Stormarn
Grundschule am Schloss

Ahrensburger Kinder schreiben an Kanzlerin Merkel

Foto: Lutz Wendler

Mädchen und Jungen der Grundschule am Schloss senden eine Riesenkarte mit ungewöhnlich viel Lob für die Kanzlerin nach Berlin.

Ahrensburg. „Denk’ ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“ So erging es auch der neun Jahre alten Emma, als sie abends im Bett noch wach lag. Aber anders als bei Heinrich Heine musste sie an Angela Merkel denken, weil „die ein bisschen die Chefin von allen“ ist. Emma hatte plötzlich eine Idee: Warum nicht einfach einen Brief an Frau Merkel schreiben und ihr davon erzählen, was Emma und ihre Mitschüler aus der Grundschule am Schloss gerade beschäftigte.

Gedacht, getan. Am kommenden Dienstag nun wird eine Riesenkarte aus blauem Karton, die mit lauter kleinen Briefchen beklebt ist und auf handlicheres Din-A4-Format gefaltet wurde, zur Post an der Hagener Allee in Ahrensburg getragen und nach Berlin an die Chefin von allen geschickt.

„Wir freuen uns das sie sich darum kümern das wir Friden Haben“

Angela Merkel dürften die Ohren klingen, wenn sie dann die Post aus Ahrensburg bekommt. Denn es sind quasi lauter kleine Liebesbriefe, die bei ihr landen werden. Die darauf vertrauen, dass sie die Welt in Ordnung bringt – oder zumindest Deutschland beschützt. Und die ihr zeigen, dass sie sich um die politische Zukunft keine Sorgen machen muss, falls sie so lange durchhält. Denn Jungwähler des Jahres 2025 sind ihre Fans.

Kostproben? „Danke das du dir so viel mühe für uns gibst.“ – „Wir freuen uns das sie sich darum kümern das wir Friden Haben. Danke das sie fersuchen das andere Länder Friedlich werden.“ – „Ich möchte mich herzlich bedanken das es kein Krieg in Deutschland gibt. Ich füele mich in Deutschland sehr gut. Ich und meine Freunde sind stolz auf sie. Mein Wunsch ist das es kein Krig gibt. Es freut mich wenn sie denn Krig bei Anderen beenden. Sie sind ein Engel für die Weld.“ – „Danke das sie unsere Erde beschützen.“ – „Sie sind das tollste Lebewesen der Erde. Sie machen mich glücklich. Ich wünsche für sie viel Glück.“ – „Sie sind ein Engel! Weil si der welt helfen wolln!!!“

In Gang gekommen ist das Ganze durch den Philosophie-Unterricht der Lehrerin Christiane Friedrichsen. Sie hat mit den Acht- bis Zehnjährigen viel über Leben und Tod diskutiert, auch über Verantwortung für das eigene Handeln und über Freiheit. Und sie hat sich mit den Kindern eine Weltkarte angeschaut und markiert, wo zurzeit überall Krieg geführt wird, wo Menschen nicht frei leben, wo Frauen unterdrückt werden.

Die Kinder von Flüchtlingen wissen um die Ängste ihrer Eltern

Im Gespräch haben die Schüler dann gemerkt, dass die Welt friedlich wäre, wenn sich alle Menschen an die goldenen Regeln hielten, die an der Grundschule am Schloss gelten und in jedem Klassenraum nachzulesen sind: keinem etwas wegnehmen und niemanden am Herzen oder am Körper verletzen.

Krieg kennen die meisten zum Glück nur aus dem Fernsehen, aus den Logo-Nachrichten auf Kika oder aus Zeitungen und dem Radio. Doch einige der Schüler kommen aus Familien, die vor Kriegen, zum Beispiel in Afghanistan oder im Kosovo, geflohen sind. Sie wissen von den Ängsten ihrer Eltern und fühlen stärker den Schrecken. Im Stuhlkreis der 19 Kinder wird das spürbar. Und es wird auch klar, dass Kinder zuverlässige Bezugspersonen brauchen. .Menschen, von denen sie glauben, dass sie alle Probleme beseitigen können. So wie Eltern.

Angela Merkel ist für die Kinder so etwas wie eine Super-Mutti, die sie aus dem Fernsehen kennen. Und sie finden, dass sie so mit anderen Politikern redet, dass die merken, dass sie ihren Streit rasch beenden sollten. Den gleichen Effekt habe es, wenn sie ihre Hände in einer bestimmten Weise auf den Tisch lege, sagt Zoe: „Dann wissen die, dass es ernst wird.“

Im Gespräch mit ihrer Lehrerin wollen die Kinder wissen, ob der Ehemann von Frau Merkel auch so bedeutend sei? Und was ihre zwei Töchter machen? Christiane Friedrichsen ordnet das schnell richtig ein: „Angela Merkel hat keine Kinder. Ich glaube, du verwechselst sie gerade mit Cornelia Funke.“ – „Ach ja.“

Auf die Frage nach anderen bekannten Persönlichkeiten, die sie hätten anschreiben können, fallen den Kindern Joachim Gauck, Obama und Putin ein – wobei der letzte Vorschlag sofort Widerspruch provoziert. Zum Abschied zeigt Emma noch ein kleines PopUp-Bild, das sie zum Thema gebastelt hat. Zwei Papiermänner, die einander gegenüberstehen und durch Papierstreifen verbunden sind, auf denen zu lesen ist: „reden, klären, Krieg beenden.“ Die Namen der Papierfiguren: Putin und Klitschko.

Die Kinder wünschen sich, dass sie mit ihrem Brief eine Gesprächsverbindung zu Angela Merkel hergestellt haben. Und sie hoffen auf rasche Antwort aus dem Kanzleramt. Der Engel aus Berlin wird sie bestimmt nicht enttäuschen.