Stormarn
Bürgermeisterwahl

Hamburger Politiker sollte in Ahrensburg kandidieren

Andreas Ernst war in den Jahren 2006 bis 2008 Sport-Staatsrat in der Regierung von Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust

Andreas Ernst war in den Jahren 2006 bis 2008 Sport-Staatsrat in der Regierung von Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust

Foto: Reto Klar

Mit Andreas Ernst war auch ein bekannter Hamburger CDU-Politiker im Gespräch. Er sollte für eine Vier-Parteien-Allianz antreten.

Ahrensburg/Hamburg.  In der größten Stadt Stormarns hat der Kampf um den Posten des Verwaltungschefs begonnen. CDU-Spitzenmann Christian Conring und der Grüne Jörg Hansen laufen sich mit ersten Veranstaltungen warm für den 27. September. Für den Tag, an dem die Ahrensburger mit ihrer Stimme darüber entscheiden, ob der von der SPD ins rennen geschickte Bürgermeister Michael Sarach im Amt bleibt oder nicht.

Dessen Gegenspieler geben sich gelassen bis selbstsicher. „Wir sind in der Stadt mittlerweile eine 20-Prozent-Partei, werden ein gutes Ergebnis erzielen und möglicherweise in die Stichwahl kommen“, sagt Jörg Hansen von den Grünen. CDU-Kandidat Christian Conring bewertet seine Chancen als „sehr gut“. Viele Bürger hätten erkannt, dass in der Stadt „Stillstand“ herrsche, weil der Verwaltungschef seinen Job nicht richtig erledige. Conring sagt: „Das ärgert viele, das will ich ändern.“

Beide Kontrahenten Sarachs genießen offenbar das Vertrauen ihrer Parteien. 37 CDU-Mitglieder votierten bei ihrer Mitgliederversammlung Ende März für den 49-Jährigen Conring, der seit 2000 CDU-Mitglied, seit 2008 Stadtverordneter und seit 2010 Vorsitzender des Finanzausschusses ist. Zwei CDUler enthielten sich der Stimme.

Der 54 Jahre alte Jörg Hansen wurde von seinen Parteifreunden mit 15 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung nominiert . Doch vor der offiziellen Kür der Kandidaten gab es nach Abendblatt-Informationen auch konkrete Gespräche darüber, wie der Bürgermeister mit SPD-Parteibuch trotz seines Amtsinhaber-Bonus’ zu schlagen sei. Und zwar mit einer bisher einmaligen Koalition aus CDU, den Grünen, FDP und der Wählergemeinschaft WAB.

Andreas Ernst sollte als Kandidat von vier Parteien ins Rennen gehen

„Einer für alle, alle für einen“ – frei nach dem Motto der tapferen Musketiere aus dem Roman von Alexandre Dumas sollten einem Mann mit Erfahrungen in Verwaltung und Wirtschaft sowie einem guten Netzwerk – jung und dynamisch obendrein – mit Rückendeckung aller oben genannten Parteien beste Chancen gegen Michael Sarach eingeräumt werden. Soweit der Plan. So trug es sich dann auch zu, dass sich acht Vertreter von CDU, Grünen, FDP und WAB an einem kalten Abend im Dezember 2014 in einem Privathaus im Waldgut Hagen zusammenfanden, um sich der Reihe nach drei aus einem größeren Kreis ausgewählte Kandidaten anzusehen und anzuhören, auf die man sich möglicherweise verständigen könne.

Neben Conring und Hansen stellte sich an jenem Abend auch ein Hamburger vor, der bald Ahrensburger werden möchte. Sein Name: Andreas Ernst. Sein Job: Bereichsleiter Unternehmensstrategie bei der Hamburger Hochbahn AG. Verheiratet, zwei Kinder, 43 Jahre jung und politikerfahren. Andreas Ernst war in den Jahren 2006 bis 2008 Sport-Staatsrat in der Regierung von Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU), danach Geschäftsführer bei der Nordbahn Eisenbahngeselllschaft und zuständig für Marketing und Vertrieb, kaufmännische Leitung und Personal.

