Stormarn
Großhansdorf

Win-win-Situation mit vielen offenen Fragen

Einwohnerversammlung zum Supermarktneubau in Großhansdorf-Schmalenbeck

Großhansdorf. Es brauchte kein Applausometer, um die zentrale Botschaft der Einwohnerversammlung in Großhansdorf zu interpretieren. Hörbar die stärkste Zustimmung durch spontanen Beifall bekam Bürgermeister Janhinnerk Voß für sein Statement „Wir wollen vorhandene Zentren stärken und keine neuen Supermärkte auf der grünen Wiese bauen“. Das durfte durchaus als Bekenntnis der Bürger zu einem Projekt gewertet werden, mit dem die in die Jahre gekommene Einkaufsmeile des Ortsteils Schmalenbeck am U-Bahnhof neu belebt und zukunftsfähig gemacht werden könnte.

Mehr als 90 Besucher wollten am späten Donnerstagabend im Waldreitersaal am Rathaus erfahren, was dort geplant wird. Das Abendblatt hatte vor fünf Wochen darüber berichtet, dass auf dem Grundstück Ahrensfelder Weg/Sieker Landstraße ein neuer Supermarkt gebaut werden soll, der das lokale Versorgungszentrum erheblich aufwerten würde. In der vorderen Reihe des Grundstücks steht ein zweigeschossiges Doppelgebäude mit einer Filiale der Raiffeisenbank Südstormarn. Dahinter befindet sich ein Parkplatz, der den Zugang zu Schmalenbecks bislang einzigem Supermarkt eröffnet, dem örtlichen Penny-Markt.

Die Präsentation des Hamburger Architekten Kay Ehlers, der im Auftrag des Investors und Projektentwicklers May & Co. aus Itzehoe einen Entwurf für einen großflächigen Neubau vorgelegt hat, bestätigte die ersten Informationen. Demzufolge würden die Gebäude in der ersten Zeile abgerissen, um das Areal komplett zu bebauen. Der Neubau mit etwa 1500 Quadratmeter Grundfläche soll Platz für einen Vollsortimenter mit bis zu 1200 Quadratmeter Verkaufsfläche und für die neue Filiale der Raiffeisenbank bieten. Darüber würden zwei Parkdecks gebaut. Die untere Ebene für die Kunden von Bank und Supermarkt, die obere für den Park-and-Ride-Verkehr des benachbarten U-Bahnhofs. Betreiber des Supermarkts soll die Rewe-Gruppe sein.

Der Entwurf sieht ein Gebäude aus sogenanntem Wasserstrichklinker vor, dessen Kompaktheit durch eine Lamellenstruktur im Parkdeckbereich aufgelockert wird. Die erdig-natürliche Farbgebung und die Begrünung der Lamellen sollen, wie der Architekt sagte, dem Waldcharakter des Ortes entsprechen – was bei den Bewohnern der Waldgemeinde für spontane Heiterkeit sorgte. Die Parkdecks würden über zwei Rampen mit der Sieker Landstraße verbunden. Das offene obere Deck soll etwa neun Meter hoch sein und würde noch um zwei Meter vom gläsernen Aufzugturm überragt.

Beide Parkdecks würden zusammen 120 Plätze bieten – doppelt so viel wie die aktuelle Parkfläche. Die Gemeinde soll Eigentümer des oberen Parkdecks werden und es den Nutzern der U1 unentgeltlich für Park and Ride zur Verfügung stellen. Auch für den Bürgervorsteher ist das Ergebnis nach jahrelangen Debatten um den Standort höchst zufriedenstellend. „Wir bekommen mehr Kaufkraft in diesen Teil des Ortes, und das trägt zu seiner Stabilität bei“, sagte Jens Heinrich (CDU).

Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten? Ganz so unkompliziert sind die Dinge nicht, weil es mehr Beteiligte und unterschiedlichste Interessen gibt. Diskutiert wurde etwa die Frage, ob Schmalenbeck einen Discounter und einen Frischemarkt verträgt. Und wie Penny in den Rewe-Neubau eingebunden werden kann. Das alles wird vermutlich intern geklärt, denn beide gehören zum selben Konzern. Auf das Ergebnis werden auch die Eigentümer der beiden Grundstücke gespannt sein, auf denen der Penny-Markt steht.

Gesprächsbedarf gibt es auch für den Investor und die Raiffeisenbank, der das vordere Grundstück gehört. Noch ist offen, wie die Bank eingebunden werden kann. Immerhin hat sie sich schon dazu bekannt, an dem für sie besonders wichtigen Standort bleiben zu wollen. Parallel dazu verhandelt May & Co, mit der Gemeinde: Im Finanzausschuss geht es im April darum, welchen Verkaufspreis Großhansdorf für sein Parkplatz-Grundstück erzielen will.