und sein soziales Engagement hat Koray vor drei Jahren ein Stipendium der Start-Stiftung erhalten. In diesem Jahr endet seine Förderung, denn er hat sein Abitur gemacht.

Der frisch gebackene Abiturient fängt an, von seinem Leben zu erzählen. Er scheint mit dessen bisherigem Verlauf zufrieden zu sein. „Nach der Grundschule hatte ich die Möglichkeit, auf das Gymnasium zu gehen“, sagt Koray. Diese Chance habe er damals aber nicht wahrgenommen, denn all seine Freunde hatten schlechtere Noten. Er ging also auf die Realschule. „Meine Mama hat das akzeptiert. Die unterstützt mich sowieso bei allem, was ich mache“, fährt er fort.

Während er von seiner alleinerziehenden Mutter erzählt, wirkt er verträumt. Er schwärmt geradezu von ihr. Sie ist ihm sehr wichtig. Dann sagt er: „Meine Eltern haben sich früh getrennt. Meine Mutter hat seitdem noch härter gearbeitet, um mich und meine kleine Schwester versorgen zu können.“ Also musste er früh selbstständig werden. Er übernahm die Hausarbeit, brachte seine Schwester zur Schule und kochte am Abend für die Familie.

Im Frühjahr 2012 bewarb sich Koray dann für das Start-Stipendium der Hertie-Stiftung. Eine Lehrerin hatte ihn darauf aufmerksam gemacht. „Sie sagte, dass ich doch so ein guter Schüler sei und mich sozial engagiere“, sagt er. Außerdem wollte er nach der Realschule auf das Gymnasium wechseln. Somit waren alle Voraussetzungen erfüllt: Abitur anstreben, aus einer Familie mit Migrationshintergrund kommen und auf zusätzliche finanzielle Unterstützung angewiesen sein.

Vor zwei Jahren hat er den Bundespräsidenten getroffen

Der Hobby-Boxer nippt an seinem Cappuccino und erzählt von seinem sozialen Engagement. „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll“, sagt er und lacht. Er unternehme so viel, und alles mache ihm „tierisch viel Spaß“. „Ich gebe einem Nachbarsjungen, dessen Eltern gehörlos sind, Nachhilfe. Eine Skatinggruppe habe ich auch mal geleitet, und jungen Migranten in der Moschee gebe ich immer noch Nachhilfe nach dem Freitagsgebet.“ All seine Tätigkeiten führt Koray ehrenamtlich aus. „Geld will ich dafür nicht haben“, sagt er überzeugend.

Jeden Monat hat Koray 100 Euro Bildungsgeld bekommen. „Dafür konnte ich mir zum Beispiel Bücher kaufen oder mein Internet bezahlen“, sagt der Abiturient. Auch einmalige Zahlungen konnte er beantragen. So konnte er sich eine Brille zulegen. Aber nicht nur finanziell werden die Stipendiaten unterstützt. Auch gibt es regelmäßige Bildungsangebote. So war Koray vor zwei Jahren auf der Islam-Konferenz in Berlin. Dort traf er Bundespräsident Joachim Gauck.

In diesem Frühjahr hat Koray sein Abitur am Eric-Kandel-Gymnasium bestanden. Wie es aussieht, hat er ein gutes Zweier-Abitur. Seinen genauen Notenschnitt kenne er noch nicht, denn er sei in eine Nachprüfung gegangen. Am Tag der mündlichen Prüfung war er krank. Eine Zusage für einen Studienplatz hat der fünf Sprachen sprechende Abiturient trotzdem schon in der Tasche. „In Aachen studiere ich Wirtschaftsingenieurwesen.“

In zwei Wochen fliegt der Ahrensburger nach Istanbul, um dort ein freiwilliges Praktikum zu machen. Das Geld für den Flug hat er gespart. Mitte September werde er sich dann um die Wohnungssuche in Aachen kümmern. Wie er sein Studentenleben finanzieren möchte, weiß er noch nicht genau. „Wahrscheinlich suche ich mir einen Job oder bewerbe mich für ein neues Stipendium“, sagt Koray. Seinem Lebensmotto „Wenn es mir gut geht, soll es auch anderen gut gehen“ bleibe er treu. Deswegen überlege er, wie er sich auch künftig sozial engagieren könne.