Stormarn
Kommentar

Forschung ist häufig von Bauprojekten abhängig

Abendblatt-Mitarbeiterin Mira Frenzel

Abendblatt-Mitarbeiterin Mira Frenzel

Foto: Birgit Schücking

Die Bahn will neue Gleise für die S 4 verlegen. Nur deswegen sind die Ausgrabungen im Ahrensburger Tunneltal überhaupt möglich.

Das Ausgrabungsteam um Archäologin Mirjam Briel hat Glück. Glück, dass die Deutsche Bahn neue Gleise für das S-4-Projekt verlegen muss und dass die geplante Bahnstrecke entlang des Ahrensburger Tunneltals, ein bekanntes Gebiet für archäologische Funde aus der Steinzeit, führt und untersucht werden muss, bevor gebaut werden darf.

Diesen Umständen verdanken die Forscher, dass sie fast jeden Stein im Tunneltal entlang der Strecke umdrehen können. Dass eine Fachfirma Schichten aus sieben Meter Tiefe an die Oberfläche fördert, die sie untersuchen können.

Mirjam Briel, die es wissen muss, sagt, Ausgrabungen sind fast nur möglich, wenn gebaut wird. Kaum noch gebe es reine Forschungszwecke. Das ist natürlich eine Frage des Geldes. In diesem Fall zahlen Hamburg und Schleswig-Holstein.

Dass Forschung nur möglich ist, wenn Geld fließt – ob nun in Form von staatlichen Forschungsetats oder Spenden von Privatpersonen – ist keine wirklich neue Erkenntnis. Erschreckend ist aber, dass Ausgrabungen nicht nur von Geldgebern abhängig sind, sondern vermehrt auch von Bauprojekten. Bauprojekten, die wohl nur recht selten zufällig auf archäologischen Goldgruben liegen.