Stormarn
öffentlicher Nahverkehr

Bürger in Glinde dürfen beim neuen Busnetz mitreden

Glindes Bürgermeister Rainhard Zug will die Bürger bei der Planung des neuen Bussystems mit ins Boot holen

Glindes Bürgermeister Rainhard Zug will die Bürger bei der Planung des neuen Bussystems mit ins Boot holen

Foto: Dorothea Benedikt

Verträge mit Betreiber laufen aus. Stadt informiert, Bürger dürfen Wünsche zu Linie und Taktung äußern. Am Ende entscheidet der Kreis.

Glinde. Was könnte sich künftig im öffentlichen Nahverkehr in Glinde ändern? Können alle bisherigen Taktungen eingehalten werden und alle Buslinien erhalten bleiben? Diese und viele weitere Fragen rund um das Busnetz möchte die Stadt Glinde beantworten und lädt die Bürger zu einer Informationsveranstaltung für Dienstag, 21. April, ab 19.30 Uhr in den Festsaal des Bürgerhauses ein.

„Wir wollen aber nicht nur informieren. Interessierte Bürger sollen auch Wünsche äußern. Sie sollen an dem Prozess beteiligt werden“, sagt Bürgermeister Rainhard Zug, der mit Mitarbeitern der Verwaltung den Bürgern Rede und Antwort stehen will.

Inwieweit die Kommune die Zukunft ihrer Busverbindungen beeinflussen kann, ist indes noch unklar. Denn für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ist der Kreis Stormarn zuständig. Die Behörde in Bad Oldesloe entscheidet, welche Grundversorgung Glinde braucht.

Grund für künftige Änderungen ist, dass der Vertrag mit dem bisherigen Anbieter, der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein AG (VHH), Ende 2016 ausläuft und es eine europaweite Neuausschreibung geben wird. Eigentlich war der über acht Jahre geschlossene Vertrag mit der VHH bereits vor einem Jahr ausgelaufen. Damals dachten Kommune und Kreis, dass der Anbieter einen Antrag stellt, die Genehmigung zu verlängern. Doch für die VHH rentierte sich der Busbetrieb in Südstormarn nicht mehr. „Davon wurden wir überrascht“, sagt Zug. Um den Betrieb dennoch aufrechtzuerhalten, schloss der Kreis eine Art Notvertrag mit der VHH über zwei Jahre und bezuschusst den Busbetrieb seitdem mit 792.000 Euro pro Jahr.

Schon heute zahlt die Stadt Glinde selbst für den Nachtbus

Dieser Notfahrplan läuft Ende kommenden Jahres aus. Glinde erarbeitet jetzt einen Beschluss, wie aus Sicht der Stadt ab 2017 die Busverbindungen aussehen sollen. Bis zum 31. Juli muss die Stadt diesen beim Kreis einreichen. Auch die Kreisverwaltung erarbeitet derzeit ein Leistungsangebot und ermittelt dabei die sogenannte Grundversorgung. „Wenn beispielsweise der Kreis zu dem Ergebnis kommt, eine Buslinie müsse nur im 20-Minuten-Takt fahren, dann zahlt der Kreis auch nur dafür“, erklärt Rainhard Zug. Wünsche die Stadt aber, dass der Bus alle zehn Minuten fahre, müsse sie selbst dafür zahlen.

So wie jetzt auch schon für den Nachtbus (619). Als der Kreis vergangenes Jahr die Notvergabe machte, schloss er den Nachtbus aus, weil dieser aus seiner Sicht nicht zur Grundversorgung gehöre. „Wir finden aber, dass der Nachtbus elementar wichtig ist“, sagt Zug: „Menschen die im Schichtdienst arbeiten, sind darauf angewiesen.“ Deswegen finanziert die Stadt die Linie 619 mit den Nachbarn Reinbek und Oststeinbek selbst. Glinde zahlt dafür jährlich 16.900 Euro. Der Bus fährt dreimal pro Nacht, in der Woche nutzen pro Fahrt zwischen drei und zehn Menschen diese Verbindung. „Am Wochenende sind es deutlich mehr“, sagt Detlef Klages vom Ordnungsamt in Glinde.

Rainhard Zug hofft, dass der Kreis den Nachtbus mit in die Ausschreibung aufnimmt und somit dafür auch zahlt. „Wir wollen keinen Cent dazu bezahlen“, sagt der Bürgermeister und fügt hinzu: „Wir sind als große Stadt in Stormarn benachteiligt, weil wir keinen Bahnanschluss haben, dies muss der Kreis beachten.“

Auch künftig wird der Kreis für die Busverbindungen zahlen müssen

Wie letztlich das Angebot in Glinde aussehen wird, entscheidet der Kreisverkehrsausschuss im September. Anschließend soll es eine europaweite Ausschreibung geben. „Geplant ist dann, dass es im Januar 2016 den Zuschlag gibt“, sagt Björn Schönefeld vom Fachdienst Planung und Verkehr beim Kreis Stormarn.

Damit hätte der neue Betreiber ein Jahr Zeit für die Planung und Betriebsvorbereitung. Für rund 20 Buslinien in Glinde, Reinbek, Oststeinbek, Barsbüttel und Trittau wird der neue Betreiber dann verantwortlich sein.

Dass der neue Anbieter eigenwirtschaftlich arbeiten wird, schließt Schönefeld aus: „Das Modell, das wir acht Jahre mit der VHH hatten, ist eine Ausnahme und kommt nur noch ganz selten vor.“ Denn ohne öffentliche Mittel komme kaum noch ein Busbetreiber im Öffentlichen Personennahverkehr aus. Somit rechnet der Kreis, auch künftig einen Zuschuss an den Anbieter zahlen zu müssen. Wie hoch dieser sein wird, kann Schönfeld noch nicht abschätzen. „Es können 500.000 Euro oder wie jetzt fast 800.000 Euro sein“, sagt der Verwaltungsmitarbeiter. Der Vertrag mit dem neuen Anbieter soll für zehn Jahre geschlossen werden.