Stormarn
Guinness-Buch der Rekorde

Bargteheider knacken Weltrekord im Dauer-Tennis

Erschöpft, aber glücklich: Dennis Groißl (l.) und Niklas Jahn brechen nach 61 Stunden den Dauer-Tennis-Weltrekord

Erschöpft, aber glücklich: Dennis Groißl (l.) und Niklas Jahn brechen nach 61 Stunden den Dauer-Tennis-Weltrekord

Foto: Julia Sextl

Mehr als 63 Stunden dauerte der Tennis-Marathon von Dennis Groißl und Niklas Jahn. Dabei übertrafen sie den aktuellen Weltrekord im Dauerspiel.

Bargteheide.  Der Wille war stärker als ihre Schmerzen: Mehr als 63 Stunden am Stück haben die beiden Bargteheider Dennis Groißl und Niklas Jahn fast ununterbrochen Tennis gespielt – und damit den offiziellen Weltrekord im Dauer-Tennis gebrochen. Wird ihre Leistung jetzt offiziell vom Guinness-Aufsichtsrat in London anerkannt, ziehen sie als Weltrekordhalter ins Guinness-Buch der Rekorde ein, in der Kategorie „Longest Marathon Playing tennis, singles“.

Es war ein ungeheurer Kraftakt , den die beiden 21 und 30 Jahre alten Freizeitsportler auf die Beine gestellt haben. Ihr Plan: 80 Stunden Dauer-Tennis. Von Donnerstag, 9. Juli, 10 Uhr, bis Sonntag, 12. Juli, 18 Uhr. Um kurz vor halb zwei in der Nacht zu Sonntag war dann allerdings vorzeitig Schluss. Nach 63 Stunden, 27 Minuten und 38 Sekunden wurden die Uhren gestoppt.

„Niklas hatte große Knieprobleme und konnte nicht mehr weiterspielen“, sagt der Sportwart des Bargteheider Tennis-Clubs, Michael Wiescholek. Der 21-Jährige habe nur noch humpeln können. Der Stimmung tat das dennoch keinen Abbruch. Denn nur knapp zweieinhalb Stunden zuvor hatten die beiden bereits den offiziellen Weltrekord zweier US-Amerikaner aus dem Jahr 2011 geknackt. Er liegt bei 60 Stunden, 59 Minuten und 58 Sekunden.

Es ist Sonnabend, gegen 19 Uhr: Auf der einen Seite des Tennisplatzes am Bargteheider Tennisclub haben sich rund 50 Besucher versammelt. Sie sind in Feierlaune, fit, hellwach und vermutlich ausgeschlafen. Die Gesichter der etwa 20 Zuschauer auf der gegenüberliegenden Seite des Spielfeldes sind dagegen eher bleich und angespannt. Besorgt sehen sie aus, und das ist auch kein Wunder: Die meisten von ihnen sind seit zwei Tagen ununterbrochen wach. Seit Donnerstagmorgen. Mehr als 60 Stunden.

Verwandte machen sich Sorgen um die beiden Tennisspieler

Sie sind die Angehörigen, Freunde und Helfer von Dennis Groißl und Niklas Jahn. Sie sind bei ihnen, um die beiden Weltrekord-Herausforderer psychisch zu motivieren, körperlich zu versorgen – und um über sie zu wachen. Denn auch, wenn es niemand ausspricht: Die Angst vor einem möglichen Kreislaufzusammenbruch bei den Spielern hängt wie eine schwere, bedrohliche Gewitterwolke über dem Tennisplatz.

„Ich mache mir schon ein bisschen Sorgen um die beiden“, sagt Bianca Groißl-Faerber. Sie ist die große Schwester von Spieler Dennis. „Mittags hatte mein Bruder etwas Kreislaufprobleme, weil er durch die körperliche und psychische Anstrengung keinen Appetit mehr hatte. Er brachte einfach nichts runter“, sagt die 33-Jährige. Mittags habe die extra engagierte Ernährungsberaterin den beiden Nudeln gebracht. „Niklas hatte zu dem Zeitpunkt gerade eine Hochphase und hatte den ganzen Teller Nudeln ratzfatz aufgegessen. Aber Dennis hatte da gerade ein Tief, und er hatte nicht die Energie, zu essen.“ Sie und ihre Schwester Janika hätten ihn daraufhin gefüttert: „Immer, wenn die beiden die Seiten gewechselt haben, gab es einen Löffel Nudeln. Das hat ihn dann wieder aus dem Tief herausgeholt.“

