Stormarn
Tunneltal

Moorwanderbrücke in Ahrensburg wird doch teuer

Die Moorwanderbrücke im Ahrensburger Tunnelatal. Das Bauwerk wird immer mehr zur Gefahr

Die Moorwanderbrücke im Ahrensburger Tunnelatal. Das Bauwerk wird immer mehr zur Gefahr

Foto: Birgit Schücking

Ahrensburg hat ein halbes Jahr nach kostengünstigen Alternativen für das marode Bauwerk im Tunneltal gesucht – und keine gefunden.

Ahrensburg.  Wenn es so etwas wie das Stiefkind der Ahrensburger Politik gibt, dann ist es wohl 310 Meter lang, führt über den Erlen- und Weidensumpf des Tunneltals und ist ziemlich marode. Bereits 2014 sollte die Moorwanderbrücke erneuert werden. Doch dann strichen die Stadtverordneten den Posten im Winter 2013 kurzfristig aus dem Haushalt – mit dem Hinweis auf die klamme Finanzlage der Stadt. Als im folgenden Jahr das Geld bewilligt wurde, ergab eine neue Berechnung, dass sich die Kosten für das Bauwerk von 450.000 auf 720.000 Euro erhöht haben. Nachdem die Politiker des Umweltausschusses die Mehrkosten genehmigt hatten, nahmen sie ihre Zustimmung nach vier Wochen wieder zurück. Nun, eine halbes Jahr später, scheint wieder Bewegung in die Planung zu kommen – ganz langsam, obwohl die Zeit drängt.

Bei der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses stellten Hauke Schmidt vom Umweltamt der Stadt und Ahrensburgs ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragte Rolf de Vries nach einem halben Jahr die Ergebnisse ihrer bundesweiten Recherche vor. Es war ein Auftrag der Politik. Die Kernfragen: Kann die Brücke anders und vor allem günstiger gebaut werden? Hauke Schmidts Resümee: „Eher nicht. Wir waren schon auf der richtigen Spur, was die Lösung angeht.“

Ein Ergebnis der Recherche: Die Brücke ist ein bundesweites Unikat

Die Lösung, die sah den Bau einer Brücke vor, die aus Lärche oder dem Tropenholz Bongossi gefertigt ist, an den Enden auf der Länge von insgesamt 80 Metern von Pfählen getragen wird und auf dem etwa 235 Meter langen Mittelteil auf Kunststoffschwimmkörpern aufliegt. Schmidt: „Der Grund des Moores ist teilweise erst in zehn bis 15 Metern Tiefe fest genug für Stützpfähle, und die Wasserstände wechseln.“ Eine vorwiegend schwimmende Konstruktion sei unerlässlich.

Zuvor hatten Schmidt und de Vries bundesweit Kommunen kontaktiert, die ebenfalls Moore unterhalten und die ähnliche Probleme haben. Zudem hatten sie mit Experten für Schwimmbrücken gesprochen. „Dabei ist vor allem herausgekommen, dass die Moorwanderbrücke im Tunneltal ein Unikat ist“, sagt Schmidt. Experten, die ein solches Bauwerk bereits konstruiert und fertiggestellt hätten, gebe es nicht. Zuvor hatten die Politiker der Stadtverwaltung unter anderem vorgeworfen, nicht die günstigste und beste Variante vorgestellt zu haben.

Schmidt will nun schnellstmöglich die nächsten Planungsschritte einleiten, die Gespräche mit den Naturschutz- und Wasserschutzbehörden führen und mit ihnen den Bau abstimmen. Dafür braucht er die Zustimmung der Mitglieder des Umweltausschusses. Auch die wollen die Planung voranbringen, allerdings erst Mitte Juli. „In der Sitzung sollten wir dann aber ausschließlich über die Moorwanderbrücke sprechen“, sagt Marleen Möller (SPD), Vorsitzende des Umweltausschusses.

Ergeben diese Planungen dann, dass sich die Kosten in der bereits geschätzten Höhe bewegen, dann braucht die Verwaltung wieder die Zustimmung der Umweltausschussmitglieder. Ausschussmitglied Sybille von Rauchhaupt (FDP) sagt: „Das Geld spielt bei unserer Entscheidung natürlich eine Rolle, aber auch die Umweltverträglichkeit des Bauwerks.“ Das sieht auch Christian Schmidt (Grüne) so, er sagt: Wir sollten möglichst naturverträglich bauen, also auch auf Tropenhölzer verzichten und einheimische Hölzer verwenden.“ Marleen Möller meint: „Wir sollten zu allererst noch einmal alles überdenken.“

Hauke Schmidt ist nicht nur anzusehen, dass er meint, dass die Zeit dränge und eine Entscheidung deswegen nicht lange auf sich warten lasse. Er sagt: „Die tragenden Teile der Brücke sind marode, und wir stehen in der Haftung, sollte Spaziergängern etwas passieren.“ Und die Sicherheit sei schon seit einiger Zeit nicht mehr gewährleistet. Er sagt auch, es sei nicht die Konstruktion, die die Brücke teuer mache, sondern die Länge. „Bei der Brücke, die von den Gottesbuden über die Aue zum Rettungszentrum führt hat der Meter 3538 Euro gekostet, die Moorwanderbrücke würde nach derzeitiger Planung 2250 Euro pro Meter kosten“, sagt Schmidt.

Die Moorwanderbrücke wurde zuletzt 2002 umfassend saniert

Die Moorwanderbrücke ist die einzige Verbindung vom Ahrensburger Westen in das Tunneltal. Sie ist ein Teil des drei Kilometer langen Moorwanderweges, der 1957 mit einer einfachen Brücke über den Hopfenbach angelegt worden war. Erst Mitte der 80er-Jahre wurde der Schwimmsteg gebaut, der Basis der heutigen Brücke ist, und in den folgenden Jahren immer wieder verlängert wurde. Im Jahr 2002 wurde die Brücke zuletzt umfassend saniert. Die nötige Instandhaltung des Bauwerks kostet die Stadt jährlich etwa 10.000 Euro.