Stormarn
Musikfest

Für eine Nacht ist Musik in Ahrensburg

Geschäfte, Restaurants und Banken werden zu Clubs, 25 Bands spielen auf 17 Bühnen, rund 2000 Besucher feiern begeistert bis zum Morgen.

Ahrensburg. „Ich spiele Keyboard“, sagt Emil stolz. Emil ist drei Jahre alt, und er sitzt gerade im Foyer einer Seniorenwohnanlage. Im Rosenhof in Ahrensburg. Vorn haut ein anderer in die Tasten seines Flügels. Er heißt Axel Zwingenberger, er ist Boogie-Woogie-Star. Emil gefällt das. Er ist einer der jüngsten Besucher der Ahrensburger Musiknacht, wenn nicht der jüngste. Rund 2000 Gäste sind am Sonnabendabend durch die zu Musikclubs umfunktionierten Geschäfte der Stadt gezogen.

Zur offiziellen Eröffnung am späten Nachmittag im Holzland Wulf tritt Texas-Lightning-Sängerin Jane Comerford auf, covert bekannte Lieder in kurzen, witzigen Sequenzen. Vor der Halle trotzen Besucher dem Regen, essen Grillwurst, trinken Bier. Hannes Braake arbeitet im Holzland. „Ich finde die Musiknacht toll“, sagt der 20-Jährige. „Sonst ist in Ahrensburg nichts los.“

Ab 20 Uhr beginnt die Zeit der vielen Parallelkonzerte. Musikliebhaber schlendern durch die Ahrensburger Innenstadt, von Konzert zu Konzert. In der Sparkasse Holstein sitzen die Zuhörer teilweise im Schneidersitz auf dem Boden, genießen mit geschlossenen Augen die ruhigen Stücke der Gruppe Tramper. Bei den schnellen Songs klatschen viele im Takt mit.

Im Restaurant Casa Rossa sorgen The Wild Bluesmen für gute Stimmung. Viele Gäste essen Antipasti oder Nudeln, trinken Rotwein. Wer keinen Tisch reserviert hat, muss stehen.

Das Fahrrad ist das perfekte Gefährt für den schnellen Ortswechsel

Für Matthias Ort ist es die zweite Musiknacht. „Ich bin trotz des DFB-Pokalfinales hergekommen, weil die Atmosphäre so speziell ist“, sagt der Ahrensburger. Er genießt ein Glas Wein in Jaquces’ Weindepot und wippt seinen rechten Fuß zur Musik von United Members.

Wer schnell zwischen den verschiedenen Veranstaltungsorten wechseln will, ist mit dem Fahrrad flott unterwegs. So auch Christiane Gottlob und Stefanie Hübner aus Großhansdorf. Gottlob: „Die Mischung der Bands ist super, weil sie so vielseitig ist.“ Hübner fügt hinzu: „Das ist ein rundum gelungener Mädelsabend für uns.“ Simone und Uwe Douqué ruhen sich unterdessen auf einem Bett im Geschäft Stoffideen/Betten Bubert vom vielen Laufen aus. Dabei hörten sie den bluesigen Klängen des Trios Black Patti zu. Uwe Douqué: „Bei dem Gitarristen habe ich einen Workshop gemacht.“

Organisatorin nennt schon den Termin für die Musiknacht 2016

Im TopaTeam Studio sitzen die Gäste auf bequemen Stühlen und lassen sich von der speziellen Spielart des Mundharmonika-Virtuosen Marc Breitfelder mitreißen. Mal klingt dessen Bluesharp wie ein Dudelsack, dann wie eine Trompete. Die Inhaber des Studios, Matthias Dräger und Stefan Pakatzki, sind genauso begeistert wie die Gäste. Dräger: „Die Musiknacht ist grandios.“ Sein Kollege schwärmt: „Es sind tolle Menschen unterwegs, das ist ein tolles Event.“

Doch nicht nur die Gäste und Ladeninhaber genießen die besondere Atmosphäre bei der Musiknacht. Die Künstler loben ebenfalls die tolle Stimmung. Bei Blueslegende Abi Wallenstein, der mit Martin Röttger und Steve Baker in der Formation Blues Culture in der Haspa auftritt, geht das Publikum von der ersten Note an voll mit. „Wenn das Publikum mitgroovt, macht das doppelt so viel Spaß“, sagt Wallenstein. „Das ist, wie wenn ein Surfer Wind statt Flaute hat.“ Er liebe es, wenn sich bei einem Konzert Energie übertrage. „Das ist ein Wechselspiel zwischen uns und dem Publikum.“

Steve Baker, auch er ein Mundharmonika-Virtuose, genießt seinen Auftritt in der Haspa-Filiale. Er sagt später: „Der Kontrast zwischen seriösem Geldinstitut und Rock’n’Roll ist lustig.“

Felizitas Thunecke, die Organisatorin der Musiknacht, ist mit dem Abend zufrieden. Ihr persönliches Highlight sei die Session bei der After-Show-Party im Park Hotel gewesen, sagt sie ganz am Ende des Spektakels. „Die war absolut abgefahren. Die Bühne war so voll, dass kaum noch Musiker raufgepasst hätten.“ Sie arbeitet bereits an der Musiknacht 2016. Am Sonnabend, 28. Mai, so der Plan, wird Ahrensburgs Innenstadt wieder zum Festival-Gelände.