Fünf Minuten Pause pro Stunde, das sind die offiziellen Regeln

Alle zwei bis zehn Minuten, immer nach zwei Spielen, wechseln Niklas und Dennis die Seiten. Den Weg auf die andere Seite des Spielfeldes nutzen sie regelmäßig, um quasi im Vorbeigehen am Spielfeldrand einen Schluck zu trinken oder von ihren Energy-Power-Riegeln abzubeißen. „Das Problem ist allerdings, dass die nicht gut schmecken und Niklas und Dennis die offenbar nur schwer runterkriegen“, sagt Dennis’ kleinere Schwester Janika Groißl.

Nur fünf Minuten Pause dürfen die Spieler pro Stunde machen, so die offiziellen Regeln. Bei dem Spiel um den Weltrekord gibt es keine üblichen Satzpausen. Die Ruhezeiten können aber gesammelt und am Stück genommen werden, wie erstmals am Freitagvormittag. Die zweite längere Pause folgte am Sonnabendmorgen. „Das war auch dringend nötig. Die Nacht davor war unglaublich hart“, sagt Bianca Groißl-Faerber.

Spieler haben zwei schlaflose Nächte, Regengüsse und große Hitze hinter sich

Zu diesem Zeitpunkt haben die beiden Spieler bereits zwei Nächte ohne Schlaf, mehrere Regengüsse am Freitag und sehr kalte Temperaturen in den Nächten hinter sich. Eine Stunde lang werden Dennis und Niklas massiert und medizinisch versorgt – insbesondere an den Füßen, an denen vor allem Dennis bereits viele Blasen hatte. Der bevorstehende Tag verspricht Temperaturen von mehr als 20 Grad. Niklas und Dennis sind am Ende – fast. Sie spielen weiter, auch wenn es etwas lustlos wirkt. Sie müssen Kräfte sparen.

Von Stunde zu Stunde hebt sich die Stimmung. Aus Lautsprechern tönt laute Musik, die Spannung steigt. Die Zahl der Zaungäste ist mittlerweile auf rund 400 angewachsen. Sie alle wollen bei dem historischen Moment dabei sein, feuern Niklas und Dennis kräftig an. Es ist kurz vor 23 Uhr. Gleich erreichen die Spieler die magische Weltrekord-Grenze von 61 Stunden Dauer-Tennis. Gemeinsam zählen die Zuschauer die letzten Sekunden bis 23 Uhr herunter – dann ist es geschafft: Jubel! Applaus! Niklas und Dennis fallen einander in die Arme, während die Fans La-Ola-Wellen machen.

Nach einer halbe Stunde Pause geht es weiter zum inoffiziellen Weltrekord

Rund eine halbe Stunde Pause zum Feiern gönnen sich die Spieler, dann geht es weiter. „Wir spielen bis morgen, 18 Uhr. Wir werden die 80 Stunden schaffen“, gibt sich Niklas zu dem Zeitpunkt überzeugt. Er und Dennis wollen damit auch noch einen inoffiziellen Weltrekord von 77 Stunden aus dem Jahr 2012 toppen. Den Rekord hatten zwei Tennisspieler aus dem nordrhein-westfälischen Herford aufgestellt. Er ist allerdings nicht offiziell anerkannt worden, weil die Spieler aufgrund starken Regens vom Tennisplatz in eine Halle gewechselt waren.

„Dafür hatten wir 2010 bereits einen offiziellen Rekord aufgestellt, mit 55 Stunden und 55 Minuten“, sagt Dennis Heitmann, einer der beiden Herforder Spieler. Der 33-Jährige ist extra nach Bargteheide gereist, um den neuen Versuch eines Weltrekords mitzuerleben. Vermutlich ist er der einzige, der sich genau vorstellen kann, wie es Niklas und Daniel jetzt geht: „Sie werden Fress- und Schlafattacken und starke Schmerzen haben. Es kann durchaus ein bis zwei Wochen dauern, bis sie sich vollkommen davon erholt haben.“