Stormarn
Hamberge

Brückenarbeiten verursachen Risse an Dorfkirche

Pastor Erhard Graf meint, dass die Brückenbauarbeiten an der Trave die Schäden an der Kirche verursacht haben

Pastor Erhard Graf meint, dass die Brückenbauarbeiten an der Trave die Schäden an der Kirche verursacht haben

Foto: Birgit Schücking

Rammarbeiten beim Bau einer Brücke über die Trave seien die Ursache, sagt der Pastor. Nun fordert er Schadenersatz von der Stadt Lübeck.

Hamberge. Ein zentimeterlanger Riss zieht sich durch die östliche Außenmauer der Dorfkirche in Hamberge. Das sorgt in der Kirchengemeinde für großen Unmut. Denn erst vor gut einem Jahr war das historische Gotteshaus aus dem 13. Jahrhundert aufwendig saniert worden.

Nun muss das Gebäude an der B 75 erneut repariert werden. „Schuld ist der Bau der neuen Brücke über die Trave“, sagt Pastor Erhard Graf. „Im März und im Februar wurden von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang Spundwände in den Boden gerammt. Das ist der Grund für die Risse“, sagt der Pastor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Hamberge und Klein Wesenberg.

Rissmonitore sind geplant

Die Stadt Lübeck, die für den Bau der Brücke verantwortlich ist, hält diese These für unwahrscheinlich. „Dennoch werden wir in der Kirche Rissmonitore anbringen und überprüfen, ob sich die Risse verändern. Wenn ja, kann es nicht mit dem Bau zusammenhängen“, sagt Marc Langentepe, Sprecher der Hansestadt Lübeck.

Pastor Graf hält jedoch an seiner Meinung fest. Er arbeitet schon seit acht Jahren in der Kirche. Schon damals gab es Risse im Mauerwerk, die mit sogenannten Gipsmarken versehen wurden. Diese Plomben dienen der Überwachung der Risse. „Es hat sich nie etwas an den Rissen verändert“, sagt der Pastor. „Bis mit den Rammarbeiten begonnen wurde. Die Gipsmarken fielen raus und es kam ein neuer Riss hinzu“, sagt Erhard Graf und fügt hinzu: „Wir hatten hier doch kein Erdbeben . Es muss von den Bauarbeiten kommen.“

Dorfkirche wurde erst vor einem Jahr für rund 300.000 Euro saniert

Bei einer Begehung am 7. April mit einem Architekten und der Leiterin der Bauabteilung des Kirchenkreises Plön-Segeberg wurden die Schäden begutachtet. „Auch der Architekt hält die Bauarbeiten an der Trave als Ursache für wahrscheinlich“, sagt Erhard Graf. Anfang 2013 hatten die aufwendigen Sanierungsarbeiten an der Kirche begonnen. Für 300.000 Euro wurden Mauern saniert, Buntglasfenster neu gefasst, Wände gestrichen und der barocke Altar restauriert. Im März 2014 waren die Arbeiten abgeschlossen.

Im Januar 2013 wurde auch die Brücke , die Hamfelde mit dem Lübecker Ortsteil Reecke verbindet, gesperrt. Das 60 Jahre alte Bauwerk war einsturzgefährdet. Zunächst wollte die Stadt Lübeck das Bauwerk nicht erneuern. Für die hoch verschuldete Stadt war es zu teuer. „Es leben gerade einmal 100 Menschen in Reecke“, sagt Marc Langentepe zum Abendblatt.

Doch in beiden Gemeinden kam Protest auf. Denn viele Bauern aus Hamberge mussten Umwege fahren, um zu ihren Felder auf der anderen Seite der Trave zu kommen. Auch in Reecke protestierten die Menschen, sogar eine Bürgerinitiative wurde gegründet. Letztlich knickte die Bürgerschaft der Hansestadt ein und entschied sich doch für einen Neubau. Die Kosten dafür belaufen sich inzwischen auf rund zwei Millionen Euro.

Beschwerdebrief an die Stadt

Vor rund eineinhalb Jahren wurde die alte Brücke abgerissen. Anschließend begannen Arbeiter damit, eine neue Querung zu bauen. Eigentlich sollte die Brücke Mitte Mai dieses Jahres fertig sein. Doch der knapp 50 Meter lange Stahloberbau kann nicht aus Ostfriesland nach Lübeck geliefert werden. „Auf der Autobahn gibt es eine Baustelle. Für den Schwertransport ist es an dieser Stelle zu eng“, sagt Langentepe. Wann die Stahlkonstruktion an die Trave geliefert werden kann, ist noch ungewiss. Fest steht indes, dass die Kirchengemeinde die Hansestadt zur Kasse bitten möchte. Erhard Graf hat ein Beschwerdebrief an die Stadt geschrieben. Er sagt: „Die haben für solche Fälle eine Versicherung .“

Prüfung der Anzeige läuft

Die Bauabteilung der Stadt Lübeck will die Anzeige der Kirchengemeinde prüfen. Langentepe: „Schließlich ist es auch möglich, dass Lastwagen, die durch die Gemeinde fahren, für die Risse verantwortlich sind.“ Schließlich hätten die auch die inzwischen abgerissene Brücke beschädigt. Sie war nur für Fahrzeuge bis maximal 7,5-Tonner freigegeben. Langentepe: „Aber auch 40-Tonner fuhren darüber.“ (Dorothea Benedikt)