Stormarn
Pilgerreise

Ein Ahrensburger Pilger findet die Einsamkeit

Eine der seltenen Begegnungen: Zwei  Pilger kamen Jürgen Krüger entgegen

Eine der seltenen Begegnungen: Zwei Pilger kamen Jürgen Krüger entgegen

Foto: Jürgen Krüger / HA

Ignatiusweg als Kontrast zum Jakobsweg: Der 72 Jahre alte Jürgen Krüger lief 600 Kilometer allein, brauchte dafür 27 Tage.

Ahrensburg. Völlig erschöpft klopft Jürgen Krüger an die Holztür einer Pension im nordspanischen Laguardia. Schweiß läuft von seiner Stirn. Die Sehnsucht nach einem Bett ist groß. Der Besitzer gibt dem Ahrensburger mit Händen und Füßen zu verstehen, dass seine Unterkunft renoviert wird. Krüger ist verzweifelt, doch dann naht die Lösung. Ein Freund des Gastwirts fährt ihn zu einem kleinen Hotel.

Jürgen Krüger ist an diesem Abend ganz allein in der Unterkunft. „Das ist nur eine Erinnerung von vielen“, sagt der 72-Jährige. Vergangenes Jahr lief er in 27 Tagen den mehr als 600 Kilometer langen Pilgerweg des heiligen Ignatius von Loyola.

Der fröhliche Ruheständler, einst selbstständiger Bauingenieur, sitzt im Wohnzimmer und hat seinen Laptop auf dem Schoß. Er schaut sich Fotos von seiner Pilgerreise an. Das macht er öfter. Damit er die Wanderung noch mehr verinnerlichen kann. Dann sagt er lächelnd: „Diese Pilgerreise war ganz anders als meine erste im Mai 2011.“ Da war er den Jakobsweg gelaufen. Während der eher touristisch ausgelegt ist, traf Krüger auf dem Ignatiusweg – dem Camino Ignaciano – kaum Menschen. „Am Tag habe ich vielleicht drei gesehen. Die liefen aber in die entgegengesetzte Richtung“, sagt der Ahrensburger. Und nur ein Spanier ging mit ihm die gleiche Strecke. „Allerdings war der schneller unterwegs und lief vorweg“, sagt Krüger und grinst.

Der Schwiegersohn brachte ihn auf die Idee für die zweite Reise

Die Motivation für seine großen Touren hat Krüger von Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“ erhalten. „Das hat mich inspiriert“, sagt er und klickt sich weiter durch seine Fotos. Aber auch der religiöse Aspekt ist für den Ahrensburger wichtig.

Und was meint seine Familie zu seinen Auszeiten vom Alltag? „Meine Frau hat scherzhaft gesagt, auch wenn sie Nein gesagt hätte, wäre ich gegangen.“ Und sein Schwiegersohn habe sogar den Anstoß zu seiner zweiten Pilgerreise gegeben. „In einer Zeitung gab es einen Artikel über den Ignatiusweg. Den hat er mir mitgebracht.“ Im Mai vergangenen Jahres ging es dann los. Und das allein, wie auch schon vor vier Jahren. „Ich laufe lieber allein, da bin ich unabhängig“, sagt der Rentner.

Da der Ignatiusweg noch relativ unbekannt ist, gibt es kaum Wegweiser. Dank eines Handys und GPS-Signal habe er fast immer den richtigen Weg gefunden. Telefoniert hat er allerdings nie. „Höchstens mal eine SMS geschrieben“, sagt er. Wenn es in seinem elf Kilogramm schweren Rucksack tagsüber vibrierte, habe er oft erst am Abend die Nachricht gelesen. Der vierfache Großvater sagt: „Das war oft mein Ansporn weiterzulaufen. Die SMS war dann wie eine Belohnung.“

An eine weitere lustige Situation erinnert sich Krüger, als er ein Bild von einer Ackerlandschaft auf seinem Bildschirm sieht: „An einem Abend fragte ich junge Dorfbewohner nach einem Kloster, da wollte ich übernachten. Doch das Kloster war geschlossen.“ Die Jungs konnten ihm nicht weiterhelfen, da riefen sie die Polizei an. „Mit einem Streifenwagen wurde ich dann zu einer anderen Unterkunft gefahren.“

Vortrag im Park Hotel in Ahrensburg

Jürgen Krüger hält am Donnerstag, 13. August, um 15.30 Uhr im Park Hotel in Ahrensburg (Lübecker Straße 10a) einen Vortrag über seine Pilgertour 2011 auf dem Jakobsweg. Der Eintritt ist für Mitglieder der Senioren-Union frei, kostet sonst fünf Euro.