Stormarn
Großhansdorf

Erstes Kinderwunschzentrum in Stormarn eröffnet

Die Professoren Askan Schultze-Mosgau (l.) und Georg Griesinger sind ärztliche Leiter des neuen Kinderwunschzentrums

Die Professoren Askan Schultze-Mosgau (l.) und Georg Griesinger sind ärztliche Leiter des neuen Kinderwunschzentrums

Foto: Birgit Schücking

Auf dem Areal der Park-Klinik Manhagen wurde ein Zentrum für Reproduktionsmedizin eröffnet. Wöchentlich gibt es zwei Beratungstage.

Großhansdorf. Die Fassade ist alt und schön, doch was vor allem zählt, sind die inneren Werte. Denn hinter den aufwendig restaurierten Fachwerkmauern verbirgt sich ein Wunschkind. Im ehemaligen Kutscherhaus auf dem Gelände der Park-Klinik Manhagen in Großhansdorf wurde am Mittwoch das Universitäre Kinderwunschzentrum Manhagen feierlich eröffnet. Damit gibt es in Stormarn erstmals eine feste Anlaufstelle für Eltern, die modernste Reproduktionsmedizin auf Hochschulstandard nutzen möchten, um sich ihren Wunsch nach einem Kind erfüllen zu können.

Der „Nachwuchs“ an der Hansdorfer Landstraße 9 ist eine Gemeinschaftsarbeit zweier Einrichtungen, die schon seit vielen Jahren kooperieren: die Park-Klinik und das Universitätsklinikum Lübeck betreiben gemeinsam in einer eigenständigen GmbH das neue Großhansdorfer Wunschkinderzentrum, mit dem das Angebot des wachsenden Hauses in Lübeck ergänzt werden soll. „Stormarner, die Reproduktionsmedizin nutzen wollten, mussten bisher nach Lübeck oder Hamburg fahren. Jetzt können wir eine wohnortnahe Beratung und Betreuung auf universitärem Niveau auch in der Fläche Schleswig-Holsteins ermöglichen“, sagt Jan Zabel, Verwaltungschef der Park-Klinik Manhagen und der neuen Einrichtung.

30.000 Babys kommen jedes Jahr nach einer Kinderwunschtherapie zur Welt

Wie groß der Bedarf ist, kann Zabel mit Zahlen belegen, die er aus der Eröffnungsrede des Park-Klinik-Geschäftsführers Christian Rotering zitiert: „Zehn Prozent der Frauen in Deutschland sind kinderlos. 800.000 Ehepaare im Lande suchen jährlich bei Gynäkologen, Urologen und Hausärzten Rat, wenn es um ihren Wunsch nach einem eigenen Kind geht. Und mehr als 30.000 Babys kommen jedes Jahr nach einer Kinderwunschtherapie zur Welt.“ Dass die dritte Summe noch stark steigerungsfähig ist, kann man sich angesichts der ersten beiden Zahlen gut vorstellen.

Dennoch gibt es noch immer vor allem psychologisch motivierte Hindernisse, die professionelle Hilfe der Reproduktionsmediziner zu nutzen. „Viele Paare trauen sich nicht so recht und ihnen ist auch nicht klar, an wen sie sich wenden sollten“, sagt Zabel. Das Thema ist heikel, weil ein intimes Problem mit Dritten geteilt werden muss. „Dabei ist kompetente Hilfe gerade dann erforderlich, wenn ein Ehepaar darunter leidet, dass die Ehefrau nicht schwanger wird. Da staut sich viel Frust und Wut auf, was zu einer großen Belastung für die Partnerschaft werden kann“, sagt Georg Griesinger, Professor für Reproduktionsmedizin am Lübecker Universitätsklinikum. Als Leiter der beiden Kinderwunschzentren hat der gebürtige Salzburger, der seit 2002 in Lübeck arbeitet, nach eigener Schätzung dabei geholfen, dass mehrere Tausend Kinder zur Welt gekommen sind.

Es geht bei der Reproduktionsmedizin wesentlich um Vertrauen. Deshalb hat die Beratung einen hohen Stellenwert, um bei den Patienten das notwendige Vertrauen in die Ärzte aufzubauen. Georg Griesinger: „Wir nehmen uns zu Beginn Gesprächszeit, um die Ängste und Sorgen der Patienten aufzufangen. Wir wollen ihr Anliegen verstehen, wissen, wo das Paar steht, was es weiß, was die Partner ängstigt und was sie erwarten.“ Kleine Pause. „Jeder Fall ist ein besonderer, individueller. Es gibt keine „One-size-fits-all-Medizin“, sondern maßgeschneiderte Behandlungskonzepte.“

Der Neubau in der Hülle des alten Kutscherhauses kostete etwa zwei Millionen Euro

Der Rundgang durch das aufwendig neue Zentrum – Zabel: „quasi ein Neubau in der alten, erhaltenswerten Hülle, der etwa zwei Millionen Euro gekostet hat“ – zeigt, worauf es ankommt. Es geht weniger um sichtbare High-Tech-Medizin als um eine menschliche Umgebung, um Intimität, Räume, in die man sich für das diskrete Gespräch zurückziehen kann.

„Unser Credo bei der Beratung lautet, dass alles möglichst natürlich ablaufen sollte. Die Belastung durch die Behandlung sollte für die Patienten möglichst gering sein, ebenso die Risiken und die Kosten“, sagt Professor Griesinger.

Für die Erfüllung eines Kinderwunsches bieten die beiden Wunschzentren eine Vielzahl von Maßnahmen, angefangen mit zum Beispiel Hormonbehandlungen über das inzwischen gängige Verfahren der Befruchtung im Reagenzglas (In Vitro Fertilisation) bis hin zu komplizierteren Techniken wie der Eizellreifung im Reagenzglas (In Vitro Maturation). „Wir versuchen immer, zunächst den Eisprung zu unterstützen, bevor wir echte Technologie einsetzen“, sagt Georg Griesinger. Die Behandlung wird nur zum Teil von Krankenkassen getragen. Zu Beginn werden die Patienten über mögliche Kosten aufgeklärt.

Die Lübecker zählen zu den Pionieren

In Lübeck, so schätzt Griesinger, würden jährlich 500 bis 600 Behandlungszyklen pro Jahr durchgeführt. Das dortige Kinderwunschzentrum profitiert von der Nähe zur innovativen Forschung – die Lübecker zählen zu den Pionieren und haben viele Techniken mitentwickelt. 2005 führten sie zum Beispiel die erste Geburt in Deutschland nach einer In Vitro Maturation durch. Großhansdorf ist für den Mediziner eine ideale Ergänzung. „Wir haben hier ein ansprechendes ambulantes Setting. Der Clou dieser Einrichtung in der Park-Klinik ist, dass wir ein sehr gutes Netzwerk in einem schönen Ambiente nutzen können.“

Wer unsicher ist, ob er die Reproduktionsmedizin nutzen sollte, dem empfiehlt Griesinger: „Wenn eine Frau nach zwei Jahren ohne Empfängnisverhütung nicht schwanger geworden ist, sollte sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.“ (Lutz Wendler)