Stormarn
Stubbendorf

Feuer in Wesenberg raubt Familie das Zuhause

Feuer in Wesenberg: Der Dachstuhl eines Einfamilienhauses geriet in Vollbrand

Feuer in Wesenberg: Der Dachstuhl eines Einfamilienhauses geriet in Vollbrand

Foto: Finn Fischer

Großeinsatz der Wehren in Wesenbergs Ortsteil Stubbendorf: Neunjähriger Nachbarsjunge reagiert schnell und verhindert Schlimmeres.

Wesenberg.  Michael Meier ist dem neunjährigen Nick unendlich dankbar. „Er ist ein Held“, sagt der Bürokaufmann aus dem Wesenberger Ortsteil Stubbendorf. Das Haus von Meiers Nachbarn an der Straße Ohlfeld wurde bei einem Brand zerstört. Der Junge war der erste, der die Flammen bemerkte. Er lief zu seiner Mutter, die sofort die Feuerwehr alarmierte.

Durch sein schnelles Handeln verhinderte Nick offenbar Schlimmeres. „Wir hatten ja ein bisschen Wind, da kann ein Feuer sehr schnell auf das Nachbargebäude übergreifen“, sagt Otto Heydasch, Sprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Stormarn. Im diesem Fall hatte die extreme Hitzeeinwirkung schon das Wärme-Verbund-System an der Außenwand von Meiers Haus gelöst, einige der doppelverglasten Scheiben waren bereits geplatzt. Der 46-Jährige hielt sich zu diesem Zeitpunkt in Hamburg auf.

Brandschaden beläuft sich auf rund 130.000 Euro

Ereignet hat sich der Brand, bei dem auch ein Audi S 6 Schaden nahm und nur noch Schrottwert hat, am Dienstagnachmittag. Laut Sonja Kurz von der Polizeidirektion Ratzeburg griffen die Flammen möglicherweise vom Wagen aus auf den Carport und anschließend auf das Haus, in dem eine vierköpfige Familie lebt, über. Sonja Kurz sagt: „Ein technischer Defekt ist nicht ausgeschlossen.“ Der Schaden beläuft sich nach ersten groben Schätzungen auf rund 130.000 Euro. Tatsächlich dürfte er jedoch höher sein. Das Haus ist jedenfalls nicht mehr bewohnbar. Inzwischen hat die Kriminalpolizei in Bad Oldesloe die Ermittlungen zu dem Feuer aufgenommen.

Nick kann sich noch genau an die Geschehnisse erinnern. Er war an jenem Tag gerade mit einem Freund auf dem Weg zu einer Wiese, wollte dort Fußball spielen. Unmittelbar davor liegt das zerstörte Haus. Nick wohnt einen Steinwurf davon entfernt auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Den Moment, als er das Feuer bemerkte, beschreibt der Drittklässler so: „Erst dachte ich, die grillen. Doch das Haus hat gebrannt. Ich wollte noch an der Tür klingeln, weil ich Angst hatte, dass da einer drin ist. Dann ist irgendetwas am Auto explodiert.“ Er hätte Tränen in den Augen gehabt, sei wegen des giftigen Rauches zurückgewichen und nach Hause gelaufen. „Mama hat dann die Feuerwehr angerufen.“ Das war um 16.46 Uhr. Heydasch: „Der Junge hat sich vorbildlich verhalten, besser kann man es nicht machen.“

105 Feuerwehrleute, Polizei und der Rettungsdienst waren im Einsatz

Der Hauseigentümer war nicht im Gebäude. Dessen Frau sowie die Tochter seien im Urlaub in England gewesen, berichten Nachbarn. Der 17-jährige Sohn entkam den Flammen noch rechtzeitig, blieb unverletzt. Als er aus dem Haus rannte, habe er ein Handy sowie einen Feuerlöscher in den Händen gehabt, berichten Zeugen. Kurz darauf rückte die Feuerwehr mit einem Großaufgebot an. Als die Rettungskräfte eintrafen, schlugen bereits Flammen aus den Fenstern. Im Einsatz waren neben den 105 Feuerwehrleuten aus sieben Wehren auch die Polizei, der Rettungsdienst und das Deutsche Rote Kreuz .

Mark Brüß, der Stubbendorfer Ortswehrführer, hatte die Einsatzleitung. Er sagt: „Das war nicht einfach für uns und kein alltäglicher Einsatz.“ Die Experten gingen unter schwerem Atemschutz gegen die Flammen vor, eine Drehleiter aus Bad Oldesloe wurde nachgefordert. Einsatzkräfte rissen die Dachpfannen runter, um Brandnester abzulöschen. Eine Rufbereitschaft rückte mit einem Gerätewagen an, um Dutzende Atemluftflaschen auszutauschen.

Die Nachlöscharbeiten dauerten bis 22 Uhr

„In meinem Garten waren teilweise 50 Feuerwehrleute, sie haben eine Schneise durch die Hecke geschlagen, um an das brennende Haus heranzukommen“, sagt Michael Meier. Zahlreiche Schläuche verteilten sich über seine Terrasse. Nach drei Stunden war das Feuer aus, die Nachlöscharbeiten dauerten bis 22 Uhr. Die Familie ist bei Verwandten untergekommen. Am Tag danach schleppten Bekannte unbeschädigte Utensilien wie Tische und Stühle aus dem kaputten Gebäude. (René Soukup)