Gründe genug offenbar für die Ahrensburger FDP, einen CDU-Mann mit Wohnort Hamburg-Niendorf als einen von mehreren möglichen Kandidaten ins Gespräch zu bringen. Eingeladen zur Vorstellungsrunde wurde Andreas Ernst dann vom CDU-Ortsvorsitzenden Maik Neubacher. Dieser sei er gernt gefolgt, wie er sagt: „Meine Familie und ich überlegen sowieso schon länger, nach Ahrensburg zu ziehen. Da kam die Anfrage gelegen.“ Er habe Spaß an Politik, die Aufgabe habe er als reizvoll empfunden. Ernst: „Die Gespräche waren intensiv, sehr offen – über alle Parteigrenzen hinweg.“

Man habe ihm unisono den Eindruck vermittelt, „Ahrensburg braucht einen Wechsel“. Und dass aus dem Job Bürgermeister mehr herauszuholen sei, als der Amtsinhaber das derzeit tue. Zwar wolle er sich die Kritik anderer an Sarach nicht zu eigen machen. Aber man habe ihm ausführlich berichtet, dass der Verwaltungschef nur verwalte. Ein Bürgermeister aber müsse eine „tolle Stadt wie Ahrensburg“ (Ernst) auch selbst „nach vorn bringen wollen. Das muss er vorleben“. Politik und Verwaltung müssten besser zusammengeführt werden. Die Schlossstadt brauche eine „Initialzündung, einen Masterplan.“ Das zu versuchen, habe ihn besonders gereizt, eben weil sich eine bisher wohl einmalige Allianz aus vier Parteien in Ahrensburg hätte bilden können.

Am Ende aber blieb es bei dem Versuch. Die Grünen konnten sich weder für Christian Conring noch für Andreas Ernst erwärmen. Für diesen war damit eine Bedingung für seine Kandidatur, die Unterstützung aller vier Fraktionen, nicht erfüllt. Ernst sagt auf Abendblatt-Anfrage: „Schade, dass dieses vielversprechende Viererbündnis am Ende nicht in faktische Schritte mündete.“ Der Beinahe-Kandidat und eingeschworene HSV-Fan gibt sich sportlich und sagt, er respektiere die Entscheidung der Grünen. Im Übrigen habe die CDU mit Conring eine gute Wahl getroffen, da dieser„den Innenblick“ für die Stadt mitbringe.

CDU-Fraktionschef Tobias Koch sieht den Kandidaten seiner Partei vorn

Und wie steht der Fraktionschef der Ahrensburger CDU zu den Dingen? Tobias Koch sagt, Conring sei von Beginn an der von der CDU favorisierte Kandidat gewesen. „Mit ihm haben wir die besten Chancen, weil er als Ahrensburger und als Jurist alle Voraussetzungen mitbringt. Er hat Erfahrungen in der Politik und der Wirtschaft gesammelt. Wir werden bei der Wahl die Nase vorn haben.“

Eine Einschätzung, die sicher nicht alle Ahrensburger teilen. Grünen-Spitzenmann Jörg Hansen betont, Mitglieder seiner Partei hätten sich mittlerweile in der Stadt „ein hohes Ansehen erarbeitet“, auch und gerade durch ihre Arbeit in Ausschüssen im Ahrensburger Rathaus. Doch verbessert die Tatsache, dass die Parteien nicht zu einer gemeinsamen Linie gefunden haben, am Ende nicht die Chancen des Amtsinhabers? Hansen sagt dazu: „Rein rechnerisch wird das wohl so sein.“

Der Bürgermeister Michael Sarach selbst wollte sich auf Anfrage des Hamburger Abendblatts nicht in dieser Sache äußern.