Stormarn
Kommentar

Vertrauliche Geburt ist eine Chance für Mutter und Kind

Abendblatt-Mitarbeiterin Ewelina Berger

Abendblatt-Mitarbeiterin Ewelina Berger

Foto: Mira Frenzel

Eine Schwangerschaft kann Frauen aus vielerlei Gründen in eine Notsituation stürzen. Umso wichtiger ist es, sie rechtlich zu stärken.

Eine Schwangerschaft kann Frauen aus vielerlei Gründen in eine Notsituation stürzen. Manche sogar so sehr, dass sie es ablehnen, das Kind zu bekommen – oder aufzuziehen, wenn ein Schwangerschaftsabbruch nicht mehr infrage kommt. Umso wichtiger ist es, diesen Frauen nicht nur die Chance auf eine medizinisch betreuute Entbindung in einem rechtlich abgesicherten Rahmen zu ermöglichen, sondern auch die Chance, ihre Entscheidung gegen das Kind nicht endgültig machen zu müssen, wie es bei einer anonymen Geburt der Fall ist.

Denn nach 16 Jahren kann sich die Lebenssituation der Mutter in dem Maße verändern, dass sie zu einer Kontaktaufnahme zu ihrem Kind bereit ist, sofern das Kind es wünscht. Und auch für das zur Adoption freigegebene Kind bietet dieses Gesetz eine Chance, sein Grundrecht auf Kenntnis seiner Abstammung wahrzunehmen und seine leibliche Mutter kennenzulernen.

Nicht zuletzt ist das Gesetz auch eine Chance für unsere Gesellschaft, in der eine vertrauliche Geburt und die Freigabe zur Adoption gesellschaftlich anerkannt und nicht mehr stigmatisiert wird. Den Frauen würde somit die Scham bei einer solchen Entscheidung genommen werden.

Bleibt nun abzuwarten, ob die vertrauliche Geburt die Babyklappen in Zukunft entlasten oder die Zahl der anonymen Geburten wie erhofft vermindern wird. Denn das setzt natürlich voraus, dass die Frauen grundsätzlich dazu bereit sind, sich irgendwann auf ihr eigenes Kind einzulassen.