Stormarn
Einwohnerversammlung

Bargteheide berichtet über Integration von Flüchtlingen

Die Bargteheiderin Ulrike Schröder (l.) ist die Deutschlehrerin von Hedi aus Tschetschenien. Auf der Einwohnerversammlung berichten sie von ihren Erfahrungen

Die Bargteheiderin Ulrike Schröder (l.) ist die Deutschlehrerin von Hedi aus Tschetschenien. Auf der Einwohnerversammlung berichten sie von ihren Erfahrungen

Foto: Julia Sextl

Bargteheide hat ein klares Konzept zur Integration von Asylsuchenden. Eine Einwohnerversammlung gewährt Einblicke in den Flüchtlingsalltag.

Bargteheide. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: „Wir haben jetzt mehr als 100 Menschen, die sich bei uns in der Flüchtlingshilfe engagieren“, sagte Bargteheides Gleichstellungsbeauftragte Gabriele Abel. Sie berichtete bei der Einwohnerversammlung am vergangenen Mittwoch über das Integrationskonzept zur Flüchtlingshilfe der Stadt Bargteheide. Bürgermeister Henning Görtz hatte zu der Veranstaltung ins Ganztagszentrum eingeladen, zu der rund 100 Interessierte gekommen waren.

Im Vordergrund stehe vor allem der Deutschunterricht, betonte Gabriele Abel. „Denn einen offiziellen, bezahlten Sprachkurs bekommen die Asylsuchenden erst, wenn sie anerkannt sind. Und wie lange dauert das – ein Jahr? Länger?“ Deshalb gebe es mittlerweile 20 ehrenamtliche Deutschlehrer in Bargteheide.

Flüchtling aus Tschetschenien bedankt sich bei Bargteheidern

Eine von ihnen istUlrike Schröder. Die pensionierte Deutschlehrerin hilft seit Januar vor allem asylsuchenden Frauen. Ihre begabteste und fleißigste Schülerin sei Hedi aus Tschetschenien, sagte Schröder. Die 24-Jährige ist seit November in Bargteheide – damals sprach sie noch kein Wort Deutsch. Bei der Einwohnerversammlung hingegen schilderte Hedi öffentlich ihre Erfahrungen – auf Deutsch. „Das habe ich Frau Schröder und meinem Paten Klaus-Peter Rencksdorf zu verdanken“, sagte sie. „Ich spreche mit ihm jeden Tag, deshalb geht es so gut.“

Auch Rainer Wagner, ein pensionierter Polizeibeamter, berichtete von seinen Erfahrungen. Er ist Pate von zwei Schwestern und einem Kind aus dem Iran. „Man lernt so viel über die Mentalität und die Menschen, das ist großartig.“ Nur mit der Vorstellung, irgendwann Abschied nehmen zu müssen, ginge es ihm gar nicht gut.

Workshop zum Thema Abschiednehmen

Deshalb werde für die ehrenamtlichen Helfer demnächst ein Workshop zum Thema Abschiednehmen angeboten, sagte Abel. Des Weiteren berichtete sie über kostenlose Angebote für Kinder von Asylsuchenden. Sie reichen von der Teilnahme an Ausflügen der Pfadfinder über Freikarten fürs Schwimmbad bis hin zum freien Eintritt in Bargteheides Sportvereine. Spontanen Applaus gab es, als Abel berichtete, dass Asylsuchende nicht belegte Plätze in Volkshochschulkursen zur Verfügung gestellt bekommen.

Zurzeit leben in Bargteheide 103 Flüchtlinge. Ende des Jahres werden es vermutlich 150 sein. Bürgermeister Henning Görtz machte deutlich, dass künftig noch mehr Engagement nötig wird: „Wir brauchen dringend Wohnungen.“ Er appellierte an die Bürger, Wohnraum zur Verfügung zu stellen und betonte: „Wenn wir künftig neue Unterkünfte bauen, werden wir nicht bei den Nachbarn um Erlaubnis fragen. Das wäre ein falsches Signal.“