Stormarn
Brandstiftung

Strohballenbrände ruinieren Hammoorer Landwirt

Ein Fahrzeug der Feuerwehr steht am Einsatzort in Hammoor, im Hintergrund brennen 200 Strohballen

Ein Fahrzeug der Feuerwehr steht am Einsatzort in Hammoor, im Hintergrund brennen 200 Strohballen

Foto: Christoph Leimig

Hans-Joachim Gerkens ist das fünfte Mal betroffen. Polizei geht von Brandstiftung aus. Eigentlich galt die Serie als beendet.

Hammoor. Brennende Strohballen, in der Nacht angezündet von unbekannten Tätern: Dieses Schreckensszenario gehörte für Landwirte, Feuerwehrleute und die Kriminalpolizei in Hammoor und Ahrensburg seit der Festnahme von sechs jungen Brandstiftern im Dezember der Vergangenheit an. Bis zur Nacht zum Dienstag. Um 2.20 Uhr bemerkten Autofahrer, die mit ihren Fahrzeugen auf der A 21 unterwegs waren, einen Feuerschein am Rande der Gemeinde Hammoor. Es war der Feuerschein eines Brandes, der nicht nur ein finanzielles Desaster für den betroffen Landwirt ist, sondern auch für viel Ernüchterung sorgt.

Die Sonderermittlungsgruppe Florian war sechs Tage zuvor aufgelöst worden

„Wir gehen von Brandstiftung aus“, sagt Polizeisprecherin Sonja Kurz. Die Ahrensburger Kriminalpolizei hat die Ermittlungen in dem Fall übernommen, denn die eigens für die damalige Brandserie eingesetzte Ermittlungsgruppe Florian war am 30. April, sechs Tage vor dem Feuer in Hammoor, aufgelöst worden. „Wir prüfen natürlich dennoch, ob die Tat im Zusammenhang mit früheren Brandstiftungen steht“, sagt Sonja Kurz. Dazu gehöre auch die Serie angezündeter Strohballen, die mit den Festnahmen im Dezember beendet schien. Über Details in dem neuen Fall will sich Sonja Kurz nicht äußern, aus „ermittlungstaktischen Gründen“, wie die Polizeisprecherin sagt. Am Mittwoch sollen Brandspürhunde das Gebiet untersuchen.

Bekannt ist bisher: Die 200 Rundballen waren zu einer sogenannten Strohmiete auf der Koppel gestapelt und mit Vlies abgedeckt. Ein Feldweg namens Radelandtwiete führt zu dem Strohlager. Als die Freiwilligen Feuerwehren aus Hammoor und Tremsbüttel am Brandort ankamen, brannten die Strohballen lichterloh. Stundenlang dauerte der Einsatz. Das Feuer konnte nicht gelöscht werden. Stattdessen ließen die Einsatzkräfte das Stroh kon­trolliert abbrennen. Noch am Dienstagnachmittag mussten sie wieder ausrücken, weil das Stroh erneut Feuer gefangen hatte. Strohballen im Wert von 6000 Euro wurden vernichtet.

Für den betroffenen Landwirt ist es das fünfte Mal, dass seine Strohmieten brennen. „Ich höre auf, ich habe keine Lust mehr“, sagt Hans-Joachim Gerkens. Nach dem dritten Feuer habe seine Versicherung gekündigt. „Allein seitdem haben die Täter einen Schaden von rund 20.000 Euro angerichtet.“ Das sei aber nicht alles. Gerkens, der 50 Pferde hat, nutzt das Stroh, um die Ställe seiner Tiere auszulegen. Nach den Bränden fehlte es stets an Streu. Die Notreserven, die die Brandstifter nicht anzünden konnten, weil sie zu feucht waren, sind laut Gerkens nur bedingt nutzbar. „In dem Klima kann ein Pilz entstehen. Fressen die trächtigen Stuten dieses Stroh, führt das zum Abort.“ Er ist noch wütender, als er weiterspricht: „Wenn die Brandstifter auch totgeborene Fohlen gesehen hätten, wüssten sie, was sie anrichten.“

Keine der Brandstiftungen bei Landwirt Gerkens wurde bisher aufgeklärt

Ob er ein Zufallsopfer ist – Gerkens gehören viele der in Hammoor gelagerten Strohmieten – oder die Täter es gezielt auf ihn abgesehen haben, das weiß er nicht. „Wenn es aber etwas Persönliches ist, dann würde ich mir wünschen, dass die Täter mit mir reden würden und wir versuchen, das Problem aus der Welt zu schaffen.“ Dass die Polizei die Täter fasst, daran glaubt er nicht. Dass die Täter Ortskenntnisse haben, hingegen schon. „Wir haben die Strohballen im letzten Winkel versteckt, den findet niemand zufällig.

Den im Dezember gefassten Brandstiftern konnte laut Günter Möller, Sprecher der Staatsanwaltschaft Lübeck, keine der Brandstiftungen auf den Feldern des Hammoorer Landwirts zugeordnet werden. Nachgewiesen wurden den jungen Männern, 17 bis 21 Jahre alt, neun Taten zwischen dem 30. Oktober 2013 und dem 27. Oktober 2014. Die Tatorte: Strohmieten im Ahrensburger Stadtteil Ahrensfelde und in Hammoor. Vier der mittlerweile Angeklagten sind Mitglieder der Feuerwehr Ahrensfelde. Sie hatten gezündelt, um sich bei den Einsätzen vor den Kameraden zu profilieren. Für die späteren Taten hatten sie zwei Komplizen beauftragt. „Dabei soll auch ein bis zwei mal ein Betrag von 40 Euro geflossen sein“ sagt Möller. Nachdem erst alle Brandstifter in U-Haft saßen, ist derzeit noch der 17-Jährige im Gefängnis.

Abgesehen von den Strohballenbränden auf den Feldern von Landwirt Gerkens gibt es rund 100 weitere ungeklärte Fälle – die meisten im Großraum Ahrensburg. Darunter sind nicht nur angezündete Strohballen, sondern auch Papiercontainer, Gartenlauben und Autos. So hatte es auch seit Dezember noch vereinzelt gebrannt. Das waren allerdings ausschließlich kleinere Feuer, meist in Papiercontainern. Kurz: „Wir gehen damals wie heute davon aus, dass wir es mit mehreren Tätern oder Tätergruppen zu tun haben.“